
Wirsing im Hochbeet anbauen
Wirsing im Hochbeet anzubauen ist eine großartige Möglichkeit, frisches Gemüse in Ihrem Garten zu kultivieren. Wirsing ist nicht nur gesund, sondern auch robust und eignet sich hervorragend für den Anbau in Hochbeeten. Folgen Sie diesen Schritten, um Ihren eigenen Wirsing erfolgreich zu züchten.
Wirsing gehört zu den Kreuzblütlern und damit zur selben Pflanzenfamilie wie Weißkohl, Rosenkohl, Radieschen und Rettich. Das hat zwei Folgen, die den ganzen Anbau bestimmen: Wirsing ist ein Starkzehrer, der über seine lange Standzeit von vier bis sechs Monaten viel Nährstoff aus dem Boden zieht, und er teilt sich mit seinen Verwandten dieselben Krankheiten. Im Hochbeet trifft der hohe Nährstoffbedarf auf günstige Bedingungen: Eine frisch befüllte Kiste gibt in den ersten beiden Jahren am meisten her, weil das eingebaute Grobmaterial nach und nach verrottet und dabei Nährstoffe freisetzt. Wirsing gehört deshalb in das erste Jahr nach dem Befüllen, nicht in das dritte oder vierte.
Wirsing im Hochbeet anbauen – Los geht's
Schritt 1: Vorbereitung des Hochbeets
Standortwahl: Wählen Sie einen sonnigen Standort für das Hochbeet. Wirsing bevorzugt volle Sonne, benötigt jedoch auch etwas Schatten in den heißen Sommermonaten.
Bodenbeschaffenheit: Füllen Sie das Hochbeet mit einer hochwertigen Gemüseerde oder einer Mischung aus Gartenerde, Kompost und Sand.
Sechs Sonnenstunden am Tag sind das Mindestmaß, mehr schadet nicht, solange die Wasserversorgung stimmt. Entscheidend ist neben dem Licht der pH-Wert der Erde: Wirsing will einen Boden zwischen 6,5 und 7,5, also neutral bis leicht kalkhaltig. Der Grund dafür ist keine Geschmackssache, sondern die Kohlhernie, eine Krankheit, bei der ein Schleimpilz die Wurzeln befällt und zu knolligen Wucherungen anschwellen lässt. Die Pflanze welkt dann trotz feuchter Erde und bildet keinen Kopf mehr. Der Erreger gedeiht besonders auf saurem Boden unter pH 6,0, und seine Dauersporen bleiben anschließend fünfzehn bis zwanzig Jahre im Beet. Prüfen Sie den Wert vor dem Pflanzen mit einem einfachen Teststreifen aus dem Gartenhandel. Liegt er zu niedrig, streuen Sie im Herbst oder spätestens vier Wochen vor dem Pflanzen 150 bis 200 g kohlensauren Kalk je Quadratmeter aus und arbeiten ihn flach ein. Kalk und frischen Stalldung geben Sie nie zusammen aus, sonst entweicht der Stickstoff als Ammoniak.
Zur Grundversorgung reichen vier bis fünf Liter reifer Kompost je Quadratmeter, dazu 80 bis 100 g Hornspäne, die ihren Stickstoff langsam über Wochen abgeben. Bedenken Sie, dass die Füllung eines Hochbeets jedes Jahr um mehrere Zentimeter sackt, weil das organische Material darunter verrottet. Füllen Sie im Frühjahr mit Kompost und Gemüseerde auf, bevor Sie pflanzen. Ein Hochbeet aus Cortenstahl arbeitet dabei für Sie: Die dunkle Wand nimmt die Frühjahrssonne auf und gibt die Wärme an die Erde ab, sodass sich der Wurzelraum ein bis zwei Wochen früher erwärmt als der Boden davor. Dieselbe Wärme lässt die Erde aber auch schneller austrocknen – darauf kommen wir bei der Pflege zurück.
Schritt 2: Aussaat
Säen Sie die Samen in Reihen mit einem Abstand von etwa 40 bis 50 cm zueinander. Die Samen sollten etwa 1 cm tief in die Erde gelegt werden. Bedecken Sie die Samen mit Erde und halten Sie den Boden feucht, bis die Sämlinge sprießen.
Dieser Abstand wirkt beim Blick auf die winzigen Samen großzügig, ist aber richtig bemessen: Ein ausgewachsener Wirsingkopf misst 25 bis 30 cm im Durchmesser, und die äußeren Umblätter greifen noch einmal deutlich darüber hinaus. Wer enger setzt, erntet kleine, lockere Köpfe, und die Bestände bleiben nach Regen zu lange nass, was Pilzkrankheiten begünstigt. Rechnen Sie mit vier Pflanzen je Quadratmeter.
Der Zeitpunkt richtet sich nach der Sorte. Frühwirsing wird ab Mitte Februar im Haus oder Frühbeet vorgezogen und ab Mitte April ausgepflanzt, Herbst- und Winterwirsing sät man von Mitte Mai bis Anfang Juni und pflanzt ihn im Juni oder Anfang Juli aus. Die Samen keimen bei 15 bis 20 °C innerhalb von sieben bis zehn Tagen. Die Vorkultur in Töpfen ist im Hochbeet meist die bessere Wahl, weil die Fläche begrenzt ist und bis zum Auspflanzen noch Salat oder Radieschen darauf stehen können. Setzen Sie die Jungpflanzen mit vier bis fünf Laubblättern etwas tiefer, als sie im Topf standen – bis knapp unter das Herzblatt. Sie bilden dann am eingegrabenen Stängelstück zusätzliche Wurzeln und stehen später standfester.
Schritt 3: Pflege
Bewässerung: Halten Sie das Hochbeet gleichmäßig feucht, um ein gesundes Wachstum zu fördern. Vermeiden Sie jedoch Staunässe.
Düngung: Düngen Sie regelmäßig mit einem ausgewogenen Gemüsedünger.
Unkrautentfernung: Entfernen Sie Unkraut regelmäßig, um die Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe zu minimieren.
Was gleichmäßig feucht in Zahlen bedeutet: In trockenen Sommerwochen braucht Wirsing 15 bis 20 Liter Wasser je Quadratmeter und Woche, verteilt auf zwei Gaben. Gießen Sie durchdringend und selten statt täglich ein wenig, damit die Wurzeln in die Tiefe wachsen. Im Hochbeet ist das wichtiger als ebenerdig, denn der durchlüftete Aufbau und die von der Sonne erwärmten Seitenwände lassen die Erde spürbar schneller abtrocknen. Prüfen Sie mit dem Finger: Ist es zwei bis drei Zentimeter unter der Oberfläche trocken, wird gegossen. Eine drei bis fünf Zentimeter starke Mulchschicht aus angetrocknetem Rasenschnitt oder Stroh halbiert die Verdunstung und hält gleichzeitig das Unkraut nieder.
Zur Nachdüngung genügen etwa sechs Wochen nach dem Pflanzen 40 bis 60 g Hornmehl je Quadratmeter oder eine Gabe Brennnesseljauche im Verhältnis 1:10. Wirsing wurzelt flach; hacken Sie deshalb nur oberflächlich und häufeln Sie die Pflanzen bei dieser Gelegenheit leicht an – das verbessert die Standfestigkeit der schweren Köpfe im Herbst.
Schritt 4: Ausdünnen
Wenn die Sämlinge eine Höhe von etwa 5 cm erreicht haben, dünnen Sie sie aus. Lassen Sie zwischen den verbleibenden Pflanzen einen Abstand von etwa 40 bis 50 cm.
Der richtige Moment ist erreicht, wenn die Sämlinge neben den beiden Keimblättern zwei bis drei echte Laubblätter gebildet haben. Warten Sie nicht länger, denn eng stehende Jungpflanzen strecken sich zum Licht und bleiben dann dauerhaft dünnstängelig. Lassen Sie an jeder Stelle die kräftigste Pflanze mit geradem, kurzem Stängel stehen. Die überzähligen Sämlinge müssen nicht verloren sein: Wenn Sie sie vorsichtig mit einem Pflanzholz ausheben und die Erde am Wurzelballen belassen, lassen sie sich an anderer Stelle weitersetzen. Gießen Sie danach an und schatten Sie die versetzten Pflanzen zwei, drei Tage mit einem Brett oder Vlies ab. Wo Sie nicht versetzen wollen, schneiden Sie die überzähligen Pflanzen mit der Schere über dem Boden ab, statt sie zu ziehen – so bleiben die Wurzeln der Nachbarpflanzen ungestört.
Schritt 5: Schutz vor Schädlingen
Schützen Sie Ihre Wirsingpflanzen vor Schädlingen wie Kohlweißlingen, indem Sie Netze oder spezielle Schutzvliesstoffe verwenden. Überwachen Sie die Pflanzen regelmäßig auf Anzeichen von Schädlingen oder Krankheiten.
Auf die Maschenweite kommt es an. Ein Kulturschutznetz mit 1,3 mm hält die Falter des Kohlweißlings ab, gegen die deutlich kleinere Kohlfliege braucht es 0,8 mm. Legen Sie das Netz vom Tag der Aussaat oder Pflanzung an auf und nehmen Sie es nur zum Jäten und Gießen kurz ab – ein Netz, das erst nach den ersten Eiablagen kommt, sperrt die Schädlinge ein statt aus. Entscheidend ist ein dichter Abschluss am Rand: An der geraden, glatten Oberkante eines Hochbeets aus Cortenstahl lässt sich das Netz mit Klammern oder Magneten rundum lückenlos festlegen, während man es ebenerdig mühsam mit Steinen und Erde beschweren muss und trotzdem Lücken behält.
Kontrollieren Sie einmal wöchentlich die Blattunterseiten. Gelbe Eigelege in Grüppchen stammen vom Großen Kohlweißling und lassen sich einfach abstreifen; die einzeln abgelegten Eier des Kleinen Kohlweißlings übersieht man leichter. Welkt eine Pflanze mittags trotz feuchter Erde und erholt sich abends nicht, sitzen meist die Maden der Kohlfliege am Wurzelhals. Gegen die Mehlige Kohlblattlaus, die graue Polster an den Herzblättern bildet, hilft frühes Abbrausen mit Wasser. Schnecken sind im Hochbeet kein kleineres Problem, denn die senkrechte, glatte Stahlwand stellt entgegen verbreiteter Annahme kein Hindernis dar – die Beetwand allein ist kein Schneckenschutz.
Schritt 6: Ernte
Die Erntezeit hängt von der jeweiligen Sorte ab, aber Wirsing kann im Herbst und Winter geerntet werden. Schneiden Sie den Wirsingkopf mit einem scharfen Messer direkt über dem Boden ab.
Erntereif ist ein Kopf, wenn er sich beim Druck mit der Handfläche fest anfühlt und nicht mehr nachgibt. Bei Frühsorten ist das zehn bis zwölf Wochen nach dem Pflanzen der Fall, Herbst- und Wintersorten brauchen vier bis sechs Monate. Winterwirsing lassen Sie ruhig stehen, bis die ersten Fröste durchgezogen sind: Die Pflanze wandelt bei Kälte einen Teil ihrer Stärke in Zucker um, weil der Zucker den Zellsaft vor dem Gefrieren schützt. Der Kohl schmeckt danach milder und süßer. Winterharte Sorten überstehen -10 °C, besonders robuste bis etwa -15 °C. Ernten Sie an einem frostfreien Tag, denn gefrorene Köpfe werden beim Auftauen matschig.
Nach dem Schnitt ziehen Sie den Strunk mitsamt den Wurzeln aus der Erde. Beides gehört in den Hausmüll, nicht auf den Kompost: Ein Hauskompost erreicht die Temperaturen nicht, die die Dauersporen der Kohlhernie abtöten würden, und mit der nächsten Kompostgabe würden Sie den Erreger im ganzen Beet verteilen. Geerntete Köpfe halten sich mit ihren äußeren Blättern bei 0 bis 2 °C und hoher Luftfeuchte mehrere Wochen.
Schritt 7: Fruchtwechsel beachten
Um Bodenermüdung zu vermeiden, sollten Sie Wirsing nicht jedes Jahr an der gleichen Stelle im Hochbeet anbauen. Nutzen Sie stattdessen Fruchtwechsel und pflanzen Sie Wirsing in einem anderen Bereich des Gartens oder Hochbeets.
Halten Sie dabei eine Anbaupause von vier Jahren ein, und zwar für die gesamte Familie der Kreuzblütler. Dazu zählen neben allen Kohlarten auch Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse, Senf und Ölrettich – gerade die letzten beiden geraten leicht in Vergessenheit, weil sie als Gründüngung ausgesät werden. Sie alle sind Wirtspflanzen der Kohlhernie, und ein Beet mit Dauersporen im Boden bleibt jahrelang unbrauchbar für Kohl. Als Gründüngung nach Wirsing eignen sich deshalb Phacelia oder Winterroggen, nicht Senf.
Im Hochbeet fällt die Umsetzung leichter als im Gartenbeet, weil sich die Fläche ohnehin in Abschnitte teilen lässt und Sie sich Jahr für Jahr eine Vierteldrehung merken können. Bewährt hat sich diese Reihenfolge: Im ersten Jahr nach dem Befüllen stehen die Starkzehrer wie Wirsing, Kürbis oder Tomate, im zweiten Jahr Mittelzehrer wie Möhre, Fenchel oder Kohlrabi, im dritten Jahr Schwachzehrer wie Salat, Bohnen oder Kräuter. Danach wird die Füllung erneuert, und der Kreislauf beginnt von vorn.


