
Inhalt
- Herkunft: ein tropisches Süßgras, kein Mittelmeerkraut
- Nicht winterhart: der entscheidende Unterschied zu den Mittelmeerkräutern dieser Reihe
- Standort: viel Sonne und vor allem viel Wärme
- Boden und Feuchtigkeit: das genaue Gegenteil der trockenheitsliebenden Mittelmeerkräuter
- Pflanzung im Hochbeet: als Saisonkultur oder im Kübel
- Gießen: deutlich mehr Wasser als bei den Mittelmeerkräutern
- Wachstum und Pflege über den Sommer
- Überwinterung: hell, kühl und ohne Frost
- Ernte und Verwendung in der Küche
- Vermehrung: Teilung des Horstes oder Bewurzelung im Wasserglas
- Vergleich zu den mediterranen Kräutern dieser Reihe
- Häufige Fehler im Überblick
Zitronengras im Portrait
Wer ein Halmstück Zitronengras zwischen den Fingern zerreibt, kennt den Duft meist schon aus der Küche: ein klarer, herber Zitronenton, der in der thailändischen und südostasiatischen Küche zum festen Bestandteil vieler Suppen und Currys gehört. Weniger bekannt ist, dass sich die Pflanze auch im heimischen Hochbeet ziehen lässt - allerdings unter Bedingungen, die sich von denen der übrigen Kräuter dieser Reihe deutlich unterscheiden. Zitronengras (Cymbopogon citratus) ist ein tropisches Süßgras, keine krautige Staude und schon gar kein Halbstrauch wie Rosmarin, und diese botanische Herkunft bestimmt fast alles, was bei der Pflege zu beachten ist.
Dieses Portrait beschreibt, woher Zitronengras stammt, was es an Wärme und Feuchtigkeit braucht, wie sich die Kultur im Hochbeet und im Kübel unterscheidet, und vor allem, warum die Pflanze in Deutschland nicht im Freiland überwintert. Der Beitrag reiht sich damit bewusst gegen den bisherigen Trend der Serie: Wo Rosmarin, Thymian und Oregano als winterharte Mittelmeerkräuter vorgestellt wurden, zeigt Zitronengras, wie anders die Anforderungen ausfallen können, wenn ein Kraut nicht aus dem Mittelmeerraum, sondern aus den Tropen stammt.
Herkunft: ein tropisches Süßgras, kein Mittelmeerkraut
Botanisch gehört Zitronengras zur Familie der Süßgräser (Poaceae) und damit zu einer völlig anderen Pflanzenfamilie als die bisher in dieser Reihe vorgestellten Kräuter. Rosmarin, Thymian und Oregano zählen zu den Lippenblütlern, bilden holzige oder halbholzige Triebe aus und stammen aus dem Mittelmeerraum, wo trockene Sommer und milde, aber spürbar kühle Winter den Rhythmus vorgeben. Zitronengras dagegen wächst als horstbildendes Gras mit langen, schmalen, graugrünen Halmen und stammt ursprünglich aus tropischen und subtropischen Regionen Süd- und Südostasiens, wo ganzjährig warme Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit herrschen.
Diese Herkunft erklärt, warum sich Zitronengras in fast jedem Punkt anders verhält als die mediterranen Kräuter des Hochbeets. Statt der kargen, steinigen Böden, aus denen Rosmarin und Thymian ursprünglich stammen, kennt Zitronengras nur nährstoffreiche, feuchte Böden tropischer Prägung. Statt einer ausgeprägten Trockenperiode im Sommer und einer kühlen, aber gemäßigten Ruhephase im Winter kennt die Pflanze in ihrer Heimat keinen echten Winter und keine Trockenzeit, die mit der mitteleuropäischen vergleichbar wäre.
Wenn Sie Zitronengras nach denselben Regeln pflegen wie Rosmarin oder Thymian, werden Sie über kurz oder lang enttäuscht: Die Pflanze braucht das genaue Gegenteil von Kargheit und Trockenheit. Vergleicht man die beiden Herkunftsgebiete miteinander, wird schnell klar, warum eine pauschale Übertragung der mediterranen Pflegeregeln auf Zitronengras nicht aufgeht.
Nicht winterhart: der entscheidende Unterschied zu den Mittelmeerkräutern dieser Reihe
Der wichtigste Punkt bei Zitronengras lässt sich nicht oft genug wiederholen: Die Pflanze ist in Deutschland nicht winterhart. Während Thymian und Oregano problemlos im Freiland überwintern und Rosmarin mit einem geschützten Standort zumindest in milden Lagen über den Winter kommt, übersteht Zitronengras einen mitteleuropäischen Winter im Freiland nicht. Schon Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt schädigen das Blattwerk, echter Frost tötet die Pflanze bis in den Wurzelbereich hinein zuverlässig ab.
Für die Praxis im Hochbeet bedeutet das eine grundsätzliche Weichenstellung, die Sie schon bei der Pflanzung treffen müssen: Entweder Sie behandeln Zitronengras als reine Saisonkultur, die im Frühjahr neu gepflanzt und im Herbst wieder entfernt wird, so wie es bei einjährigen Sommergemüsen üblich ist. Oder Sie kultivieren die Pflanze von Anfang an in einem Kübel, der sich im Herbst leicht aus dem Beet entnehmen und an einen frostfreien Ort bringen lässt. Eine dauerhafte Auspflanzung ins Freiland, wie sie bei Rosmarin nach anfänglicher Vorsicht durchaus möglich ist, kommt bei Zitronengras nicht infrage - die Pflanze würde den ersten stärkeren Frost nicht überleben.
Dieser Unterschied ist mehr als eine Randnotiz. Wer die Kräuterreihe dieses Blogs von Anfang an verfolgt, kennt inzwischen mehrere winterharte Mittelmeerkräuter, die sich Jahr für Jahr an derselben Stelle im Hochbeet weiterentwickeln und nach dem Winter aus demselben Wurzelstock oder Wurzelwerk wieder austreiben, ohne dass jedes Jahr neu gepflanzt werden müsste.
Zitronengras durchbricht dieses Muster bewusst: Es zeigt, dass nicht jedes beliebte Küchenkraut für eine dauerhafte Kultur im deutschen Freiland geeignet ist, und macht deutlich, dass die Herkunft einer Pflanze bei der Standort- und Überwinterungsplanung immer mitgedacht werden muss. Behandelt man Zitronengras stattdessen wie ein winterhartes Kraut, endet die Kultur spätestens mit dem ersten Frost.
Standort: viel Sonne und vor allem viel Wärme
Zitronengras braucht einen möglichst vollsonnigen, warmen und windgeschützten Standort. Nur bei ausreichender Wärme entwickelt die Pflanze kräftige, dicke Halme und das charakteristische Aroma, das im mitteleuropäischen Sommer ohnehin schwächer ausfällt als am tropischen Naturstandort. An einem schattigen oder kühlen Platz bleibt der Wuchs mager, die Halme dünn, und die Pflanze kommt über den Sommer kaum über ein bescheidenes Maß hinaus.
Innerhalb des Hochbeets eignet sich die wärmste, am längsten besonnte Zone am besten - ein Platz, an dem auch wärmeliebende Gemüsearten wie Paprika oder Tomaten gut gedeihen. Die Randzone des Hochbeets, die durch die Kopplung der Metallwand an die Außenluft tagsüber wärmer und nachts kälter wird als die Beetmitte, kann Zitronengras tagsüber zwar entgegenkommen, doch die stärkere nächtliche Abkühlung an derselben Stelle wirkt sich bei einer derart wärmebedürftigen Pflanze eher ungünstig aus.
Wählen Sie deshalb nach Möglichkeit einen Platz zur Beetmitte hin, an dem die Temperaturen gleichmäßiger bleiben - das ist für Zitronengras meist die bessere Wahl als ein Standort direkt an der umlaufenden Oberkante. Beobachten Sie über die ersten warmen Wochen, wie die Pflanze auf ihren Platz reagiert, und rücken Sie einen Kübel notfalls um, wenn der Wuchs zu zögerlich bleibt.
Wird Zitronengras im Kübel kultiviert, gilt dieselbe Grundregel: ein möglichst sonniger, warmer Platz, geschützt vor kühlem Wind. Kübelkultur hat hier sogar einen praktischen Vorteil gegenüber der Pflanzung im Beet, denn der Topf lässt sich im Tagesverlauf an die wärmste verfügbare Stelle der Terrasse oder des Gartens rücken, ohne dass Sie an den festen Standort im Hochbeet gebunden wären.
Boden und Feuchtigkeit: das genaue Gegenteil der trockenheitsliebenden Mittelmeerkräuter
Beim Boden zeigt sich der vielleicht deutlichste Kontrast zu den bisher vorgestellten Kräutern dieser Reihe. Rosmarin, Thymian und Oregano verlangen einen mageren, durchlässigen, eher trockenen Boden und reagieren auf Staunässe empfindlich mit Wurzelfäule. Zitronengras dagegen braucht einen nährstoffreichen, humosen Boden, der gleichmäßig feucht gehalten wird und auch kurzfristig etwas mehr Nässe verträgt, als es die mageren Zonen für mediterrane Kräuter je bekommen würden. Der übliche Schichtaufbau eines Hochbeets - unten grobes Material wie Äste und Strauchschnitt, darüber umgedrehte Rasensoden, dann Laub und Rasenschnitt, grober Kompost und obenauf reife Erde - liefert genau diese nährstoffreiche, gut durchfeuchtete Umgebung, die Zitronengras braucht, ohne dass Sie eine gesonderte, abgemagerte Zone anlegen müssten.
Wird die Pflanze im Kübel kultiviert, ist eine nährstoffreiche Kübelerde mit gutem Wasserhaltevermögen die richtige Wahl - keine magere Kräutererde, wie sie für Rosmarin oder Thymian empfohlen wird. Eine Drainageschicht aus Blähton oder grobem Kies am Topfboden bleibt dennoch sinnvoll, damit überschüssiges Gießwasser abziehen kann und sich keine dauerhafte Staunässe im Wurzelbereich bildet, denn auch ein tropisches Gras verträgt keine ständig nassen Wurzeln ohne jeden Sauerstoffzutritt.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen gleichmäßiger Feuchtigkeit und Staunässe: Zitronengras will nie vollständig austrocknen, aber genauso wenig dauerhaft im Wasser stehen. Prüft man beide Zustände nicht sorgfältig genug auseinander, entsteht schnell der Eindruck, die Pflanze sei besonders anspruchsvoll, obwohl meist nur die Wassermenge falsch dosiert wurde.
Die Fingerprobe, mit der Sie im Hochbeet ohnehin regelmäßig den Feuchtezustand prüfen, funktioniert bei Zitronengras genauso, nur dass Sie hier häufiger zur Gießkanne greifen müssen als bei den anspruchsloseren Mittelmeerkräutern. Fühlt sich die Erde in fünf Zentimeter Tiefe bereits trocken an, sollte bei Zitronengras nicht bis zur nächsten planmäßigen Gießrunde gewartet werden, sondern zeitnah nachgegossen werden, damit der gleichmäßig feuchte Zustand erhalten bleibt, den die Pflanze braucht.
Pflanzung im Hochbeet: als Saisonkultur oder im Kübel
Gepflanzt wird Zitronengras erst nach den letzten Nachtfrösten, meist ab Mitte Mai, wenn sich der Boden ausreichend erwärmt hat. Eine frühere Pflanzung ins Freie lohnt sich nicht, da die Pflanze bei niedrigen Temperaturen ohnehin nicht wächst und durch kühle Nächte sogar geschwächt werden kann. Wer Zitronengras selbst aus einem Halm zieht, den ein Zweig aus dem Supermarkt in einem Glas Wasser bewurzelt, sollte die junge Pflanze vor dem Auspflanzen ausreichend abhärten und erst bei stabil warmen Temperaturen ins Beet oder in den Kübel setzen.
Im Hochbeet wählen Sie am besten die als Saisonkultur behandelte Variante: Zitronengras wird wie ein wärmeliebendes Sommergemüse eingeplant, nimmt für eine Saison einen Platz in der warmen Zone des Beets ein und wird im Herbst - anders als bei einer echten Überwinterung im Kübel - vollständig geerntet oder entsorgt, bevor der erste Frost droht. Der Pflanzabstand sollte mit vierzig bis fünfzig Zentimetern eher großzügig bemessen werden, denn ein gut gewachsener Horst breitet sich über den Sommer deutlich in die Breite aus und kann bei guten Bedingungen beachtliche Ausmaße erreichen.
Möchten Sie die Pflanze über mehrere Jahre erhalten, ist die Kübelkultur von Anfang an die praktischere Lösung. Ein ausreichend großer Topf, mindestens dreißig Zentimeter im Durchmesser, gibt dem Wurzelwerk genug Raum und lässt sich im Herbst als Ganzes umsetzen, ohne dass Sie die Pflanze im Beet ausgraben und den Wurzelballen dabei beschädigen müssten. Diese Variante eignet sich besonders, wenn Sie Zitronengras nicht jedes Jahr neu kaufen oder ziehen möchten, sondern eine bestehende Pflanze über den Winter retten wollen.
Gießen: deutlich mehr Wasser als bei den Mittelmeerkräutern
Beim Gießen unterscheidet sich Zitronengras erneut grundlegend von Rosmarin, Thymian und Oregano. Während diese Kräuter mit einer sparsamen, an die mediterranen Trockenphasen angepassten Wassergabe zurechtkommen, braucht Zitronengras über den ganzen Sommer eine gleichmäßig hohe Feuchtigkeit und verträgt Trockenheit deutlich schlechter. Im Hochbeet, in dem ohnehin die übliche Grundregel von fünfzehn bis zwanzig Litern je Quadratmeter und Woche in heißen Wochen gilt - ausführlich beschrieben im Beitrag "Hochbeet richtig gießen" -, sollten Sie Zitronengras eher am oberen Ende dieser Spanne versorgen und in besonders heißen, trockenen Phasen notfalls zusätzlich wässern.
Im Kübel gilt eine eigene, strengere Regel, da Töpfe grundsätzlich schneller austrocknen als die gewachsene Fläche eines Hochbeets. An heißen Sommertagen kann tägliches Gießen notwendig werden, insbesondere wenn die Pflanze an einem vollsonnigen, windigen Standort steht. Die Fingerprobe funktioniert auch hier zuverlässig, nur dass Sie bei Zitronengras schon bei den ersten Anzeichen von Trockenheit in der oberen Erdschicht nachgießen sollten, statt wie bei den mageren Kräutern erst bei spürbarer Trockenheit tiefer im Substrat zu reagieren.
Neben der Wassermenge spielt bei Zitronengras auch die Luftfeuchtigkeit eine größere Rolle als bei den übrigen Kräutern dieser Reihe. In besonders trockenen, heißen Sommerwochen kann ein gelegentliches Übersprühen der Halme mit Wasser die Pflanze zusätzlich unterstützen.
Ein solches Verfahren wird bei Rosmarin oder Thymian wegen der Gefahr von Pilzbefall eher vermieden - bei Zitronengras dagegen, dessen schmale, straffe Halme rasch abtrocknen, ist dieses Risiko geringer. Wenn Sie ohnehin regelmäßig im Hochbeet unterwegs sind, lässt sich das Übersprühen leicht in die morgendliche Gießrunde einbauen.
Wachstum und Pflege über den Sommer
Zitronengras wächst bei guten Bedingungen erstaunlich schnell und kann im Verlauf eines mitteleuropäischen Sommers Halme von sechzig bis über hundert Zentimetern Höhe ausbilden, auch wenn die Pflanze am tropischen Naturstandort noch größer und kräftiger wird. Der Horst breitet sich dabei kontinuierlich in die Breite aus, ähnlich wie bei anderen horstbildenden Gräsern, jedoch ohne die aggressiven unterirdischen Ausläufer, die manche Gräser im Garten zu einem Problem machen. Zitronengras bleibt an seinem Wurzelstock, wird aber von Jahr zu Jahr dichter, sofern die Pflanze über den Winter erhalten bleibt.
Eine gezielte Schnittpflege im engeren Sinn braucht Zitronengras während der Wachstumsperiode kaum. Wichtiger ist das regelmäßige Entfernen abgestorbener, brauner Halmspitzen, die sich vor allem bei unregelmäßiger Wasserversorgung zeigen und der Pflanze ein ungepflegtes Aussehen geben, ohne dass ein tieferer Schnitt notwendig wäre.
Ein kompletter Rückschnitt bis knapp über den Boden ist erst am Ende der Kultur sinnvoll, etwa wenn Sie die Pflanze im Herbst für die Überwinterung vorbereiten. Schneiden Sie dabei alle Halme auf eine Handbreit über dem Wurzelstock zurück, damit der Kübel im Winterquartier weniger Platz beansprucht und Sie im Frühjahr den frischen Austrieb leichter erkennen.
Düngung sollte bei Zitronengras während der Hauptwachstumszeit von Juni bis August moderat, aber regelmäßig erfolgen, da die Pflanze bei ihrem schnellen Wachstum entsprechend viele Nährstoffe verbraucht. Im Hochbeet, dessen Erde ohnehin nährstoffreich befüllt ist, reicht in der Regel eine gelegentliche Kompostgabe, während Kübelpflanzen wegen des begrenzten Erdvolumens von einer regelmäßigeren, wenn auch schwach dosierten Flüssigdüngung profitieren.
Überwinterung: hell, kühl und ohne Frost
Wer Zitronengras über den Winter retten möchte, muss die Pflanze rechtzeitig vor dem ersten Frost ins Haus holen - bei einer im Hochbeet ausgepflanzten Kultur bedeutet das, den Wurzelballen sorgfältig auszugraben und in einen ausreichend großen Topf zu setzen, bei einer ohnehin im Kübel stehenden Pflanze reicht der Umzug an einen geeigneten Überwinterungsplatz. Ideal ist ein heller, kühler Standort bei etwa zehn bis fünfzehn Grad, etwa ein unbeheiztes, aber frostfreies Treppenhaus, ein kühler Wintergarten oder ein helles Kellerfenster.
Im Unterschied zur Sommerpflege wird während der Überwinterung deutlich sparsamer gegossen. Bei kühleren Temperaturen und geringerem Lichteinfall reduziert die Pflanze ihr Wachstum spürbar, und zu reichliches Gießen führt in dieser Ruhephase eher zu Wurzelfäule als zu kräftigem Wuchs. Die Erde sollte gerade so feucht gehalten werden, dass sie nicht vollständig austrocknet, aber deutlich zurückhaltender als im Sommer.
Steht kein ausreichend heller und zugleich kühler Raum zur Verfügung, wird die Überwinterung deutlich schwieriger: Ein zu dunkler Standort führt zu langen, dünnen, kraftlosen Halmen, ein zu warmer Standort ohne ausreichendes Licht lässt die Pflanze regelrecht vergeilen. Wer diese Bedingungen nicht bieten kann, fährt praktisch besser damit, Zitronengras als reine Saisonkultur zu behandeln und im folgenden Frühjahr eine neue Pflanze zu setzen, statt eine schlecht überwinterte, geschwächte Staude im Frühjahr wieder ins Freie zu stellen.
Ernte und Verwendung in der Küche
Geerntet werden bei Zitronengras die dickeren, weißlich-grünen unteren Stängelteile, die sich beim Ziehen und leichten Drehen relativ einfach vom Wurzelstock lösen lassen, ohne dass die ganze Pflanze entfernt werden muss. Ein gesunder, etablierter Horst verträgt eine regelmäßige Teilernte gut und bildet aus der Mitte kontinuierlich neue Halme nach, solange Wärme und Feuchtigkeit stimmen.
In der Küche wird meist nur das untere, weiche Drittel des Halms verwendet, während die äußeren, faserigen Blattscheiden entfernt werden. Fein gehackt oder in der Suppe mitgegart, gibt Zitronengras vielen südostasiatischen Gerichten ihre charakteristische, zitronig-frische Würze, die sich deutlich von der milderen, süßlicheren Note der Zitronenmelisse unterscheidet und auch mit klassischen Zitrusfrüchten nicht identisch ist.
Ganze Halme können mitgekocht und vor dem Servieren wieder entfernt werden, wenn nur das Aroma, nicht aber die faserige Struktur der Pflanze gewünscht ist. Verwendet man dagegen die feineren, inneren Teile des Halms fein gehackt, lässt sich Zitronengras auch direkt mitessen, ohne dass die Fasern störend auffallen.
Zum Trocknen und Haltbarmachen eignet sich Zitronengras besser als manche zarteren Kräuter: In dünne Scheiben geschnitten und getrocknet oder eingefroren, hält sich das Aroma über mehrere Monate und lässt sich bei Bedarf portionsweise entnehmen, etwa für Tee oder Currypasten. Aufgegossen mit heißem Wasser ergibt Zitronengras zudem einen erfrischenden, leicht zitronigen Tee, der sich auch gut mit anderen Kräutern wie Ingwer oder Minze kombinieren lässt.
Vermehrung: Teilung des Horstes oder Bewurzelung im Wasserglas
Zitronengras lässt sich auf zwei einfachen Wegen vermehren. Am zuverlässigsten ist die Teilung eines bestehenden, überwinterten Horstes im Frühjahr, sobald neuer Austrieb sichtbar wird: Der Wurzelstock wird vorsichtig geteilt, wobei jedes Teilstück über eigene Wurzeln und einige gesunde Halme verfügen sollte, und die Teile werden anschließend einzeln eingetopft oder ausgepflanzt. Diese Methode liefert sofort kräftige, wachstumsbereite Pflanzen und ist der einfachste Weg, aus einer überwinterten Pflanze mehrere neue zu gewinnen.
Die zweite, im Hausgebrauch häufig genutzte Methode ist die Bewurzelung eines Zitronengrashalms aus dem Lebensmittelhandel: Ein frischer, noch nicht zu trockener Halm wird mit dem unteren Ende in ein Glas Wasser gestellt und an einem hellen, warmen Platz belassen, bis sich nach einigen Wochen erste weiße Wurzeln zeigen.
Sobald die Wurzeln ausreichend entwickelt sind, kann die Pflanze in nährstoffreiche Erde umgesetzt werden. Diese Methode ist nicht bei jedem Halm erfolgreich, da manche Handelsware bereits zu weit getrocknet oder speziell behandelt ist, führt aber oft genug zum Erfolg, um einen Versuch wert zu sein. Wechselt man das Wasser im Glas alle paar Tage, sinkt zudem das Risiko, dass der Halm zu faulen beginnt, bevor überhaupt Wurzeln entstehen.
Vergleich zu den mediterranen Kräutern dieser Reihe
Stellt man Zitronengras neben Rosmarin, Thymian und Oregano, wird der grundsätzliche Unterschied noch einmal deutlich: Die mediterranen Kräuter dieser Reihe stammen aus einem Klima mit trockenen, heißen Sommern und milden, aber spürbar kühlen Wintern, sind an magere, durchlässige Böden angepasst und überstehen den deutschen Winter im Freiland ganz oder mit leichtem Schutz. Zitronengras dagegen kommt aus einem tropischen Klima ohne ausgeprägte Trockenzeit und ohne Frost, ist an nährstoffreiche, feuchte Böden gewöhnt und übersteht in Deutschland ausgepflanzt keinen einzigen Winter.
Diese Gegensätze schlagen sich in praktisch jedem Pflegeschritt nieder: Wo Rosmarin einen kargen, trockenen Platz und zurückhaltendes Gießen braucht, verlangt Zitronengras einen nährstoffreichen Boden und reichliche, gleichmäßige Wassergaben. Wo Thymian und Oregano zuverlässig im Beet überwintern, muss Zitronengras spätestens im Herbst entweder geerntet oder in ein frostfreies Winterquartier gebracht werden. Wer im selben Hochbeet sowohl mediterrane Kräuter als auch Zitronengras kultivieren möchte, sollte die Pflanzen deshalb räumlich trennen, damit die unterschiedlichen Wasseransprüche sich nicht gegenseitig stören - die trockenheitsliebende Zone für Rosmarin und Thymian verträgt sich schlecht mit der feuchtebedürftigen Nachbarschaft von Zitronengras.
Für Sie als Hochbeetbesitzer bedeutet das vor allem eines: Zitronengras lohnt sich als Bereicherung des Kräuterbeets, verlangt aber eine bewusste Entscheidung für entweder eine Saisonkultur oder eine Kübelhaltung mit Überwinterung. Wer diese Entscheidung von Anfang an trifft und den höheren Wärme- und Wasserbedarf einplant, hat mit Zitronengras ein Kraut, das sich deutlich von den übrigen Kräutern der Serie unterscheidet und die Sortenvielfalt im Hochbeet um ein exotisches, aber durchaus zu bewältigendes Gewächs erweitert.
Häufige Fehler im Überblick
Der häufigste Fehler bei Zitronengras ist die Annahme, es ließe sich wie ein winterhartes Mittelmeerkraut behandeln und einfach im Beet stehen lassen. Wer Zitronengras ohne Umzugsplan in den Winter gehen lässt, verliert die Pflanze zuverlässig beim ersten stärkeren Frost - anders als bei Rosmarin gibt es hier keinen "geschützten Standort", der ein Überleben im Freiland ermöglichen würde.
Ein zweiter verbreiteter Fehler ist ein zu sparsames Gießen, das aus einer unbewussten Übertragung der Regeln für Rosmarin oder Thymian entsteht. Zitronengras braucht deutlich mehr Wasser als die trockenheitsliebenden Mittelmeerkräuter und reagiert auf anhaltende Trockenheit mit welkenden, eingerollten Halmen statt mit der stoischen Genügsamkeit mediterraner Kräuter.
Und schließlich wird die Überwinterung häufig entweder ganz vergessen oder an einem ungeeigneten, zu dunklen oder zu warmen Platz versucht. Ein zu warmer, dunkler Standort ohne ausreichendes Licht führt ebenso zum Scheitern wie ein zu kalter, wo die Pflanze erfriert - entscheidend ist die Kombination aus Helligkeit und einer moderaten Temperatur zwischen zehn und fünfzehn Grad.
Wenn Sie diese Punkte im Blick behalten - ein warmer, sonniger Standort, ein nährstoffreicher statt magerer Boden, reichliches statt sparsames Gießen und ein rechtzeitiger Umzug ins Winterquartier oder eine bewusste Behandlung als Saisonkultur -, haben Sie mit Zitronengras ein anspruchsvolleres, aber lohnendes Kraut im Hochbeet, das sich deutlich von den winterharten Mittelmeerkräutern dieser Reihe unterscheidet und genau deshalb eine eigene, bewusste Planung verdient.
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