
Inhalt
- Eine großwüchsige Staude, kein Halbstrauch
- Standort: viel Platz und kräftige Nachbarn statt der mageren Ecke
- Boden: nährstoffreich und tiefgründig statt mager
- Pflanzung: der richtige Platz von Anfang an
- Gießen: mehr Wasser als bei den mediterranen Kräutern
- Rückschnitt und Wuchsbegrenzung über die Saison
- Schädlinge und Krankheiten: robust, aber nicht immun
- Überwinterung: robust, aber mit Rücksicht auf den Wurzelstock
- Vermehrung: Teilung und Aussaat
- Ernte und Verwendung: das Maggikraut in der Küche
- Liebstöckel im Kräuterbeet: warum er einen eigenen Platz braucht
- Häufige Fehler im Überblick
Liebstöckel im Portrait
Liebstöckel wird im Volksmund meist Maggikraut genannt, weil sein Geruch viele Menschen sofort an die bekannte Würzsauce erinnert - dabei ist es umgekehrt: Die Sauce wurde einst nach dem Aroma dieser Pflanze abgeschmeckt, nicht die Pflanze nach der Sauce. Wer Liebstöckel zum ersten Mal im Beet stehen sieht, erkennt schnell, dass hier ein anderes Kraut wächst als die kompakten Töpfe aus dem Gartencenter vermuten lassen: Ausgewachsen erreicht die Pflanze zwei Meter Höhe und mehr, mit kräftigen, hohlen Stängeln und einem Wurzelstock, der sich über Jahre spürbar verdickt.
Dieses Portrait beschreibt Wuchsform, Standort und Boden von Liebstöckel und grenzt die Pflanze bewusst von den mediterranen Kräutern dieser Reihe ab, die zuvor an dieser Stelle vorgestellt wurden - Thymian und Salbei. Beide sind niedrig bleibende, verholzende Halbsträucher für die magere, vollsonnige Ecke des Kräuterbeets, während Liebstöckel eine hoch aufschießende, krautige Staude mit ganz anderen Ansprüchen an Platz, Boden und Wasser ist. Wer die Pflege der mediterranen Kräuter unbesehen auf Liebstöckel überträgt, wird mit einer kümmernden Pflanze belohnt, die weit hinter ihrem eigentlichen Potenzial zurückbleibt.
Eine großwüchsige Staude, kein Halbstrauch
Botanisch gehört Liebstöckel (Levisticum officinale) zur Familie der Doldenblütler und ist damit näher mit Möhre, Sellerie und Petersilie verwandt als mit den Lippenblütlern Thymian, Salbei oder Minze, die in dieser Reihe bereits vorgestellt wurden. Wie diese ist Liebstöckel mehrjährig und stirbt im Winter oberirdisch vollständig ab, um im Frühjahr aus einem kräftigen, fleischigen Wurzelstock neu auszutreiben - anders als bei Thymian oder Salbei bildet sich dabei aber kein verholzender, dauerhafter Stamm, sondern jedes Jahr wachsen wieder weiche, hohle Stängel neu heran.
Der Größenunterschied zu den bisher vorgestellten Kräutern ist erheblich: Während Thymian und Salbei selten über sechzig Zentimeter hinauswachsen, kann ein etablierter Liebstöckel eineinhalb bis zwei Meter Höhe erreichen und dabei ähnlich in die Breite gehen. Die dunkelgrünen, glänzenden Blätter sind mehrfach gefiedert und erinnern entfernt an Sellerieblätter, nur deutlich größer und kräftiger im Wuchs. Ein einzelner, gut etablierter Horst füllt mit den Jahren mühelos einen Quadratmeter Beetfläche und mehr.
Unter der Erde bildet Liebstöckel eine dicke, tief reichende Pfahlwurzel aus, die der Pflanze auch in trockenen Phasen Wasser aus tieferen Bodenschichten erschließt und sie gleichzeitig zu einer der langlebigsten Stauden im Kräuterbeet macht. Ein einmal gut eingewachsener Liebstöckel steht ohne Weiteres zehn Jahre und länger an derselben Stelle und liefert jedes Jahr mehr Blattmasse als im vorherigen.
Standort: viel Platz und kräftige Nachbarn statt der mageren Ecke
Anders als Thymian und Salbei, die volle Sonne und einen mageren, warmen Platz benötigen, verträgt Liebstöckel Halbschatten gut und muss keineswegs in die sonnigste Ecke des Hochbeets gesetzt werden. Wichtiger als die Sonnenstunden ist bei dieser Pflanze der Platzbedarf: Wer den ausgewachsenen Umfang unterschätzt, muss die Nachbarpflanzen nach ein bis zwei Jahren umsiedeln, weil der Liebstöckel sie im wahrsten Sinne überwächst und ihnen Licht und Wurzelraum nimmt.
Rechnen Sie für einen einzelnen Liebstöckel mit mindestens sechzig bis achtzig Zentimetern Abstand nach allen Seiten, eher mehr, wenn die Pflanze über viele Jahre am selben Platz bleiben soll. In einem durchschnittlichen Hochbeet nimmt das schnell ein Viertel oder mehr der gesamten Fläche ein - ein Umstand, der bei der Beetplanung von Anfang an mitgedacht werden sollte, statt die Pflanze wie ein gewöhnliches Küchenkraut zwischen andere Kulturen zu setzen.
Wegen der beträchtlichen Wuchshöhe wirft Liebstöckel im Hochsommer einen nicht unerheblichen Schatten. Setzen Sie ihn deshalb an den nördlichen oder östlichen Rand des Beets, damit er niedriger wachsende Nachbarn nicht den ganzen Tag über verschattet. Wind macht der Pflanze grundsätzlich wenig aus, doch an einem exponierten, stark windigen Standort können die hohen, hohlen Stängel im Spätsommer unter dem Gewicht der Blütendolden abknicken - ein geschützter Platz oder eine leichte Stütze beugt dem vor.
Bevor Sie den Standort endgültig festlegen, lohnt sich ein Blick auf die Nachbarschaft der kommenden Jahre: Anders als bei einjährigen Kulturen, die Sie nach der Ernte problemlos versetzen, steht Liebstöckel an seinem Platz, bis Sie ihn aktiv teilen oder entfernen. Wer diese Überlegung bei der Pflanzung überspringt, muss sie meist wenige Jahre später doch noch anstellen - dann allerdings mit einer ausgewachsenen Pflanze, deren Umsetzen deutlich mehr Aufwand verursacht.
Boden: nährstoffreich und tiefgründig statt mager
Beim Boden zeigt sich der wohl größte Unterschied zu Thymian und Salbei, die einen mageren, kalkhaltigen und durchlässigen Untergrund brauchen. Liebstöckel verlangt das genaue Gegenteil: einen tiefgründigen, nährstoffreichen und gleichmäßig feuchten Boden, wie ihn der übliche Schichtaufbau eines Hochbeets mit grobem Material unten und reifer, humoser Erde oben von sich aus liefert. Eine eigens abgemagerte Zone, wie sie für die mediterranen Kräuter angelegt wird, würde Liebstöckel eher schaden als nützen.
In seinem Nährstoffbedarf ähnelt Liebstöckel damit eher den Starkzehrern des Gemüsebeets als den übrigen Kräutern, die überwiegend als Schwachzehrer gelten und deshalb erst im vierten oder fünften Jahr eines Hochbeets an ihrem Platz sind. Eine gute Versorgung mit reifem Kompost zu Vegetationsbeginn honoriert die Pflanze mit kräftigerem Wuchs und größeren, aromatischeren Blättern - man sieht diesen Unterschied schon im Juni am Umfang des Horsts. Wie die übrigen mehrjährigen Kräuter wird Liebstöckel dabei nicht in die jährliche Fruchtfolge einbezogen, sondern bekommt einen festen, dauerhaften Platz zugewiesen, an dem er über viele Jahre stehen bleibt.
Staunässe verträgt die Pflanze trotz ihres hohen Wasserbedarfs nicht dauerhaft. Ein Boden, der ständig nass steht, etwa weil der Abfluss im unteren Beetbereich behindert ist, begünstigt Wurzelfäule an der dicken Pfahlwurzel. Der normale Schichtaufbau mit grobem Material im unteren Bereich sorgt für ausreichende Drainage, sodass dieses Risiko im ordnungsgemäß befüllten Hochbeet gering bleibt.
Pflanzung: der richtige Platz von Anfang an
Gepflanzt wird Liebstöckel am besten im Frühjahr, sobald keine strengen Nachtfröste mehr zu erwarten sind, oder alternativ im Frühherbst, wenn die Sommerhitze nachgelassen hat und die Pflanze noch genug Zeit zum Anwurzeln vor dem Winter hat. Weil die Pfahlwurzel schon bei jungen Pflanzen erstaunlich tief reicht, sollte das Pflanzloch großzügig ausgehoben werden, damit sich die Wurzel ungehindert entfalten kann und nicht am Boden des Hochbeets gestaucht wird.
Setzen Sie die Pflanze nicht tiefer, als sie im Topf stand, und wählen Sie den Standort von Beginn an mit Blick auf die spätere Größe - ein Umzug einer mehrjährigen Pflanze mit tiefer Pfahlwurzel gelingt später nur noch mit erheblichem Aufwand und Wurzelverlust. In den ersten Wochen nach der Pflanzung sollten Sie regelmäßiger gießen, bis sich das Wurzelsystem im neuen Boden etabliert hat; danach übernimmt die tiefe Wurzel einen großen Teil der eigenen Wasserversorgung.
Wer nur wenig Platz im Hochbeet hat, sollte grundsätzlich überlegen, ob Liebstöckel dort überhaupt die richtige Wahl ist. In einem kleinen, mit Gemüse dicht bepflanzten Hochbeet nimmt eine ausgewachsene Pflanze so viel Raum ein, dass sich die übrige Beetplanung ganz nach ihr richten muss. Ein eigenes, größeres Kräuterbeet oder ein Platz direkt neben dem Hochbeet im gewachsenen Gartenboden ist für diese Staude oft die praktischere Lösung.
Fertig gezogene Jungpflanzen aus dem Gartencenter sind meist schon kräftiger als frisch pikierte Sämlinge und verzeihen kleinere Pflegefehler in den ersten Wochen eher. Wenn Sie stattdessen selbst vorgezogene oder gekaufte Kleinpflanzen einsetzen, achten Sie darauf, dass der Wurzelballen vor dem Einsetzen gut durchfeuchtet ist - ein trocken eingepflanzter Ballen zieht Feuchtigkeit aus der umgebenden Erde ab, statt selbst Wasser aufzunehmen, und die junge Pflanze wächst dadurch spürbar zögerlicher an.
Gießen: mehr Wasser als bei den mediterranen Kräutern
Beim Gießen unterscheidet sich Liebstöckel deutlich von Thymian und Salbei und ähnelt eher den durstigen Gemüsekulturen im Hochbeet. Die im Blog beschriebene Grundregel von fünfzehn bis zwanzig Litern je Quadratmeter und Woche in heißen Wochen, gegeben in Gaben von zehn bis fünfzehn Litern, passt auch hier gut - Näheres dazu steht im Beitrag "Hochbeet richtig gießen". Die Fingerprobe fünf Zentimeter tief zeigt zuverlässig, wann eine erneute Gabe fällig ist.
Wegen seiner großen Blattmasse verdunstet Liebstöckel an heißen Sommertagen viel Wasser und reagiert auf anhaltende Trockenheit deutlich sichtbarer als die genügsamen mediterranen Kräuter: Die großen Blätter lassen bei Wassermangel rasch nach und die Pflanze wirkt insgesamt schlaff, erholt sich aber meist zügig, sobald wieder ausreichend gegossen wird. Gerade in den ersten Standjahren, bevor die Pfahlwurzel tief genug reicht, um selbstständig an Feuchtigkeit aus unteren Bodenschichten zu gelangen, sollten Sie in Trockenperioden regelmäßig nach der Pflanze sehen.
Gegossen wird morgens, an die Wurzel und nicht über das Kraut, wie es für das gesamte Hochbeet gilt. Bei der dichten, hoch aufragenden Blattmasse trocknet nasses Laub in der Beetmitte oft langsamer ab als am Rand, was Pilzbefall begünstigen kann. Ein Rückschnitt zu dicht stehender Triebe, wie im nächsten Abschnitt beschrieben, verbessert die Luftzirkulation und beugt diesem Problem vor.
Rückschnitt und Wuchsbegrenzung über die Saison
Weil Liebstöckel so kräftig und hoch wächst, spielt der Rückschnitt eine größere Rolle als bei den meisten anderen Kräutern dieser Reihe. Ein regelmäßiger Schnitt der äußeren Triebe hält die Pflanze kompakter, verbessert die Belüftung im Inneren des Horsts und liefert gleichzeitig frisches, zartes Erntegut, das im Aroma milder ist als die älteren, kräftigeren Blätter aus der Beetmitte.
Zeigen sich im Frühsommer die ersten Blütenstände, sollten Sie einen Teil davon vor der Samenreife zurückschneiden, wenn Sie eine übermäßige Selbstaussaat vermeiden möchten - Liebstöckel versamt sich, ähnlich wie Zitronenmelisse, bei stehen gelassener Blüte recht bereitwillig, und die Sämlinge zeigen sich im Folgejahr rund um die Mutterpflanze. Ein kompletter Rückschnitt aller Blütenstände ist aber nicht nötig, da die Blüten zugleich zahlreiche Insekten anlocken und die Pflanze davon nicht geschwächt wird.
Im Spätherbst, wenn die oberirdischen Stängel von selbst welken und braun werden, kann der gesamte Bestand bodennah zurückgeschnitten werden. Das schwächt die Pflanze nicht, sondern verringert im Gegenteil die Angriffsfläche für Fäulnis und Schädlinge über den Winter und erleichtert im Frühjahr den Blick auf den frischen Austrieb aus dem Wurzelstock.
Schädlinge und Krankheiten: robust, aber nicht immun
Liebstöckel gilt im Vergleich zu vielen Gemüsekulturen als recht widerstandsfähig, doch ganz ohne Probleme bleibt auch diese Staude nicht. Am häufigsten zeigen sich Blattläuse an den zarten, jungen Triebspitzen im Frühsommer, die sich meist mit einem kräftigen Wasserstrahl oder, bei stärkerem Befall, mit verdünnter Schmierseifenlösung zurückdrängen lassen. Nützlinge wie Marienkäfer und Schwebfliegen finden sich an blühendem Liebstöckel ohnehin zahlreich ein und übernehmen einen guten Teil der Regulierung von selbst, wenn man ihnen die Gelegenheit dazu lässt - eine chemische Behandlung braucht man deshalb so gut wie nie.
Gelegentlich befällt der Sellerierostpilz, der wegen der engen Verwandtschaft zu Sellerie und Möhre auch bei Liebstöckel auftreten kann, die Blätter mit rostbraunen Flecken. Betroffene Blätter sollten Sie zügig entfernen und nicht auf dem Kompost, sondern über den Hausmüll entsorgen, damit sich die Sporen nicht im Beet weiterverbreiten. Ein luftiger Stand mit ausreichendem Pflanzabstand, wie er ohnehin wegen der Wuchsgröße empfehlenswert ist, beugt diesem Pilzbefall spürbar vor.
Wurzelfäule, meist eine Folge von Staunässe, ist das ernstere der möglichen Probleme, weil sie die tief sitzende Pfahlwurzel betrifft und oft erst bemerkt wird, wenn die Pflanze bereits sichtbar kümmert. Ein durchlässig aufgebautes Hochbeet mit funktionierender Drainage beugt diesem Risiko zuverlässig vor, sodass man bei normaler Beetpflege mit diesem Problem kaum rechnen muss. Zeigt eine Pflanze dennoch unerklärliches Welken bei ausreichender Wasserversorgung, lohnt sich ein vorsichtiger Blick auf den Wurzelbereich, bevor Sie einen Nährstoffmangel vermuten.
Überwinterung: robust, aber mit Rücksicht auf den Wurzelstock
Liebstöckel gilt als zuverlässig winterhart und übersteht normale mitteleuropäische Winter im Freiland ohne besonderen Schutz. Die oberirdischen Stängel sterben im Herbst vollständig ab, der kräftige Wurzelstock überdauert den Winter jedoch problemlos und treibt im Frühjahr aus eigener Kraft wieder aus, sobald der Boden sich erwärmt. Für Sie bedeutet das einen deutlich geringeren Pflegeaufwand als bei Rosmarin, dessen Winterhärte im deutschen Freiland nur bedingt gegeben ist.
Eine Schicht Mulch über dem Wurzelbereich schadet dennoch nicht und kann in besonders kalten, schneearmen Lagen helfen, den Boden vor schnellem Durchfrieren zu schützen - drei bis fünf Zentimeter reichen aus, mehr braucht die robuste Pflanze in aller Regel nicht. Zwingend notwendig ist dieser Schutz in den meisten Regionen des Landes aber nicht.
Die exponierte Randzone eines Hochbeets, die manchen empfindlicheren Kulturen im Winter zusetzt, spielt bei Liebstöckel eine untergeordnete Rolle, weil der tief sitzende Wurzelstock von der stärkeren Durchfrierung an den Beetwänden weniger betroffen ist als flach wurzelnde Pflanzen. Bleibt der Austrieb im Frühjahr dennoch aus, liegt die Ursache meist eher an Staunässe über den Winter als an einem echten Frostschaden.
Vermehrung: Teilung und Aussaat
Die Teilung eines etablierten Horsts ist bei Liebstöckel die zuverlässigste Vermehrungsmethode, verlangt wegen der kräftigen Pfahlwurzel aber mehr Kraftaufwand als bei kleineren Stauden. Im zeitigen Frühjahr, bevor der neue Austrieb zu weit fortgeschritten ist, wird die Pflanze ausgegraben und mit einem scharfen Spaten in zwei oder mehr Teile zerteilt, die jeweils einen eigenen Wurzelanteil und mehrere Austriebsknospen besitzen sollten. Die Teilstücke wachsen an neuer Stelle zügig weiter und liefern oft schon im ersten Jahr wieder reichlich Erntegut.
Über Stecklinge lässt sich Liebstöckel dagegen kaum vermehren, da die Pflanze keine bewurzelungsfähigen Seitentriebe im klassischen Sinn bildet - anders als etwa Zitronenmelisse, die sich unkompliziert über Kopfstecklinge vermehren lässt. Wer keine bestehende Pflanze zum Teilen zur Verfügung hat, greift deshalb zur Aussaat, wie man es auch bei anderen Doldenblütlern gewohnt ist.
Die Samen von Liebstöckel sind Kaltkeimer und benötigen eine mehrwöchige Kälteperiode, um zuverlässig zu keimen. Am einfachsten gelingt die Aussaat deshalb direkt im Herbst ins Freiland oder in ein Anzuchtgefäß im Freien, wo der natürliche Winterfrost die nötige Kälteperiode liefert. Eine Aussaat im Frühjahr ist ebenfalls möglich, verlangt dann aber eine mehrwöchige, gekühlte Vorbehandlung der Samen im Kühlschrank, da sie sonst nur unregelmäßig oder gar nicht keimen.
Ernte und Verwendung: das Maggikraut in der Küche
Verwendet werden bei Liebstöckel gleich mehrere Pflanzenteile, was die Staude in der Küche vielseitiger macht als die meisten anderen Kräuter dieser Reihe. Am bekanntesten sind die Blätter, die frisch geerntet und fein gehackt Suppen, Eintöpfe und Saucen mit dem charakteristischen, kräftig-würzigen Aroma versehen, das der Pflanze ihren Beinamen Maggikraut eingebracht hat. Geerntet wird laufend über die Saison, wobei junge Blätter milder und aromatischer schmecken als die älteren, kräftigeren Blätter aus der Beetmitte.
Die hohlen, kräftigen Stängel lassen sich ebenfalls verwenden, etwa klein geschnitten als würzige Zutat in Gemüsebrühen, wo sie über die Kochzeit hinweg ihr Aroma abgeben und anschließend wieder entfernt werden. Die im Spätsommer reifenden Samen besitzen ein intensives, an die Blätter erinnerndes Aroma und eignen sich getrocknet als Gewürz für Brot, Gebäck oder deftige Gerichte. Auch die dicke Wurzel ist essbar und wird in manchen Küchen getrocknet und gemahlen als Suppenwürze verwendet, spielt in der Praxis aber eine deutlich kleinere Rolle als Blätter und Samen.
Weil das Aroma sehr kräftig und leicht dominant ist, wird Liebstöckel meist sparsam dosiert - schon wenige Blätter reichen aus, um eine ganze Suppe deutlich zu würzen. Frisch entfaltet sich der Geschmack am intensivsten, doch auch getrocknet bleibt ein Großteil des Aromas erhalten, was Liebstöckel im Gegensatz zu empfindlicheren Kräutern wie Zitronenmelisse gut zum Vorrätehalten geeignet macht. Zum Trocknen werden die Blätter locker gebündelt und an einem luftigen, schattigen Ort kopfüber aufgehängt, bis sie raschelnd trocken sind.
Liebstöckel im Kräuterbeet: warum er einen eigenen Platz braucht
Anders als Thymian, Salbei oder auch Minze, die sich mit etwas Planung gut in ein gemeinsames Kräuterbeet integrieren lassen, sprengt Liebstöckel mit seiner Größe die üblichen Beeteinteilungen. In einem klassischen Zwei-Zonen-Kräuterbeet, das eine magere, sonnige Hälfte für die mediterranen Kräuter und eine nährstoffreichere, feuchtere Hälfte für Kräuter wie Minze oder Zitronenmelisse vorsieht, gehört Liebstöckel eindeutig in die zweite Zone - dort allerdings so, dass er die niedriger wachsenden Nachbarn nicht überwuchert.
In der Praxis bewährt sich für Liebstöckel oft ein eigener, etwas abgesetzter Bereich am Rand des Beets oder sogar ein separates, größeres Hochbeet, wenn im Garten ohnehin mehrere Beete zur Verfügung stehen. So kann die Pflanze ihre volle Größe entwickeln, ohne dass jährlich Nachbarpflanzen umgesetzt werden müssen, weil der Liebstöckel sie im Wachstum überholt hat.
Wer dennoch nicht auf die räumliche Nähe zu anderen Kräutern verzichten möchte, kann Liebstöckel mit kräftigen, ebenfalls hochwachsenden Nachbarn kombinieren, etwa mit Stangenbohnen oder anderen rankenden Kulturen, die von der zusätzlichen Höhe im Beet ohnehin profitieren. Mit den mageren, trockenheitsliebenden Kräutern wie Thymian oder Salbei verträgt sich Liebstöckel dagegen schlecht, weil deren Zone bewusst sparsam bewässert wird und die durstige Staude dort auf Dauer zu trocken stünde.
Planen Sie außerdem mit, dass ein einzelner Liebstöckel für einen durchschnittlichen Haushalt meist völlig ausreicht. Da die Pflanze über die gesamte Saison hinweg laufend nachwächst und sich problemlos zurückschneiden lässt, liefert schon ein Exemplar deutlich mehr Erntegut, als beim gelegentlichen Würzen von Suppen und Eintöpfen tatsächlich verbraucht wird. Zwei oder mehr Pflanzen im selben Beet lohnen sich in der Regel nur, wenn Sie regelmäßig größere Mengen für Vorräte oder zum Verschenken ernten möchten.
Häufige Fehler im Überblick
Der häufigste Fehler ist die Unterschätzung der Endgröße: Liebstöckel wird oft wie ein gewöhnliches Küchenkraut zwischen andere Pflanzen gesetzt und überwächst diese innerhalb weniger Jahre vollständig. Planen Sie von Anfang an großzügig Platz ein, auch wenn die junge Pflanze aus dem Gartencenter zunächst klein und unscheinbar wirkt.
Ein zweiter verbreiteter Fehler ist die Übertragung der Regeln für mediterrane Kräuter: Ein magerer, trockener Standort, wie ihn Thymian oder Salbei brauchen, lässt Liebstöckel verkümmern statt gedeihen. Die Pflanze braucht, anders als diese, einen nährstoffreichen, tiefgründigen und gleichmäßig feuchten Boden und reagiert auf Trockenheit deutlich sichtbarer als die genügsamen mediterranen Kräuter.
Und schließlich wird die Pfahlwurzel bei der Pflanzung häufig unterschätzt: Ein zu flach ausgehobenes Pflanzloch staucht die Wurzel und erschwert der jungen Pflanze den Start erheblich. Heben Sie das Pflanzloch großzügig tief aus, dann steht der Liebstöckel meist über viele Jahre zuverlässig an seinem Platz und liefert reichlich würziges Erntegut für die Küche.
Wenn Sie diese Punkte im Blick behalten - ausreichend Platz von Anfang an, ein nährstoffreicher statt magerer Boden, regelmäßiges Gießen in Trockenperioden und ein rechtzeitiger Rückschnitt der Blütenstände -, haben Sie mit Liebstöckel eine robuste, langlebige Staude im oder neben dem Hochbeet, die über Jahrzehnte an derselben Stelle stehen bleiben kann und der Küche eine kräftige, unverwechselbare Würze liefert, die kein anderes Kraut in dieser Form bietet.
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