
Inhalt
- Ein mediterraner Halbstrauch, kein Küchenkraut wie jedes andere
- Standort: volle Sonne, nichts anderes
- Der Boden: mager, durchlässig, kalkhaltig
- Pflanzung und die ersten Wochen
- Gießen: seltener als beim Gemüse
- Rückschnitt: nur ins junge Holz
- Winterhärte: die größte Schwachstelle
- Winterschutz im Hochbeet: was tatsächlich hilft
- Rosmarin im Topf: die sicherere Alternative
- Ernte und Verwendung
- Rosmarin neben anderen Kräutern und Gemüse
- Häufige Fehler im Überblick
Rosmarin im Portrait
Rosmarin gehört zu den Kräutern, die man mit einem einzigen Bild verbindet: ein Zweig über dem Grillrost, ein paar Nadeln in den Kartoffeln, ein Strauch am Terrassenrand. Dieses Bild ist richtig, aber es verschweigt, worauf Rosmarin tatsächlich angewiesen ist, wenn er im Garten und nicht nur im Kräutertopf des Supermarkts wachsen soll. Anders als die einjährigen Küchenkräuter, die jedes Frühjahr neu ausgesät werden, ist Rosmarin ein mehrjähriger, verholzender Halbstrauch aus dem Mittelmeerraum, der über Jahre an derselben Stelle stehen bleibt - vorausgesetzt, der Standort stimmt und der Winter wird ihm nicht zum Verhängnis.
Dieses Portrait beschreibt, was Rosmarin an Boden und Standort braucht, wie Pflanzung, Rückschnitt und Ernte gelingen, und vor allem, worauf es im deutschen Klima ankommt: die Winterhärte. Sie ist bei Rosmarin keine Selbstverständlichkeit, und sie unterscheidet sich, je nachdem, ob die Pflanze im Gartenboden steht oder in der exponierten Randzone eines Hochbeets. Wer diesen Unterschied kennt, erspart sich manche Enttäuschung im April, wenn ein Strauch, der im Herbst noch grün war, plötzlich braune, trockene Zweige zeigt.
Ein mediterraner Halbstrauch, kein Küchenkraut wie jedes andere
Botanisch ist Rosmarin (Rosmarinus officinalis, mittlerweile auch als Salvia rosmarinus geführt) mit Salbei, Thymian und Lavendel verwandt - alle vier stammen aus demselben trockenen, sonnenverwöhnten Lebensraum und stellen deshalb ähnliche Ansprüche. Der entscheidende Unterschied zu Basilikum, Petersilie oder Dill liegt im Wuchs: Rosmarin verholzt von unten nach oben, bildet über die Jahre einen festen Stamm und wird, wenn man ihn lässt, zu einem kniehohen bis hüfthohen Strauch. Er wächst langsam, dafür aber ausdauernd, und ein gut etablierter Strauch kann bei entsprechendem Standort ein Jahrzehnt und länger an derselben Stelle stehen.
Für den Hausgebrauch reicht Ihnen meist eine einzige Pflanze, denn Rosmarin ist ein sparsam zu dosierendes Gewürz mit einem harzig-kampferartigen Aroma, das sich beim Kochen deutlich entfaltet. Anders als Basilikum verträgt er lange Hitze und gibt sein Aroma erst dabei richtig ab - ein ganzer Zweig darf von Anfang an mitschmoren und wird vor dem Servieren wieder entfernt. Wenn Sie mehrere Pflanzen setzen möchten, sollten Sie bedenken, dass ein ausgewachsener Strauch mit der Zeit deutlich mehr Platz beansprucht, als der kleine Topf aus der Gärtnerei vermuten lässt.
Im Handel finden sich neben der aufrechten Wildform auch niedrigere, teils überhängende Sorten sowie panaschierte Varianten mit gelblich gerandeten Nadeln. Für den Garten, in dem es vor allem um die Küche geht, ist die aufrechte Form die unkompliziertere Wahl - sie verzweigt sich gut, lässt sich in Form schneiden und liefert die kräftigsten, am längsten haltbaren Zweige zum Trocknen.
Standort: volle Sonne, nichts anderes
Rosmarin verzeiht bei fast keinem Punkt so wenig wie beim Licht. Er braucht einen vollsonnigen Platz mit möglichst vielen Sonnenstunden am Tag - ein Standort, der nur vormittags oder nur am späten Nachmittag Sonne bekommt, reicht auf Dauer nicht. Im Halbschatten wächst er zwar weiter, aber er vergeilt: Die Triebe werden lang und weich, das Aroma bleibt blass, und die Pflanze übersteht den Winter schlechter, weil sie nicht ausreichend ausgereift ins Winterhalbjahr geht. Ein Südhang oder eine Südseite ist der Idealfall, weil dort zusätzlich Wärme gespeichert wird, die Rosmarin in kühleren Nächten zugutekommt.
Neben der Sonne zählt der Windschutz. In seiner mediterranen Heimat wächst Rosmarin oft an felsigen Hängen, wo er zwar Wind ausgesetzt ist, aber nicht der kalten, austrocknenden Zugluft mitteleuropäischer Wintertage. Ein Platz an einer Hausmauer oder in einer windgeschützten Ecke des Gartens hilft der Pflanze, weil starker Wind im Winter dem Holz Feuchtigkeit entzieht, die die gefrorenen Wurzeln nicht nachliefern können - dieses sogenannte Frosttrocknis, nicht die Kälte allein, ist bei vielen immergrünen Gehölzen der eigentliche Winterschaden.
Im Hochbeet lässt sich diese Anforderung meist gut erfüllen, weil die erhöhte Fläche selten von Bäumen oder Nachbargebäuden verschattet wird und die Sonne von allen Seiten heranreicht. Beobachten Sie trotzdem einmal über den Tag, wo tatsächlich die meisten Sonnenstunden ankommen, denn gerade an der Nordseite eines Hauses oder unter einem Baum kann auch ein Hochbeet im Schatten liegen.
Der Boden: mager, durchlässig, kalkhaltig
Was für die meisten Gemüsekulturen im Hochbeet richtig ist, ist für Rosmarin falsch: Er will keine nährstoffreiche, humose Komposterde, sondern einen mageren, durchlässigen und eher kalkhaltigen Boden. In fetter, feuchter Erde wächst er zwar üppig, aber weich und anfällig - die Triebe reifen nicht ausreichend aus, das Aroma verliert an Intensität, und die Pflanze übersteht Frost deutlich schlechter. Rosmarin gehört damit zu den wenigen Kulturen im Gemüsebeet, denen zu gute Bedingungen eher schaden als nützen.
Für den Pflanzplatz sollten Sie die oberste Schicht der Beeterde mit einem Anteil Sand oder feinem Splitt abmagern - etwa ein Drittel der obersten fünfzehn bis zwanzig Zentimeter. Das verbessert gleichzeitig die Wasserdurchlässigkeit, denn Staunässe an der Wurzel verträgt Rosmarin noch schlechter als Trockenheit. Wer im Hochbeet ohnehin nach dem üblichen Schichtaufbau gearbeitet hat, kann den Rosmarinplatz zusätzlich etwas anheben, damit überschüssiges Wasser besser abläuft und die Wurzeln nicht dauerhaft im Nassen stehen.
Den Kalkbedarf deckt in den meisten Regionen bereits das Leitungswasser oder der ohnehin leicht basische Boden ausreichend ab; eine gezielte Kalkung braucht es nur bei sehr saurem, torfigem Substrat. Gedüngt wird Rosmarin praktisch gar nicht - eine jährliche Gabe von etwas reifem Kompost im Frühjahr reicht, und in den ersten beiden Standjahren kann selbst das entfallen. Wer zusätzlich mit Stickstoffdünger nachhilft, fördert weiches Wachstum auf Kosten von Aroma und Winterhärte, genau wie bei zu viel Wasser und zu viel Schatten.
Pflanzung und die ersten Wochen
Pflanzen sollten Sie Rosmarin am besten im späten Frühjahr, wenn keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind, damit die Jungpflanze bis zum Winter genug Zeit hat, im Boden anzuwachsen und ein eigenes Wurzelsystem zu bilden. Eine im Herbst gepflanzte Rosmarinjungpflanze hat es im ersten Winter deutlich schwerer, weil ihr genau diese Anwachszeit fehlt. Der Pflanzabstand sollte mit vierzig bis sechzig Zentimetern großzügig bemessen sein, denn ein ausgewachsener Strauch braucht mehr Raum, als die junge Pflanze zunächst vermuten lässt.
Beim Einsetzen wird der Wurzelballen vorsichtig gelockert, damit die Wurzeln nicht im Kreis weiterwachsen, und die Pflanze nicht tiefer gesetzt, als sie zuvor im Topf stand. In den ersten zwei bis drei Wochen nach der Pflanzung braucht Rosmarin regelmäßiger Wasser als später, damit sich die Wurzeln in den neuen Boden ausbreiten können - danach wird zügig auf die sparsame Wassergabe umgestellt, die dem Kraut auf Dauer entspricht.
Wenn Sie mehrere Kräuter im selben Hochbeet unterbringen möchten, setzen Sie Rosmarin von Anfang an in die Zone, die auch Thymian, Salbei und Lavendel bekommt. Diese mediterranen Kräuter vertragen sich mit denselben mageren, trockenen Bedingungen und lassen sich gemeinsam gießen, während feuchtigkeitsliebende Küchenkräuter wie Petersilie, Schnittlauch oder Basilikum eine andere Ecke des Beets brauchen. Ein Beet, in dem beide Gruppen gleich behandelt werden, geht auf Dauer für die eine oder die andere Seite schlecht aus.
Gießen: seltener als beim Gemüse
Rosmarin ist eine der wenigen Kulturen im Hochbeet, bei denen Sie mit der Gießkanne eher zurückhaltend als großzügig sein sollten. Nach der Anwachsphase reicht es, erst dann zu gießen, wenn die obere Erdschicht spürbar abgetrocknet ist - die Fingerprobe zeigt das zuverlässig, und bei Rosmarin darf sie ruhig etwas tiefer ausfallen als bei flach wurzelndem Gemüse. In durchschnittlichen Sommern kommt ein etablierter Strauch oft mit dem natürlichen Niederschlag aus, in längeren Trockenperioden genügt eine durchdringende Wassergabe alle ein bis zwei Wochen.
Staunässe ist die häufigste Ursache, wenn ein Rosmarin trotz vollsonnigem Standort kümmert oder abstirbt - die Wurzeln faulen, bevor man den Grund erkennt. Ein Beet, das für Gemüse regelmäßig und reichlich bewässert wird, etwa über einen Tropfschlauch, sollte den Rosmarinplatz deshalb entweder aussparen oder auf eine separate, seltener laufende Bewässerungszone legen. Wer den Strauch in unmittelbarer Nähe wasserhungriger Nachbarn wie Tomaten oder Gurken pflanzt, gießt ihn über kurz oder lang mit, ohne es zu wollen.
Auch beim Gießen selbst gilt: an die Wurzel, nicht über das Kraut. Nasse Nadeln trocknen bei Rosmarin zwar schneller ab als breite Blätter, aber dauerhaft feuchtes Laub begünstigt Pilzbefall, besonders wenn die Pflanze zusätzlich dicht steht oder im Schatten wächst. Morgendliches Gießen, wie es für das ganze Hochbeet gilt, passt auch hier - so hat die Pflanze den Tag über Zeit, wieder abzutrocknen.
Rückschnitt: nur ins junge Holz
Der Rückschnitt entscheidet maßgeblich darüber, ob ein Rosmarinstrauch buschig und kompakt bleibt oder mit den Jahren von unten verkahlt und lange, kahle Äste zeigt. Schneiden Sie im Frühjahr, sobald die Frostgefahr vorüber ist, und zwar ausschließlich in das junge, noch grün belaubte Holz. Das ist der wichtigste Punkt beim Rosmarinschnitt: Anders als viele Sträucher treibt Rosmarin aus altem, bereits verholztem und blattlosem Holz nicht mehr aus. Wer zu tief schneidet und dabei in kahle Äste hineingerät, hinterlässt an dieser Stelle eine dauerhafte Lücke.
Ein moderater Rückschnitt um etwa ein Drittel der grünen Triebe fördert die Verzweigung und hält die Pflanze kompakt, ohne sie zu schwächen. Über den Sommer lässt sich zusätzlich laufend ernten, was zugleich als leichter Formschnitt wirkt und die Pflanze zur Verzweigung anregt. Ein zweiter, sehr vorsichtiger Rückschnitt nach der Blüte im Frühsommer ist möglich, sollte aber deutlich zurückhaltender ausfallen als der Frühjahrsschnitt, damit die Pflanze noch genug Zeit hat, vor dem Winter neues, ausgereiftes Holz zu bilden.
Wer einen älteren, von unten verkahlten Strauch übernimmt, tut sich mit einem radikalen Rückschnitt keinen Gefallen - die Pflanze treibt aus dem kahlen Bereich nicht wieder aus und bleibt dauerhaft löchrig. In solchen Fällen ist es meist ehrlicher, den Strauch nach einigen Jahren durch eine neue Pflanze zu ersetzen, statt ihn über Gebühr zu stutzen. Rosmarin lässt sich im Übrigen leicht über Stecklinge vermehren, die Sie von halbverholzten, jungen Trieben schneiden - eine kostengünstige Möglichkeit, rechtzeitig Nachwuchs heranzuziehen, bevor der alte Strauch nachlässt.
Winterhärte: die größte Schwachstelle
Rosmarin gilt in vielen Gartenratgebern pauschal als winterhart, und das führt regelmäßig zu Enttäuschungen. Richtig ist: Rosmarin ist im deutschen Freiland nur bedingt winterhart. Manche Sorten vertragen zuverlässig Temperaturen bis etwa minus fünfzehn bis minus achtzehn Grad, wenn Standort und Boden stimmen, andere, gerade dekorative oder aus wärmeren Herkünften stammende Sorten, werden schon bei deutlich moderateren Frösten geschädigt. Entscheidend ist dabei nicht allein die Sortenwahl, sondern das Zusammenspiel aus Sorte, Standort und Winterschutz - keiner der drei Faktoren wiegt die Schwäche der anderen beiden vollständig auf.
Problematisch ist bei Rosmarin nicht in erster Linie die reine Kälte, sondern die Kombination aus Frost und Feuchtigkeit sowie das bereits erwähnte Frosttrocknis. Ein Strauch, der im Winter zusätzlich in staunasser Erde steht, erfriert eher als einer im trockenen, mageren Substrat, weil gefrorenes Wasser in den Wurzeln zusätzlichen Schaden anrichtet. Auch Kahlfröste ohne schützende Schneedecke, gefolgt von sonnigen, aber noch frostigen Tagen, setzen der Pflanze mehr zu als gleichmäßige Kälte, weil die Nadeln bei Sonnenschein Wasser verdunsten, das die gefrorene Wurzel nicht nachliefern kann.
Im Hochbeet kommt eine Besonderheit hinzu, die den Winterschutz wichtiger macht als im gewachsenen Gartenboden: Die freistehende Füllung eines Hochbeets durchfriert von allen Seiten, nicht nur von oben, weil sie über die Beetwände auch seitlich der Außenluft ausgesetzt ist. Ein Rosmarin, der in gewachsenem Gartenboden mit seiner Wärmeträgheit den Winter übersteht, kann in der exponierten Randzone eines Hochbeets erfrieren, auch wenn dort dieselbe Sorte steht.
Diese Randlage betrifft grundsätzlich jedes Hochbeet, unabhängig vom Material der Wand - sie hat mit der Kopplung von Cortenstahl an die Außentemperatur nichts zu tun, sondern schlicht damit, dass die Erdfüllung ringsum von kalter Luft umgeben ist und weniger Puffermasse hat als ein gewachsenes Beet im Garten. Wer seinen Rosmarin an eine besonders exponierte Ecke des Hochbeets setzt, etwa eine vorspringende Ecke mit Wand nach zwei Seiten, erhöht dieses Risiko zusätzlich.
Wenn Sie auf Nummer sicher gehen möchten, wählen Sie schon beim Kauf eine ausdrücklich als winterhart ausgewiesene Sorte und pflanzen sie an den wärmsten, geschütztesten Platz des Hochbeets, möglichst nicht an eine besonders exponierte Ecke. Ein Rosmarin, der mehrere Winter unbeschadet übersteht, wird von Jahr zu Jahr robuster, weil sich sein Holz zunehmend verholzt und abhärtet - der erste und der zweite Winter sind für die Pflanze die kritischsten.
Winterschutz im Hochbeet: was tatsächlich hilft
Der Winterschutz beginnt im Spätherbst, sobald die ersten leichten Fröste angekündigt sind, aber die Pflanze noch nicht durchgefroren ist. Um den Wurzelbereich häufelt man eine Schicht Laub oder Reisig, die den Boden vor dem schnellen Durchfrieren schützt und gleichzeitig Feuchtigkeit reguliert. Diese Schicht sollte locker bleiben und nicht andrücken, damit darunter keine Fäulnis entsteht.
Die oberirdische Krone wird bei Bedarf mit einem luftdurchlässigen Gartenvlies locker eingebunden, nicht mit Folie - Folie staut Feuchtigkeit und Wärme an sonnigen Wintertagen und schadet dadurch mehr, als sie nützt. Das Vlies bricht vor allem den kalten Wind und mindert das Frosttrocknis, ersetzt aber keinen an sich schon zu kalten oder zu nassen Standort. Bei anhaltendem Dauerfrost mit klarem Himmel darf das Vlies auch tagsüber liegen bleiben, bei mildem, bedecktem Wetter sollten Sie es zwischendurch lüften, damit sich darunter keine Feuchtigkeit staut.
Wo im Hochbeet Platz ist, kann man frostempfindlichere Rosmarinsorten zusätzlich in Kübel setzen, statt sie fest ins Beet zu pflanzen - dazu mehr im folgenden Abschnitt. Wenn Sie den Strauch im Beet belassen, sollten Sie im zeitigen Frühjahr nicht vorschnell alles Schutzmaterial entfernen: Rosmarin treibt spät und langsam wieder aus, und ein Spätfrost im April kann noch Schaden anrichten, wenn die Pflanze schon ungeschützt dasteht. Erst wenn sich frisches, grünes Wachstum an den Triebspitzen zeigt, ist der richtige Zeitpunkt, das Vlies endgültig abzunehmen.
Rosmarin im Topf: die sicherere Alternative
Wer sich die Frage nach der Winterhärte nicht jedes Jahr neu stellen möchte, hält Rosmarin von vornherein im Topf oder Kübel statt im Hochbeet selbst. Das hat mehrere Vorteile: Den Topf können Sie im Herbst an einen frostfreien, hellen Ort umstellen, etwa einen unbeheizten, aber frostsicheren Wintergarten oder ein kühles Treppenhaus, und die Pflanze übersteht den Winter mit deutlich geringerem Risiko. Der Nachteil liegt im höheren Pflegeaufwand: Töpfe trocknen im Sommer schneller aus als das Beet, und sie brauchen entsprechend häufigere, wenn auch weiterhin sparsame Wassergaben.
Für die Topfkultur eignet sich ein Gefäß mit ausreichend Drainagelöchern und eine durchlässige, magere Erde, etwa Kräutererde gemischt mit grobem Sand oder Splitt. Eine Drainageschicht aus Blähton oder Kies am Topfboden verhindert, dass Wasser nach dem Gießen stehen bleibt. Auch im Topf gilt die vollsonnige Lage als wichtigste Voraussetzung, ein schattiger Balkon bringt Ihnen hier keine bessere Ernte als ein schattiger Beetplatz.
Wenn der Kübel im Winter kühl und hell steht, wächst die Pflanze kaum weiter und braucht entsprechend wenig Wasser - hier ist eher zu häufiges als zu seltenes Gießen das Risiko, weil die reduzierte Verdunstung leicht übersehen wird. Im Frühjahr, sobald wieder wärmere Tage kommen, kann der Topf schrittweise wieder ans Freie gewöhnt werden, ähnlich wie bei vorgezogenen Jungpflanzen, damit die Pflanze nicht durch einen abrupten Wechsel von Licht und Temperatur geschädigt wird.
Ernte und Verwendung
Geerntet werden kann bei einem etablierten Rosmarinstrauch fast ganzjährig, sofern die Pflanze nicht gerade unter Winterschutz steht - die harten Nadeln bleiben auch im Winter am Strauch und lassen sich bei Bedarf frisch schneiden. Für die stärkste Aromaausbeute zum Trocknen oder für Vorräte gilt jedoch derselbe Grundsatz wie bei den meisten anderen Kräutern: Ernten Sie am Vormittag, sobald der Tau abgetrocknet ist, und möglichst kurz vor der Blüte, wenn der Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten ist.
Zum Trocknen bindet man kleine, lockere Sträuße und hängt sie kopfüber an einen luftigen, schattigen Ort - direkte Sonne bleicht die Farbe aus und lässt Aroma verfliegen. Anders als viele feinblättrige Kräuter trocknet Rosmarin gut und behält sein Aroma auch getrocknet vergleichsweise stabil, weil die Öle in den harten, ledrigen Nadeln besser eingeschlossen sind als in weichem Blattgewebe. Nach ein bis zwei Wochen sind die Nadeln raschelnd trocken und lassen sich vom Zweig streifen, in ein dunkles, dicht schließendes Gefäß gefüllt halten sie sich über Monate.
In der Küche wird Rosmarin sparsam eingesetzt, weil sein Aroma sich beim Mitschmoren deutlich verstärkt und andere Aromen leicht überdeckt. Ganze Zweige eignen sich zum Aromatisieren von Öl, Bratenfond oder Kartoffeln und werden vor dem Servieren wieder entfernt, während einzelne, fein gehackte Nadeln direkt in die Marinade oder den Teig gehören. Für Öle und Essige gilt dieselbe Vorsicht wie bei anderen frischen Kräutern in Öl: Verwenden Sie nur vollständig getrocknete Nadeln, oder bewahren Sie ein Öl mit frischen Zweigen im Kühlschrank auf und verbrauchen es rasch, da sich unter Luftabschluss bei Zimmertemperatur Bakterien vermehren können.
Rosmarin neben anderen Kräutern und Gemüse
Im Kräuterbeet steht Rosmarin am besten zusammen mit Thymian, Salbei und Lavendel, weil diese vier dieselben mageren, trockenen und vollsonnigen Bedingungen teilen und sich gemeinsam pflegen lassen. Wenn Sie Ihr Hochbeet in eine mediterrane und eine feuchtigkeitsliebende Zone teilen, wie es sich bei einer gemischten Kräuterbepflanzung insgesamt empfiehlt, geben Sie Rosmarin von vornherein den richtigen Platz, statt ihn nachträglich zwischen durstigeren Nachbarn zu benachteiligen.
Im Gemüsebeet gilt Rosmarin traditionell als guter Nachbar für Kohlgewächse und Bohnen, da sein intensiver Duft manche Schädlinge irritiert, auch wenn sich dieser Effekt nicht in jedem Garten gleich stark zeigt. Zu vermeiden ist dagegen die direkte Nachbarschaft zu Kulturen, die viel und regelmäßig Wasser brauchen, etwa Gurken oder Salat, weil die für sie nötige Bewässerung dem Rosmarin schadet.
Ein zusätzlicher Punkt betrifft die Fruchtfolge, die im Gemüsebeet sonst so wichtig ist: Rosmarin bleibt, wie andere mehrjährige Kräuter und wie Beerensträucher, über Jahre am selben Platz stehen und wird nicht in eine jährliche Fruchtfolge einbezogen. Wer sein Hochbeet plant, sollte dem Rosmarinplatz deshalb von Anfang an einen festen, dauerhaften Bereich zuweisen, statt ihn Jahr für Jahr neu unterzubringen.
Häufige Fehler im Überblick
Der häufigste Fehler ist ein zu schattiger oder zu geschützter Standort, oft aus gut gemeinter Rücksicht auf die vermeintlich empfindliche Pflanze gewählt - dabei ist es gerade die volle Sonne, die Rosmarin robust macht. Der zweite verbreitete Fehler ist zu gutes Gießen und Düngen: Wer Rosmarin wie Gemüse behandelt, bekommt weiches, anfälliges Wachstum statt eines kompakten, aromatischen Strauchs.
Beim Rückschnitt liegt der klassische Fehler darin, zu tief und zu spät in bereits verholztes, kahles Holz zu schneiden, aus dem die Pflanze nicht mehr austreibt. Und beim Überwintern wird oft entweder gar kein Schutz angeboten, weil Rosmarin pauschal als winterhart gilt, oder ein zu dichter, luftundurchlässiger Schutz aus Folie gewählt, der Feuchtigkeit staut und mehr schadet als eine offene, luftige Vlieshülle.
Wenn Sie diese Punkte im Blick behalten - volle Sonne, magerer und durchlässiger Boden, sparsames Gießen, Rückschnitt nur ins junge Holz und ein an Standort und Sorte angepasster Winterschutz - haben Sie mit Rosmarin ein Kraut im Hochbeet, das über viele Jahre zuverlässig Ertrag bringt und dabei erstaunlich wenig Aufwand macht, solange Sie ihm nicht mit zu viel Fürsorge im falschen Sinn begegnen.


