
Inhalt
- Jauche und Brühe: der Unterschied, der am häufigsten durcheinandergeht
- Brennnesseljauche: der Ansatz
- Brennnesseljauche: Verdünnung und Wirkung
- Beinwelljauche: kaliumbetont für die Fruchtbildung
- Schachtelhalmbrühe: kein Gären, sondern Kochen
- Anwendung der Schachtelhalmbrühe
- Ansatzgefäß und Standort richtig wählen
- Vorsicht mit der Dosierung im begrenzten Volumen des Hochbeets
- Was Jauchen leisten und was nicht: Abgrenzung zu Kompost und Grunddüngung
- Ein einfacher Jahresplan für die drei Auszüge
- Wenn kein eigener Garten für den Kräuterschnitt zur Verfügung steht
- Was am Ende bleibt
Jauchen und Brühen selbst ansetzen
Brennnessel, Beinwell und Schachtelhalm wachsen an den meisten Gartenrändern ohnehin, und aus allen dreien lässt sich mit wenig Aufwand ein Pflanzenauszug ansetzen, der im Hochbeet gute Dienste leistet. Die Grundidee ist alt und einfach: Pflanzenmasse gibt beim Einweichen in Wasser genau die Stoffe ab, die sie selbst aufgebaut hat, und dieser Auszug wird anschließend verdünnt zurück in den Kreislauf gegeben. Was dabei entsteht, ist allerdings nicht in jedem Fall dasselbe.
Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen einer vergorenen Jauche und einer gekochten Brühe, und dieser Unterschied wird in vielen Ratgebern verwischt, obwohl er über die Wirkung entscheidet.
Dieser Beitrag zeigt Ihnen, wie Sie Brennnesseljauche und Beinwelljauche ansetzen, wie sich davon die Schachtelhalmbrühe unterscheidet, in welcher Verdünnung und zu welcher Jahreszeit was gegeben wird, und worauf Sie beim Ansatzgefäß und beim Standort achten sollten. Er ordnet die drei Hausmittel außerdem dort ein, wo sie tatsächlich hingehören: als schnell wirksame Ergänzung neben Kompost und Grunddüngung, nicht als deren Ersatz, und im Hochbeet mit einer Vorsicht bei der Dosierung, die im offenen Gartenboden weniger ins Gewicht fällt.
Jauche und Brühe: der Unterschied, der am häufigsten durcheinandergeht
In beinahe jedem Gespräch über Pflanzenauszüge fällt irgendwann der Satz, Jauche und Brühe seien im Grunde dasselbe, nur mit anderem Namen. Das stimmt nicht, und der Unterschied ist keine Feinheit, sondern die wichtigste Weichenstellung überhaupt. Eine Jauche entsteht durch Gärung: Zerkleinerte Pflanzenteile liegen tagelang bis wochenlang in Wasser, Mikroorganismen bauen die Zellstrukturen ab, es riecht während dieser Zeit unangenehm, und am Ende steht ein flüssiger, nährstoffreicher Auszug, der vor allem als Dünger wirkt.
Eine Brühe dagegen wird nicht vergoren, sondern angesetzt und meist aufgekocht, oft schon nach wenigen Stunden bis über Nacht fertig, riecht kaum, und ihre Wirkung liegt weniger im Nährstoffeintrag als in vorbeugenden und stärkenden Inhaltsstoffen, die auf die Pflanze aufgesprüht oder gegossen werden.
Wer diese beiden Wirkrichtungen vertauscht, wundert sich zu Recht über ausbleibende Ergebnisse. Eine Brühe gegen Nährstoffmangel einzusetzen, bringt wenig, weil in ihr kaum etwas vergoren und damit für die Wurzel unmittelbar verfügbar gemacht wurde. Eine Jauche als vorbeugendes Spritzmittel gegen Pilzbefall zu verwenden, verfehlt ebenso das Ziel, weil ihr genau die stärkenden Stoffe fehlen, auf die es bei einer Brühe ankommt, und weil der hohe Stickstoffgehalt einer Jauche pilzanfälliges, weiches Blattgewebe eher noch begünstigt als verhindert. Die Faustregel für den Rest dieses Beitrags lautet deshalb: Brennnessel und Beinwell werden zu Jauche vergoren und düngen, Schachtelhalm wird zu Brühe gekocht und stärkt.
Diese Zuordnung lohnt sich zu merken, bevor die einzelnen Ansätze folgen, denn sie zieht sich durch den ganzen Beitrag. Wer vor der Frage steht, welchen der drei Auszüge er für eine bestimmte Kultur oder ein bestimmtes Anliegen wählt, kommt mit dieser einen Unterscheidung schon sehr weit, ohne jede Kultur einzeln nachschlagen zu müssen.
Brennnesseljauche: der Ansatz
Für die Brennnesseljauche schneiden Sie frische, noch nicht blühende Brennnesseln, am besten kurz vor oder während der Kernblüte im späten Frühjahr, wenn die Pflanze am meisten Stickstoff eingelagert hat. Man zerkleinert die Triebe grob mit der Gartenschere oder tritt sie mit dem Fuß an, damit die Zellwände aufreißen und die Gärung schneller in Gang kommt, und füllt sie locker, nicht festgestampft, in ein Gefäß.
Auf ein Kilogramm frisches Kraut rechnet man etwa zehn Liter Wasser, am besten Regenwasser, weil Leitungswasser mit hohem Chlorgehalt die Gärung verzögern kann. Das Kraut wird vollständig mit Wasser bedeckt; ein Brett oder ein grobmaschiges Netz obenauf hält es unter der Oberfläche, denn was oben schwimmt, schimmelt statt zu gären.
Von nun an sollten Sie täglich, mindestens jeden zweiten Tag, kräftig umrühren. Das Umrühren bringt Sauerstoff ein und beschleunigt den Abbau, außerdem verhindert es, dass sich eine geschlossene Schaumdecke bildet, unter der es faulig statt gärend riecht. Nach ein bis zwei Wochen, je nach Außentemperatur, wird die Flüssigkeit dunkler, trüber und ruhiger: Beim Umrühren steigen kaum noch Blasen auf, und der starke Geruch der ersten Tage geht in einen erdigeren Ton über. Das ist das verlässlichste Zeichen dafür, dass die Gärung abgeschlossen ist. Wird die Jauche zu früh abgegossen, bleibt sie ein unfertiger Auszug mit weniger Wirkung; steht sie viele Wochen zu lange, geht zunehmend Stickstoff als Ammoniak verloren.
Der Geruch während der Gärung ist der Punkt, über den sich fast jeder beklagt, der zum ersten Mal Jauche ansetzt, und er lässt sich auch mit gutem Willen nicht wegorganisieren. Er ist streng, schwefelig-faulig, und er trägt bei warmem Wetter mehrere Meter weit. Eine Handvoll Gesteinsmehl oder etwas zerkleinerte Baldrianwurzel, die manche Anleitungen empfehlen, mildert ihn allenfalls, beseitigt ihn aber nicht. Rechnet man damit und wählt den Standort entsprechend, erspart man sich Ärger mit der Nachbarschaft und mit dem eigenen Sitzplatz, wie im Abschnitt zum Standort weiter unten noch genauer beschrieben.
Brennnesseljauche: Verdünnung und Wirkung
Fertige Brennnesseljauche wird nie unverdünnt gegossen, denn in dieser Konzentration verbrennt sie Wurzeln und Blätter. Für die Anwendung als Blattdünger am Boden hat sich eine Verdünnung von etwa eins zu zehn bis eins zu zwanzig bewährt, also ein Liter Jauche auf zehn bis zwanzig Liter Wasser; wählen Sie für junge Pflanzen die schwächere Seite dieser Spanne. Junge Pflanzen und Jungpflanzen aus der Anzucht bekommen die schwächere, stärker verdünnte Variante, kräftige Starkzehrer in voller Wachstumsphase vertragen die konzentriertere Seite dieser Spanne. Gegossen wird direkt an den Wurzelbereich, auf bereits feuchten Boden, damit die Nährstoffe nicht auf trockener Erde liegen bleiben, sondern in den durchfeuchteten Wurzelraum einziehen.
Brennnesseljauche wirkt in erster Linie stickstoffbetont, dazu liefert sie Kalium, etwas Kalzium und Spurenelemente wie Eisen. Diese Zusammensetzung macht sie zu einem Blattdünger, der das Wachstum von Laub und Trieb fördert, und genau darin liegt zugleich ihre Grenze. Bei Kulturen, bei denen es um Frucht statt um Blattmasse geht, etwa bei Tomaten in der Reifephase, führt sie eher zu üppigem Kraut auf Kosten des Ertrags. Sinnvoll ist Brennnesseljauche deshalb vor allem bei Blattgemüse, bei jungen, noch wachsenden Pflanzen aller Art und in der frühen Vegetationsphase, bevor die Fruchtbildung einsetzt.
Zur Erinnerung an die kaliumbetonte Düngung zur Fruchtbildung, wie sie im Beitrag Hochbeet düngen: was, wann und wie viel beschrieben ist: Für die Phase, in der es um Frucht statt um Blatt geht, eignet sich nicht die Brennnessel-, sondern die Beinwelljauche besser. Diesen Wechsel im Verlauf der Saison behandelt der Abschnitt zum Jahresplan weiter unten noch einmal im Zusammenhang.
Beinwelljauche: kaliumbetont für die Fruchtbildung
Der Ansatz von Beinwelljauche folgt demselben Grundprinzip wie bei der Brennnessel: frisches Kraut, grob zerkleinert, mit Wasser übergossen, unter der Oberfläche gehalten, regelmäßig umgerührt, ein bis zwei Wochen Gärzeit, fertig, wenn keine Blasen mehr aufsteigen. Verwendet werden vor allem die Blätter, die deutlich mehr Kalium enthalten als die derbe, faserige Wurzel, mit der sich Beinwell außerdem im Garten vermehrt und die man deshalb besser nicht großflächig ausgräbt, sofern die Pflanze an ihrem Platz bleiben soll. Steht eigener Beinwell im Garten, lässt sich während der Saison mehrfach ernten, denn die Pflanze treibt nach dem Schnitt zuverlässig wieder aus.
Der entscheidende Unterschied zur Brennnessel liegt in der Nährstoffzusammensetzung: Beinwell zieht aus dem Boden überdurchschnittlich viel Kalium, dazu Kalzium und Bor, und gibt genau das an seine Jauche weiter. Kalium ist der Nährstoff, der die Fruchtbildung, die Zellfestigkeit und die Widerstandsfähigkeit gegen Trockenstress und Krankheiten fördert, ohne das Blattwachstum übermäßig anzuregen. Damit passt Beinwelljauche genau in die kaliumbetonte Düngung, die für Fruchtgemüse in der zweiten Saisonhälfte empfohlen wird, und ergänzt sich mit den Hornspänen und dem reifen Kompost, die im Beitrag Hochbeet düngen: was, wann und wie viel als Grundlage der Düngung im zweiten Standjahr und später beschrieben sind.
Verdünnen Sie Beinwelljauche wie die Brennnesseljauche im Bereich von eins zu zehn bis eins zu zwanzig, und geben Sie sie ebenfalls an die Wurzel, nicht über das Blatt. Besonders bewährt hat sie sich bei Tomaten und Kürbisgewächsen wie Zucchini und Kürbis, sobald die ersten Früchte angesetzt haben, dann etwa alle zwei bis drei Wochen bis in den Spätsommer. Bei Starkzehrern, die zugleich viel Blatt und viel Frucht bilden, lässt sich die Saison sinnvoll aufteilen: Brennnesseljauche in der frühen Wachstumsphase, Beinwelljauche ab dem Ansatz der ersten Früchte. Wer beide Jauchen abwechselnd ansetzt, kommt so ohne mineralischen Dünger durch weite Teile der Saison.
Schachtelhalmbrühe: kein Gären, sondern Kochen
Der Ackerschachtelhalm wird nicht vergoren, sondern zu einer Brühe verarbeitet, und schon dieser erste Schritt macht den Unterschied im Ansatz sichtbar. Sammeln Sie die grünen, sterilen Triebe, am besten im Frühsommer, wenn sie voll ausgetrieben, aber noch nicht verholzt sind. Zerkleinern Sie sie und setzen Sie sie in kaltem Wasser an, etwa 150 Gramm frisches oder 15 bis 20 Gramm getrocknetes Kraut auf einen Liter Wasser. Dieser Ansatz zieht mehrere Stunden bis über Nacht, bevor er zum Kochen gebracht wird, denn allein durch das Kaltwasserziehen lösen sich bereits erste Inhaltsstoffe, die beim anschließenden Erhitzen nicht verloren gehen sollen.
Danach wird die Mischung erhitzt und für etwa 20 bis 30 Minuten leicht köcheln gelassen, nicht kochend sprudelnd, sondern gerade eben unter dem vollen Sieden. Nach dem Abkühlen wird abgeseiht, und übrig bleibt eine bräunliche, kaum riechende Flüssigkeit, die sich deutlich von der stark riechenden, trüben Jauche unterscheidet. Fehlt die Zeit für das Kochen, lässt sich ersatzweise ein reiner Kaltwasserauszug ansetzen, bei dem das zerkleinerte Kraut mehrere Tage in Wasser zieht, ohne erhitzt zu werden; die Wirkung fällt dabei erfahrungsgemäß schwächer aus als bei der gekochten Variante, weil sich ein Teil der Kieselsäure erst durch die Hitze besser löst.
Was die Schachtelhalmbrühe von den beiden Jauchen fachlich trennt, ist ihr Wirkstoff: Silizium, in Pflanzen als Kieselsäure gebunden. Kieselsäure lagert sich in die Zellwände der behandelten Pflanze ein und macht das Gewebe mechanisch widerstandsfähiger, was Pilzsporen das Eindringen erschwert. Die Brühe wirkt damit vorbeugend gegen Pilzkrankheiten, nicht heilend, und sie liefert praktisch keinen nennenswerten Nährstoffeintrag im Sinne einer Düngung. Bei bereits sichtbarem Mehltau oder Braunfäule ist von der Schachtelhalmbrühe keine Rückbildung mehr zu erwarten; ihr Nutzen liegt vorher, als regelmäßige, vorbeugende Stärkung der Pflanzengesundheit.
Anwendung der Schachtelhalmbrühe
Anders als die beiden Jauchen wird Schachtelhalmbrühe nicht nur an die Wurzel gegossen, sondern häufiger als Spritzmittel auf das Blatt aufgebracht, meist unverdünnt bis leicht verdünnt im Verhältnis eins zu fünf. Wenden Sie sie vorbeugend im Abstand von ein bis zwei Wochen an, beginnend, sobald die Pflanzen ausreichend Blattmasse gebildet haben, und mit einer gewissen Regelmäßigkeit über die Saison, denn Kieselsäure wird nicht dauerhaft eingelagert, sondern muss immer wieder nachgeliefert werden. Besonders bewährt hat sich die Anwendung bei Kulturen, die erfahrungsgemäß anfällig für Pilzkrankheiten sind, etwa Tomaten mit ihrer Anfälligkeit für Braun- und Krautfäule, Gurken und Zucchini mit ihrer Anfälligkeit für Echten Mehltau, sowie Rosen und andere Zierpflanzen außerhalb des Gemüsebeets.
Beim Spritzen gilt dieselbe Vorsicht wie bei jeder Blattbehandlung: nicht in der prallen Mittagssonne, denn Wassertropfen auf dem Blatt wirken dann wie kleine Brenngläser und können Verbrennungen auf der Blattoberfläche verursachen. Sie sollten deshalb den frühen Morgen oder den späten Nachmittag wählen, wenn die Sonneneinstrahlung nachlässt und die Blätter Zeit haben abzutrocknen, bevor die Nacht anbricht und Feuchtigkeit auf dem Blatt Pilzbefall eher begünstigt als verhindert. Wird Schachtelhalmbrühe zusätzlich als Gießmittel an die Wurzel gegeben, schadet das nicht, sollte aber keine düngende Wirkung erwarten lassen: Sie ist eine Stärkung, kein Ersatz für die eigentliche Nährstoffversorgung.
Ansatzgefäß und Standort richtig wählen
Für alle drei Ansätze gilt dieselbe Grundregel bei der Wahl des Gefäßes: kein Metall. Die organischen Säuren, die während der Gärung und teilweise auch beim Kochen entstehen, greifen Metalle an, korrodieren Eimer und Tonnen aus verzinktem Blech innerhalb einer Saison sichtbar und geben dabei unter Umständen Metallionen in die Flüssigkeit ab, die später ins Beet gegossen wird.
Greifen Sie stattdessen zu Gefäßen aus Kunststoff oder aus Holz, etwa einem alten Bottich, einer ausrangierten Regentonne oder einem einfachen Eimer aus lebensmittelechtem Kunststoff. Wichtig ist außerdem, dass das Gefäß nicht luftdicht verschlossen wird: Während der Gärung entstehen Gase, die entweichen müssen, ein locker aufgelegter Deckel oder ein Brett genügt, ein fest verschraubter Deckel dagegen kann bei stärkerer Gärung unter Druck geraten.
Für die Schachtelhalmbrühe, die gekocht wird, kommt noch der übliche Küchentopf hinzu, wobei sich viele Gärtner einen eigenen, für diesen Zweck reservierten Topf zulegen, um Kochgeschirr und Gartenarbeit zu trennen. Ein Emailletopf mit intakter Beschichtung eignet sich dafür ebenso wie einer aus Edelstahl, solange der Kontakt mit der kochenden Flüssigkeit nur kurz ist; für den Ansatz in kaltem Wasser über Nacht gilt aber auch hier die Regel, kein blankes Eisen oder unbeschichtetes Metall zu verwenden. Ein Sieb oder ein Stück grobmaschiger Stoff zum Abseihen der fertigen Flüssigkeit erspart es, dass Pflanzenreste die Gießkannenbrause verstopfen.
Wer schon einmal an einem warmen Julitag an einer gärenden Jauchetonne vorbeigegangen ist, weiß, warum auch der Standort keine Nebensache ist. Der Geruch trägt weit, und er hält sich hartnäckig auch in der Kleidung und an Händen fest, die mit der Flüssigkeit in Berührung kommen. Stellen Sie ein Ansatzgefäß deshalb nicht in die Nähe von Sitzplatz, Terrasse oder offenem Fenster, sondern an eine abgelegene Stelle im Garten, gern im Halbschatten, denn direkte pralle Sonne beschleunigt die Verdunstung und verstärkt den Geruch zusätzlich, während ein zu kühler, schattiger Standort die Gärung merklich verlangsamt.
Ein zweiter Punkt betrifft die Nähe zu Nutzpflanzen und zu Bienenvölkern, falls im Garten oder in der Nachbarschaft vorhanden: Der intensive Geruch während der ersten Gärtage kann Bestäuber vorübergehend vom Standort fernhalten, was bei einer Tonne mitten im blühenden Gemüsebeet unerwünscht ist. Eine Ecke am Rand des Grundstücks, hinter dem Kompost oder einem Gartenhaus, erfüllt in der Regel alle Anforderungen: ausreichend Abstand zum Sitzbereich, Halbschatten, und eine gewisse Distanz zu den Beeten, die ohnehin gegossen werden müssen. Der Gießweg wird dadurch zwar etwas länger, dafür bleibt der Sitzplatz von der Geruchsbildung verschont.
Vorsicht mit der Dosierung im begrenzten Volumen des Hochbeets
Ein Punkt, der bei allen drei Auszügen im Hochbeet mehr Gewicht hat als im offenen Gartenboden, ist das begrenzte Volumen der Füllung. Ein Hochbeet mit den verbreiteten Maßen 200 mal 80 mal 80 Zentimeter fasst gut 1.200 Liter Substrat, und dieses Volumen ist ein geschlossenes System: Was an Nährstoffen hineingegeben wird, kann nicht wie im offenen Boden in tiefere Schichten abwandern oder sich über eine größere Fläche verteilen. Eine Jauchegabe, die auf einem weiträumigen Gartenbeet kaum ins Gewicht fällt, konzentriert sich im Hochbeet auf denselben begrenzten Wurzelraum, in dem schon die Grunddüngung wirkt.
Das heißt in der Praxis: Bleiben Sie im Hochbeet eher an der unteren Grenze der genannten Verdünnung, und wählen Sie die Abstände zwischen den Gaben eher länger als kürzer, gerade wenn Sie zusätzlich schon mit Kompost oder Hornspänen arbeiten. Eine Überdosierung zeigt sich im Hochbeet schneller und deutlicher als im Gartenbeet, weil der Puffer fehlt: Sie zeigt sich an dunkel verfärbten, wie verbrannt wirkenden Blatträndern, an plötzlichem Welken trotz feuchten Bodens, oder, bei anhaltender Überversorgung mit Stickstoff, an überproportional viel weichem, dunkelgrünem Blatt bei ausbleibender Frucht.
Zeigen sich diese Anzeichen, gießen Sie in den folgenden Tagen mit reinem Wasser nach, um die Konzentration im Wurzelraum zu verdünnen, und setzen Sie die nächste Jauchegabe erst mit deutlichem Abstand fort. Aus demselben Grund lohnt es sich, Jauche und Brühe nicht als tägliches Ritual, sondern als gezielte, im Abstand von ein bis zwei Wochen gegebene Ergänzung zu behandeln. Wer regelmäßig gießt und dabei nach Gefühl auch regelmäßig Jauche zugibt, überschreitet im kleinen Volumen eines Hochbeets rascher die Grenze zur Überdüngung, als es im Gartenbeet der Fall wäre, in dem sich dieselbe Menge auf eine größere Bodensäule verteilt.
Was Jauchen leisten und was nicht: Abgrenzung zu Kompost und Grunddüngung
Jauchen sind schnell wirksam, weil ihre Nährstoffe bereits gelöst vorliegen und von der Wurzel unmittelbar aufgenommen werden können, ohne dass erst ein Abbauprozess im Boden stattfinden muss. Genau darin liegt aber auch ihre Grenze: Sie sind eine Ergänzung, keine Grundversorgung.
Der eigentliche Nährstoffvorrat eines Hochbeets entsteht durch den Schichtaufbau selbst, durch grobes Astwerk, umgedrehte Rasensoden, Laub und reifen Kompost, wie im Beitrag Hochbeet düngen: was, wann und wie viel ausführlich beschrieben, und dieser Vorrat wird durch gelegentliche Jauchegaben ergänzt, nicht ersetzt. Wer versucht, ein mageres, altes Beet ausschließlich mit Jauche über eine Saison zu bringen, wird auf Dauer enttäuscht, weil die Grundstruktur fehlt, die auch das Bodenleben und die Wasserhaltefähigkeit trägt.
Ähnlich verhält es sich im Verhältnis zu Kompost, wie er im Beitrag Kompost für das Hochbeet beschrieben ist. Reifer Kompost wirkt langsam und nachhaltig, gibt seine Nährstoffe über Monate ab und verbessert nebenbei die Bodenstruktur, während eine Jauche innerhalb weniger Tage wirkt und danach wieder abgebaut ist. Beide ergänzen sich gut: Kompost als Grundlage im Frühjahr, Jauche als gezielte Nachlieferung während der Hauptwachstumszeit, wenn eine Starkzehrer-Kultur mehr braucht, als die Grunddüngung allein liefert.
In den ersten ein bis zwei Standjahren eines neuen Hochbeets, in denen laut dem Beitrag zur Düngung ohnehin kaum zusätzlich gedüngt werden muss, ist auch der Bedarf an Jauche entsprechend gering; er wächst erst mit den Jahren, wenn die Fracht der unteren Lagen nachlässt. Wer diese Reihenfolge im Kopf behält, gerät seltener in Versuchung, mit Jauche etwas auszugleichen, was eigentlich eine fehlende Neubefüllung anzeigt.
Ein einfacher Jahresplan für die drei Auszüge
Über die Saison verteilt ergibt sich für die drei Auszüge eine nachvollziehbare Reihenfolge. Im Frühsommer, sobald die ersten Brennnesseln kernblühend zur Verfügung stehen, wird die erste Brennnesseljauche angesetzt und ab der Hauptwachstumsphase bei Blattgemüse und jungen Starkzehrern gegeben. Etwa zeitgleich beginnen die ersten Schachtelhalmbrühen, die vorbeugend im Zwei-Wochen-Rhythmus gespritzt werden, sobald die Kulturen ausreichend Blattmasse gebildet haben, und diese Spritzungen laufen unabhängig von den Jauchegaben über den ganzen Sommer weiter.
Sobald die ersten Früchte an Tomaten, Kürbisgewächsen oder anderen Fruchtgemüsen angesetzt haben, meist im Hochsommer, verschiebt sich der Schwerpunkt von der Brennnessel- zur Beinwelljauche, die dann bis in den Spätsommer hinein alle zwei bis drei Wochen gegeben wird. Blattgemüse, das den ganzen Sommer über nachgesät wird, bleibt weiter bei der leichteren Brennnesseljauche, sofern überhaupt zusätzlich gedüngt werden muss. Ab Ende Juli endet, wie auch beim mineralischen und organischen Dünger, jede Stickstoffgabe, also auch die Brennnesseljauche; was jetzt noch gebraucht wird, ist allenfalls die kaliumbetonte Beinwelljauche für reifende Früchte, und die vorbeugende Schachtelhalmbrühe kann bis zum Ende der Kultur weiterlaufen, weil sie keinen Stickstoff einbringt.
Notieren Sie diesen Rhythmus, etwa im selben Beetbuch, in dem auch die Fruchtfolge festgehalten wird, haben Sie am Ende der Saison eine verlässliche Grundlage dafür, im Folgejahr früher zu beginnen und die Mengen an das tatsächliche Wachstum der jeweiligen Kultur anzupassen, statt jedes Jahr neu zu schätzen.
Wenn kein eigener Garten für den Kräuterschnitt zur Verfügung steht
Nicht jeder, der ein Hochbeet betreibt, hat auch eine Ecke mit wild wachsender Brennnessel, ausreichend Beinwell oder ungenutzte Schachtelhalmbestände im eigenen Garten zur Verfügung, insbesondere in dicht bebauten Lagen oder bei sehr neu angelegten Gärten. In diesem Fall lohnt sich zunächst ein Blick in die Nachbarschaft: Brennnessel gilt vielerorts als lästiges Unkraut am Wegesrand oder an Zäunen, und wer fragt, bevor er schneidet, findet häufig unkompliziert Zugang zu einer ausreichenden Menge. Beinwell wird gelegentlich gezielt als Zierstaude oder Bienenweide angepflanzt und lässt sich dann von befreundeten Gärtnern miternten, ohne die Pflanze selbst im eigenen Beet zu haben.
Getrocknetes Kraut aus dem Fachhandel ist für alle drei Pflanzen ebenfalls erhältlich und eignet sich grundsätzlich für den Ansatz, wobei die Mengenangaben dann von denen für frisches Kraut abweichen, meist etwa ein Zehntel der frischen Menge, da getrocknetes Material entsprechend konzentrierter ist. Im Zweifel hilft die Packungsangabe des jeweiligen Anbieters weiter, denn Trocknungsgrad und damit Konzentration schwanken zwischen verschiedenen Herstellern. Fertige Jauchekonzentrate sind eine weitere Möglichkeit, verfehlen aber den eigentlichen Reiz des Selbstansetzens: die Nutzung dessen, was im Garten ohnehin wächst und sonst als Grünabfall entsorgt würde.
Was am Ende bleibt
Jauchen und Brühen sind kein Ersatz für eine durchdachte Grunddüngung und keine Notwendigkeit für jeden, der ein Hochbeet betreibt, aber sie sind ein einfaches, kostenloses Mittel für alle, die ohnehin Brennnessel, Beinwell oder Schachtelhalm im Garten haben und diese sonst nur als Unkraut behandeln würden. Wichtig ist, die beiden Grundprinzipien nicht zu vertauschen: Brennnessel und Beinwell werden vergoren und düngen, wobei die Brennnessel das Blatt und der Beinwell die Frucht bevorzugt, während Schachtelhalm gekocht wird und vorbeugend stärkt, ohne selbst nennenswert zu düngen. Wer diesen Unterschied verinnerlicht hat, wählt zu jeder Jahreszeit und für jede Kultur den passenden der drei Auszüge, statt aus einer vagen Vorstellung heraus "etwas Grünes" ins Gießwasser zu geben.
Im Hochbeet gilt dabei eine zusätzliche Vorsicht, die im offenen Gartenboden weniger dringlich ist: Das begrenzte Volumen der Füllung verzeiht Überdosierung schlechter, und wer ohnehin schon regelmäßig mit Kompost und organischem Dünger arbeitet, sollte die Jauchegaben eher sparsam als großzügig bemessen. Mit dieser Zurückhaltung und mit einem geeigneten, geruchsfern platzierten Ansatzgefäß aus Kunststoff oder Holz lässt sich der Griff zu Brennnessel, Beinwell und Schachtelhalm über viele Jahre hinweg unaufwendig in die Pflege des Hochbeets einbauen, ohne dass es dafür mehr braucht als eine Gartenschere, einen Eimer und etwas Geduld beim Warten auf das Ende der Gärung.


