
Inhalt
- Warum ein Hochbeet die Fruchtfolge nötiger hat als ein Gartenbeet
- Starkzehrer, Mittelzehrer, Schwachzehrer
- Der Plan über fünf Jahre
- Die zweite Fruchtfolge: die innerhalb eines Jahres
- Fruchtfolge, Fruchtwechsel und die Pflanzenfamilie
- Was passiert, wenn Sie es nicht machen
- Gründüngung als Glied der Fruchtfolge
- Mischkultur und Fruchtfolge zusammen denken
- Wenn Sie den Plan verloren haben
- Wie Sie sich das merken: das Beetbuch
Fruchtfolge im Hochbeet: ein Plan über fünf Jahre
Die Regel steht in diesem Blog an einem halben Dutzend Stellen, immer als Halbsatz: Jahr 1 und 2 Starkzehrer, Jahr 3 und 4 Mittelzehrer, ab Jahr 5 Schwachzehrer, danach wird neu befüllt. Als Merksatz ist das richtig. Als Anleitung ist es zu wenig, denn es sagt nicht, was Sie in welchem Jahr tatsächlich pflanzen sollen, und es verschweigt das Kriterium, das am Ende schwerer wiegt als der Nährstoffbedarf: die Pflanzenfamilie.
Dieser Beitrag holt das nach. Er erklärt, warum ein Hochbeet eine Fruchtfolge dringender braucht als ein Beet im gewachsenen Boden, was die drei Zehrergruppen sind und wo ihre Grenzen liegen, und er macht aus dem Fünfjahresplan eine Belegung, von der eine Familie auch satt wird. Danach kommen die Punkte, die in kurzen Absätzen regelmäßig untergehen: die zweite Fruchtfolge innerhalb eines Jahres, die acht Gemüsefamilien, die Gründüngung und der Fehler, den fast jede Anleitung im Netz an dieser Stelle macht.
Warum ein Hochbeet die Fruchtfolge nötiger hat als ein Gartenbeet
Ein Beet im gewachsenen Boden steht auf einer Bodensäule, die viele Meter tief reicht. Was in den obersten dreißig Zentimetern verbraucht wird, kommt zu einem Teil von unten nach: über Kapillaren, über tief wurzelnde Pflanzen, über die Verwitterung des Untergrunds. Der Boden hat außerdem ein Puffervermögen, das über Jahrzehnte gewachsen ist. Ein Hochbeet hat das alles nicht. Seine Füllung ist ein geschlossenes System, aufgesetzt auf den Untergrund, aber ohne die durchgehende Bodensäule, aus der sich ein Gartenbeet bedient. Was verbraucht wird, ist verbraucht.
Dazu kommt ein zweiter Punkt, der noch schwerer wiegt: Die Nährstofffracht eines Hochbeetes fällt über die Jahre ab, und zwar deutlich. Die unteren Lagen aus Astwerk, umgedrehten Rasensoden, Laub und grobem Kompost sind der Motor der Anlage. Sie zersetzen sich, geben dabei Nährstoffe ab und werden dabei weniger. Deshalb sackt die Füllung im ersten Jahr um fünf bis fünfzehn Zentimeter und danach weiter, wenn auch langsamer. Ein Beet im ersten Standjahr und dasselbe Beet im fünften sind zwei verschiedene Standorte. Genau das bildet der Plan ab: Er stellt die anspruchsvollen Kulturen dorthin, wo die Fracht noch hoch ist, und die genügsamen dorthin, wo sie es nicht mehr ist.
Der dritte Punkt betrifft die Krankheiten. Die Fläche eines Hochbeetes ist klein und wird dicht belegt, oft mit zwei oder drei Kulturen hintereinander im selben Jahr. Bodenbürtige Erreger und Nematoden reichern sich dadurch schneller an als auf einer weiträumigen Gartenfläche, auf der man notfalls ausweichen kann. Ausweichen können Sie im Hochbeet nicht, denn Sie haben genau diese eine Füllung. Hinzu kommt, dass die Randzone über die Wand eng an die Außenluft gekoppelt ist: tagsüber wärmer, nachts kühler als die Mitte. Kulturen am Rand stehen also unter anderen Bedingungen als die in der Mitte, was zählt, sobald Sie zwei Zeilen unterschiedlich belegen.
Starkzehrer, Mittelzehrer, Schwachzehrer
Die Einteilung beschreibt, wie viel Nährstoffe, vor allem Stickstoff, eine Kultur über ihre Standzeit aus dem Boden zieht. Sie geht auf den Bedarf großer Blatt- und Fruchtmassen zurück: Wer viel Grün und viel Frucht bildet und lange steht, braucht viel. Wer klein bleibt, schnell fertig ist oder seinen Stickstoff teilweise selbst beschafft, braucht wenig. Mehr steckt zunächst nicht dahinter, und genau deshalb trägt die Regel weit, ohne dass Sie eine Bodenprobe brauchen.
Starkzehrer
Dazu zählen die Kohlgewächse in ihrer ganzen Breite, also Weißkohl, Rotkohl, Wirsing, Blumenkohl, Brokkoli, Rosenkohl, Grünkohl und Chinakohl, die Nachtschattengewächse Tomate, Paprika, Chili, Aubergine und Kartoffel, die Kürbisgewächse Gurke, Zucchini, Kürbis und Melone sowie Sellerie, Porree, Zuckermais und Rhabarber. Es sind die Kulturen, die den Sommer über durchlaufen, viel Wasser brauchen und eine große Blattmasse tragen. Bei ihnen macht sich eine reiche Füllung unmittelbar im Ertrag bemerkbar.
Mittelzehrer
In diese Gruppe fallen Möhre, Pastinake, Petersilienwurzel und Fenchel, Rote Bete und Mangold, Kohlrabi, Zwiebel, Knoblauch und Schalotte, Kopfsalat, Endivie und Radicchio, Spinat, Rettich und Erdbeere. Sie kommen mit der Fracht des dritten und vierten Standjahres zurecht, ohne dass Sie kräftig nachdüngen müssten. Eine mäßige Kompostgabe im Frühjahr reicht diesen Kulturen aus; wie viel davon sinnvoll ist, steht im Beitrag "Hochbeet düngen: was, wann und wie viel".
Schwachzehrer
Schwachzehrer sind Erbsen und Bohnen, Feldsalat, Pflücksalat und Rucola, Radieschen, Kresse, Winterportulak sowie die meisten Küchenkräuter, etwa Bohnenkraut, Thymian, Salbei, Oregano und Basilikum. Erbsen und Bohnen sind dabei ein Sonderfall: Als Schmetterlingsblütler leben sie mit Knöllchenbakterien zusammen, die Stickstoff aus der Luft binden. Sie zehren nicht nur wenig, sie hinterlassen die Fläche sogar etwas stickstoffreicher, als sie sie vorgefunden haben, vorausgesetzt, Sie lassen die Wurzeln nach der Ernte im Beet und schneiden die Pflanzen nur oberirdisch ab.
Warum das eine Faustregel ist und keine Messgröße
Hier gehört ein ehrlicher Hinweis hin. Die Einteilung in drei Gruppen ist eine Merkhilfe, kein Messwert. Es gibt keine Schwelle in Gramm Stickstoff je Quadratmeter, an der eine Kultur vom Mittel- zum Starkzehrer wird. Der Bedarf hängt an Sorte, Standzeit, Ertragsziel, Witterung und Pflanzabstand. Deshalb finden Sie dieselbe Kultur in verschiedenen Büchern in verschiedenen Gruppen: Zwiebel, Kohlrabi, Salat, Spinat und Rettich wandern je nach Quelle zwischen schwach und mittel, Sellerie und Porree zwischen mittel und stark. Wer darin einen Widerspruch sieht, sucht eine Genauigkeit, die es in der Sache nicht gibt. Nehmen Sie die Zuordnung als Reihenfolge, nicht als Etikett, und lassen Sie sich von Randfällen nicht aufhalten.
Der Plan über fünf Jahre
Jetzt der Plan selbst. Als Bezugsgröße dient ein Beet von zwei Metern Länge und einem Meter Breite, also zwei Quadratmeter Fläche. Das ist die verbreitetste Größe und zugleich die, bei der eine Belegung noch überschaubar bleibt. Wer schmaler oder kürzer baut, streicht anteilig; wer mehr Fläche hat, wiederholt. Jede Jahresbelegung ist so gewählt, dass sich die Pflanzenfamilien über die fünf Jahre möglichst wenig wiederholen und dass etwas dabei herauskommt, das in der Küche auch gebraucht wird.
Jahr 1: Starkzehrer, Nachtschatten und Kürbisse
Die Füllung ist frisch, die Rotte in den unteren Lagen läuft, es ist warm. Das ist das Jahr für Tomaten und Zucchini. Setzen Sie zwei bis drei Tomatenpflanzen an die eine Längsseite, dazu zwei Paprika, und an die andere Seite eine Zucchini oder zwei Salatgurken, deren Ranken über die Kante hängen dürfen. Mehr passt nicht hinein, und mehr sollte auch nicht hinein, denn Tomaten brauchen Luft zwischen den Pflanzen, sonst bleiben die Blätter nach Regen zu lange nass. Vor die Tomaten setzen Sie im März eine Vorkultur Spinat, nach der Räumung im Oktober kommt Feldsalat.
Jahr 2: Starkzehrer, das Kohljahr
Im zweiten Jahr ist die Fracht immer noch hoch, und jetzt kommt der Kohl. Er steht bewusst nicht im ersten Jahr, denn er ist die Familie mit dem längsten Gedächtnis, und wenn er in Jahr 2 steht, läuft seine Anbaupause bis zur Neubefüllung durch. Eine brauchbare Belegung sind drei Brokkoli, ein Blumenkohl und zwei Grünkohl – mehr als sechs Kohlpflanzen trägt ein Beet dieser Größe nicht, wenn jede ihre fünfzig Zentimeter für sich haben soll. Porree wäre hier verlockend, gehört aber nicht hierher: Er ist Zwiebelgewächs, und die Familie steht in Jahr 3 und 4 ohnehin schon im Beet. Wenn Sie mögen, kommt zwischen die Kohlreihen eine Reihe Zuckermais: Als Süßgras ist er mit keiner Gemüsefamilie des Beetes verwandt und stört die Rechnung nicht. Die früh geräumten Blumenkohlplätze übernimmt ab August Herbstsalat.
Jahr 3: Mittelzehrer, Wurzeln und Blattstiele
Ab dem dritten Jahr wird es genügsamer, und das kommt den Wurzelgemüsen entgegen: Zu viel Stickstoff treibt bei Möhren das Kraut und bringt gespaltene, beinige Rüben. Belegen Sie die eine Hälfte mit drei Reihen Möhren, gern mit einer Reihe Pastinaken daneben, die andere Hälfte mit Roter Bete und vier Pflanzen Mangold, der Sie von Juni bis zum Frost mit Blättern versorgt. Als Vorkultur eignet sich Pflücksalat. Was hier ausdrücklich nicht hingehört, sind Radieschen: Sie sind Kreuzblütler, und der Kohl liegt erst ein Jahr zurück.
Jahr 4: Mittelzehrer, Zwiebeln und Salate
Im vierten Jahr steht die Zwiebelfamilie im Vordergrund. Eine Einschränkung gehört dazu: Wer im Herbst des dritten Jahres Knoblauch gesteckt hat, legt Zwiebeln und Schalotten auf die andere Beethälfte – für Zwiebelgewächse gelten drei bis vier Jahre Pause, und der Knoblauch zählt voll mit. Eine Hälfte bekommt Zwiebeln aus Steckzwiebeln und Schalotten, die andere Hälfte Kopfsalat, Endivie und Radicchio in zwei Sätzen, damit nicht alles gleichzeitig erntereif ist. Der Knoblauch gehört dazu, aber er wird schon im Oktober oder November des Vorjahres gesteckt. Er belegt die Fläche also über den Winter hinweg und muss deshalb bereits beim Räumen von Jahr 3 eingeplant werden. Nach der Zwiebelernte im Hochsommer ist Platz für Herbstsalat oder für eine Gründüngung aus Phacelia. Buschbohnen gehören hier nicht hin: Sie sind Schmetterlingsblütler wie die Erbsen des kommenden Jahres, und für eine Aussaat sind sie Ende Juli ohnehin zu spät dran.
Jahr 5: Schwachzehrer
Jetzt ist die Füllung mürbe, gesackt und weitgehend ausgezehrt. Das ist das Jahr der Hülsenfrüchte und der Kurzkulturen: eine Doppelreihe Erbsen an einem einfachen Rankgerüst, daneben Buschbohnen in zwei Sätzen, dazu Pflücksalat, Kräuter wie Bohnenkraut und Basilikum und ab August Feldsalat und Winterportulak. Radieschen liegen in diesem Jahr genau an der unteren Grenze der Kreuzblütlerpause; wer sichergehen will, lässt sie noch aus. Gedüngt wird in diesem Jahr nicht mehr. Das ist der Sinn der Sache, und zusätzlicher Stickstoff würde bei den Hülsenfrüchten ohnehin nur die Knöllchenbildung bremsen.
Nach Jahr 5: die Neubefüllung
Irgendwann zwischen dem fünften und siebten Standjahr ist die Füllung so weit zersetzt und gesackt, dass Nachfüllen nicht mehr genügt. Dann wird ausgeräumt und neu geschichtet: unten etwa dreißig Zentimeter grobes Astwerk und Strauchschnitt, darüber umgedrehte Rasensoden, dann Laub und Rasenschnitt, dann grober Kompost, oben zwanzig bis dreißig Zentimeter reife Erde. Ein Beet von 200 mal 80 mal 80 Zentimetern fasst dabei gut 1.200 Liter, was man beim Materialeinkauf besser vorher weiß. Der alte Inhalt ist übrigens kein Abfall, sondern ausgezeichnete Erde für Stauden, Einfassungen oder zum Auffüllen von Senken. Mit der Neubefüllung beginnt der Plan wieder bei Jahr 1.
Wenn Sie mehr als ein Beet haben
Der Plan hat einen offensichtlichen Nachteil, den man aussprechen sollte: Mit einem einzigen Beet essen Sie vier Jahre lang keine Tomaten aus dem Hochbeet. Wer zwei oder drei Beete hat, umgeht das, indem er sie zeitlich versetzt anlegt und befüllt. Dann steht immer eines im Starkzehrerjahr, eines in der Mitte und eines am Ende. Bei nur einem Beet bleibt die ehrliche Wahl zwischen zwei Wegen: dem Plan folgen und die Tomaten in Kübeln oder im Gartenbeet ziehen, oder den Plan brechen und dafür jährlich kräftig nachdüngen, mit steigendem Krankheitsrisiko. Beides ist vertretbar, solange Sie wissen, worauf Sie sich einlassen.
Die zweite Fruchtfolge: die innerhalb eines Jahres
Über die Jahresfolge redet fast jede Anleitung. Über die Folge innerhalb eines Jahres redet kaum eine, obwohl sie im Hochbeet mindestens so wichtig ist. Die Fläche ist knapp, und eine Beetzeile, die von März bis Oktober nur eine einzige Kultur trägt, verschenkt eine halbe Saison. Die Gärtnersprache kennt dafür drei Begriffe: Vorkultur, Hauptkultur, Nachkultur.
Die Vorkultur läuft von März bis Mai, also in der Zeit, in der die Hauptkultur noch nicht ins Freie darf. Dafür taugt alles Schnellwüchsige und Kältetolerante: Radieschen, Spinat, Pflücksalat, Rucola, Kresse, Frühlingszwiebeln, Winterportulak. Geräumt wird, wenn nach den Eisheiligen die wärmebedürftigen Kulturen kommen. Der Randbereich eines Hochbeetes ist dabei tagsüber wärmer als die Mitte, nachts aber kälter. An der Kante geht es also früher los, und zugleich friert dort eher etwas zurück.
Die Hauptkultur ist die, um die es geht, und sie bestimmt die Belegung des Jahres. Sie steht von Mai bis September oder Oktober und beansprucht den größten Teil des Beetes. Bei ihr entscheidet sich die Zehrergruppe des Jahres, und an ihr wird die Fruchtfolge in erster Linie gerechnet. Sie ist der Bezugspunkt, nach dem gedüngt und geplant wird, nicht die Beikultur davor und danach.
Die Nachkultur beginnt, sobald die Hauptkultur geräumt ist, und das ist bei manchen Kulturen schon im Juli. Nach Erbsen, Kohlrabi, Blumenkohl, Frühkartoffeln oder Zwiebeln bleiben in unseren Breiten noch acht bis zwölf Wochen nutzbare Wachstumszeit. Was jetzt noch geht: Buschbohnen bis etwa Anfang Juli, Herbstrüben und Chinakohl ab Ende Juli, Salat und Spinat im August, Feldsalat und Winterportulak im August und September, Radieschen bis in den frühen September. Wie weit Sie damit kommen, hängt an der Lage. An einem milden Standort im Rheintal geht mehrere Wochen länger etwas als in einer Höhenlage der Mittelgebirge.
Und hier der Punkt, den man leicht übersieht: Die Nachkultur zählt in der Fruchtfolge voll mit. Ein Chinakohl als Nachkultur ist ein Kreuzblütler und beginnt die Anbaupause genauso wie ein Weißkohl als Hauptkultur. Ebenso zählt die Vorkultur mit, die Handvoll Radieschen im März gehört in dieselbe Rechnung. Wer die Jahresbelegung aufschreibt, muss deshalb alle drei Glieder notieren, nicht nur die Hauptkultur. Nicht zu vergessen: Eine Nachkultur startet in die trockenste Zeit des Jahres hinein und braucht anfangs verlässlich Wasser; das Nötige dazu steht im Beitrag "Hochbeet richtig gießen".
Fruchtfolge, Fruchtwechsel und die Pflanzenfamilie
Die beiden Wörter werden durcheinander gebraucht, meinen aber Verschiedenes. Fruchtwechsel heißt schlicht: In diesem Jahr steht hier etwas anderes als im vorigen. Das ist die Mindestanforderung und leicht erfüllt. Fruchtfolge heißt: Über mehrere Jahre hinweg liegt eine Reihenfolge fest, in der jede Fläche jede Gruppe und jede Familie einmal durchläuft, bevor sich etwas wiederholt. Der Fünfjahresplan oben ist eine Fruchtfolge; wer nur jedes Jahr etwas anderes pflanzt, betreibt Fruchtwechsel.
Nun das eigentliche Kriterium. Die Zehrergruppen ordnen den Nährstoffbedarf, und der ist im Hochbeet aus den genannten Gründen wichtig. Krankheitserreger, Nematoden und Wurzelausscheidungen richten sich aber nicht nach dem Bedarf, sondern nach der botanischen Verwandtschaft. Ein Erreger, der Kohl befällt, befällt auch Radieschen, nicht weil beide viel oder wenig zehren, sondern weil beide Kreuzblütler sind. Deshalb gilt: Wo die beiden Kriterien einander widersprechen, entscheidet die Familie.
Die acht Familien, die im Gemüsegarten zählen
Die Kreuzblütler sind die größte und heikelste Gruppe: alle Kohlarten von Weißkohl bis Rosenkohl, dazu Kohlrabi, Chinakohl und Pak Choi, außerdem Radieschen, Rettich, Steckrübe, Mairübe, Rucola, Gartenkresse und Meerrettich, und, was gern vergessen wird, Senf und Ölrettich. Wer bei dieser Familie nur an Kohlköpfe denkt, unterschätzt sie um mindestens die Hälfte, und genau daran scheitern die meisten selbst gebauten Pläne.
Die Doldenblütler umfassen Möhre, Pastinake, Sellerie, Fenchel, Petersilie, Dill, Kerbel, Koriander, Kümmel und Liebstöckel. Auch hier ist eine Pause von drei bis vier Jahren angebracht, vor allem wegen der Möhrenfliege und bodenbürtiger Blattfleckenerreger. Dass Petersilie botanisch neben der Möhre steht, überrascht viele, und es erklärt, warum Petersilie an einer alten Möhrenstelle oft schwach bleibt.
Die Nachtschattengewächse sind Tomate, Kartoffel, Paprika, Chili, Aubergine und Physalis. Tomate und Kartoffel teilen sich den Erreger der Kraut- und Braunfäule, weshalb beide weder nebeneinander noch kurz hintereinander stehen sollten. Im Hochbeet mit seiner kleinen Fläche heißt das in der Regel: eines von beiden, nicht beides.
Die Gänsefußgewächse, botanisch heute zu den Fuchsschwanzgewächsen gestellt, sind Spinat, Mangold, Rote Bete und Melde. Mangold und Rote Bete sind dieselbe Art in verschiedenen Zuchtformen; sie zählen in der Fruchtfolge also nicht als zwei Kulturen, sondern als eine einzige. Wer im Frühjahr Spinat und im Sommer Mangold auf dieselbe Zeile setzt, hat die Familie zweimal im selben Jahr.
Die Schmetterlingsblütler sind Erbse, Busch- und Stangenbohne, Ackerbohne, Linse, Lupine, Klee, Wicke und Luzerne. Sie bringen Stickstoff ein, sind aber gegen Wiederholung empfindlich. Für Erbsen wird eine Pause von vier bis sechs Jahren empfohlen, also länger als bei fast allem anderen; Bohnen gelten als robuster, brauchen aber ebenfalls Abstand.
Die Korbblütler stellen die Salate: Kopfsalat, Pflücksalat, Endivie, Radicchio, Chicorée, dazu Schwarzwurzel, Topinambur, Artischocke und die Ringelblume. Salate gelten als die verträglichsten Kulturen der Fruchtfolge und werden im Hausgarten mit kürzeren Pausen gefahren als alles andere, weshalb sie sich als Lückenfüller in fast jedem Jahr anbieten.
Die Kürbisgewächse sind Gurke, Zucchini, Kürbis und Melone. Die Zwiebelgewächse sind Zwiebel, Schalotte, Knoblauch, Porree, Schnittlauch und Winterheckenzwiebel. Bei den Zwiebelgewächsen sind drei bis vier Jahre Pause angebracht, weil ihre Bodenpilze sehr langlebige Dauerkörper bilden, die auch dann noch da sind, wenn längst niemand mehr an sie denkt.
Es bleiben ein paar nützliche Ausreißer, die zu keiner dieser acht Familien gehören und deshalb in fast jede Lücke passen: Feldsalat aus den Baldriangewächsen, Mais aus den Süßgräsern, Winterportulak aus den Quellkrautgewächsen, Buchweizen aus den Knöterichgewächsen und die meisten mediterranen Küchenkräuter aus den Lippenblütlern. Wenn eine Fläche in einem Jahr partout nicht sauber zu belegen ist, sind das die Kulturen, mit denen Sie sich herausmanövrieren.
Die Kreuzblütler-Pause von drei bis vier Jahren
Für Kreuzblütler gilt die längste und wichtigste Pause im Gemüsegarten: drei bis vier Jahre, bei bekanntem Befall eher noch länger. Und sie gilt für die ganze Familie. Wer den Kohl brav wandern lässt, aber jedes Frühjahr in dieselbe Zeile Radieschen sät und im Herbst Ölrettich als Gründüngung, hat die Pause nie eingehalten. Genau diese Lücke ist der Grund, warum Kohlhernie auch in sorgfältig geführten Gärten auftaucht. Im Fünfjahresplan liegt das Kohljahr deshalb in Jahr 2: Von dort bis zur Neubefüllung sind es mindestens drei Jahre, in denen kein Kreuzblütler mehr vorgesehen ist.
Was passiert, wenn Sie es nicht machen
Der Verzicht auf eine Fruchtfolge rächt sich selten sofort. Das erste Jahr geht gut, das zweite auch, im dritten oder vierten fällt der Ertrag ab, ohne dass ein einzelner Schuldiger zu finden wäre. Dafür gibt es den Sammelbegriff Bodenmüdigkeit. Er beschreibt kein einzelnes Leiden, sondern das Zusammenwirken mehrerer Ursachen: die Anreicherung spezialisierter Wurzelpilze und Nematoden, die Ansammlung von Wurzelausscheidungen, die die eigenen Nachkommen hemmen, die einseitige Verschiebung der Bodenmikroflora und die Verarmung an genau den Nährstoffen und Spurenelementen, die diese eine Kultur bevorzugt zieht.
Der klarste und unangenehmste Einzelfall ist die Kohlhernie. Der Erreger ist kein Pilz im engeren Sinn, sondern ein Schleimpilz, und er bildet Dauersporen, die im Boden bis zu zwanzig Jahre überleben. Befallene Pflanzen zeigen keulige, knollige Verdickungen an den Wurzeln; oberirdisch welken sie bei Sonne, obwohl der Boden feucht ist, und bleiben klein. Anfällig ist die ganze Familie, also auch Radieschen, Rucola und die Gründüngungspflanzen Senf und Ölrettich. Im Hochbeet gibt es dagegen kaum ein Ausweichen: Ist die Füllung befallen, ist ihr vollständiger Austausch der sicherste Weg. Wer ihn scheut, kann den Befallsdruck senken, indem er die Füllung aufkalkt – der Erreger braucht sauren Boden und kommt oberhalb von etwa pH 7,2 kaum noch zum Zug – und auf kohlherniefeste Sorten ausweicht. Beides mildert, beseitigt den Erreger aber nicht: Ist die Füllung befallen, hilft nur ihr vollständiger Austausch, und Kompost, in dem befallene Wurzeln gelandet sind, trägt den Erreger weiter und gehört in den Restmüll.
Ähnlich, wenn auch weniger dramatisch, verhält es sich bei anderen Familien. Zwiebelgewächse hinterlassen bei Weißfäule Dauerkörper, die viele Jahre im Boden bleiben. Erbsen entwickeln die sprichwörtliche Erbsenmüdigkeit, ein Bündel von Fußkrankheiten, das den Anbau an derselben Stelle über Jahre unmöglich macht. Möhren leiden unter bodenbürtigen Blattfleckenerregern und Nematoden. Allen gemeinsam ist: Sie sind im Hausgarten nicht zu bekämpfen, nur zu vermeiden, und das einzige verlässliche Mittel dazu ist die zeitliche Trennung.
Dazu kommt der schlichte, mechanische Teil: der einseitige Nährstoffentzug. Jede Kultur zieht ein eigenes Verhältnis von Stickstoff, Phosphor, Kalium, Magnesium und Spurenelementen. Wer Jahr für Jahr dasselbe pflanzt, leert dieselben Fächer und lässt die anderen voll. Das lässt sich mit Dünger eine Weile überdecken, aber nur, solange man weiß, was fehlt. Im Hochbeet mit seinem begrenzten Puffervermögen kippt eine solche Dauerdüngung außerdem schneller in einen Salzüberschuss als im Gartenboden, und der zeigt sich dann als kümmernder Wuchs bei bester Versorgung.
Gründüngung als Glied der Fruchtfolge
Gründüngung ist kein Zierrat und keine Notlösung, sondern ein vollwertiges Glied der Folge. Sie hält die Fläche über den Winter bedeckt, verhindert das Verschlämmen der Oberfläche durch Winterregen, bindet Nährstoffe, die sonst mit dem Sickerwasser weggingen, durchwurzelt die Füllung und liefert im Frühjahr organische Masse. Im Hochbeet kommt ein besonderer Nutzen dazu: Eine bewachsene Fläche sackt über den Winter weniger und bleibt lockerer als eine, die von Oktober bis April blank liegt.
Die zuverlässigsten Arten für den Hausgarten sind Phacelia, auch Büschelschön oder Bienenfreund genannt, und Buchweizen. Beide sind mit keinem bei uns üblichen Gemüse verwandt und passen deshalb in jede Lücke der Fruchtfolge. Phacelia wird bis etwa Anfang September gesät, braucht sechs bis acht Wochen Wachstum und friert im Winter zuverlässig ab. Buchweizen ist frostempfindlich und wird von Mai bis in den frühen August gesät, meist als Zwischenglied im Sommer. Wer Stickstoff einbringen will, greift zu Inkarnatklee, Winterwicke oder Ackerbohne, aber das sind Schmetterlingsblütler und gehören nicht vor oder nach Erbsen und Bohnen.
Und jetzt der Fehler, den fast jede Anleitung im Netz macht: Senf und Ölrettich sind Kreuzblütler. Sie werden als Gründüngung empfohlen, weil sie schnell keimen, viel Masse bilden und billig sind, und sie sind für ein Beet, in dem Kohl steht oder stand, genau falsch. Sie vermehren die Kohlhernie mit, und sie zählen in der Anbaupause voll mit. Nematodenresistente Ölrettichsorten gibt es zwar, aber deren Widerstandsfähigkeit richtet sich gegen Rübenzystenälchen und nützt gegen Kohlhernie nichts. Für die Jahre rund um das Kohljahr nehmen Sie Phacelia, und die Frage stellt sich nicht mehr.
Beim Einarbeiten gilt: nicht umgraben. Lassen Sie abfrierende Arten stehen, damit sie den Winter über decken; im Frühjahr ist der Rest so mürbe, dass er sich mit dem Kultivator flach einarbeiten lässt, etwa fünf Zentimeter tief, oder als Mulchdecke einfach liegen bleibt. Nicht abfrierende Arten schneiden Sie im Spätherbst ab, bevor sie Samen ansetzen. Bei Phacelia gilt das nur für frühe Saaten aus Juli und August, die noch zur Blüte und zur Samenreife kommen – eine Septembersaat friert ab, bevor sie sich versamen kann. Zwischen dem Einarbeiten und der nächsten Aussaat sollten zwei bis drei Wochen liegen, sonst zieht die anlaufende Rotte genau den Stickstoff, den die junge Saat gerade braucht.
Mischkultur und Fruchtfolge zusammen denken
Mischkultur und Fruchtfolge sind zwei Ordnungen desselben Beetes: Die eine ordnet den Raum, die andere die Zeit. Sie widersprechen einander nicht, aber sie greifen ineinander, und man muss sie gemeinsam führen. Wenn Sie Möhren und Zwiebeln in Wechselreihen setzen, die überlieferte Kombination gegen Möhrenfliege und Zwiebelfliege, deren Wirkung schwächer ist als ihr Ruf, dann belegt diese Fläche in diesem Jahr zwei Familien, Doldenblütler und Zwiebelgewächse, und für beide beginnt die Pause zu laufen.
Daraus folgt eine schlichte Regel für die Aufzeichnung: Notieren Sie jede Familie, die auf einer Fläche stand, nicht nur die Hauptkultur. Bei drei oder vier Mischpartnern verbraucht ein einziges Jahr sonst unbemerkt die halbe Rotation. Wer viel mischt, kommt deshalb mit wenigen Beeten schneller in eine Sackgasse als jemand, der reinen Tisch macht. Das ist der Preis der Mischkultur, und er wird selten dazugesagt.
Ein zweiter Konflikt betrifft die Düngung. Ein Beetjahr wird nach der anspruchsvollsten Kultur versorgt. Stellen Sie also einen Starkzehrer und einen Schwachzehrer nebeneinander, bekommt der Schwachzehrer zwangsläufig zu viel: Bohnen bilden dann weniger Knöllchen, Salate reichern bei hohem Stickstoffangebot Nitrat an, Kräuter verlieren an Aroma. Besser ist es, innerhalb eines Jahres bei einer Zehrergruppe zu bleiben und die Vielfalt über die Familien zu holen, nicht über den Bedarf. Wo es sich nicht vermeiden lässt, teilen Sie das Beet in zwei Zonen, düngen getrennt und schreiben beide Zonen getrennt auf.
Wenn Sie den Plan verloren haben
Es gibt zwei Fälle, in denen ein Plan nichts nützt: Man hat ihn verlegt, oder man übernimmt ein Beet, dessen Geschichte niemand kennt, etwa beim Hauskauf, in einem gepachteten Garten oder nach einer langen Pause. Das ist kein Grund zur Aufregung, aber es lohnt sich, systematisch heranzugehen, statt einfach loszupflanzen und zu hoffen.
Rekonstruieren Sie zuerst, was zu rekonstruieren ist. Alte Fotos vom Garten, stehen gebliebene Pflanzschilder, Wurzelreste und Strünke im Beet, Reste von Rankgerüsten, und, am ergiebigsten, ein Gespräch mit dem Vorbesitzer oder dem Nachbarn. Wer im letzten Jahr Kohl gesehen hat, weiß bereits das Wichtigste. Schätzen Sie außerdem das Alter der Füllung ab: Ist sie fein, dunkel und stark gesackt, ohne erkennbare grobe Bestandteile, steht das Beet eher im vierten oder fünften Jahr. Dann gehören Schwachzehrer hinein oder gleich eine Neubefüllung.
Für die Frage, ob eine Kohlhernie im Beet sitzt, gibt es einen brauchbaren Test mit Hausmitteln: Säen Sie im Frühjahr eine kleine Fläche Radieschen als Zeigerpflanze, warten Sie vier bis sechs Wochen und ziehen Sie einige davon heraus. Sind die Wurzeln glatt und die Knollen regelmäßig, spricht viel für einen unbelasteten Boden. Finden Sie knollige Verdickungen oder verkrüppelte Wurzeln, lassen Sie Kreuzblütler in den nächsten Jahren ganz weg. Der Test ist kein Beweis, aber er kostet Sie nur eine Tüte Saatgut und sechs Wochen Geduld.
Für das erste Jahr auf unbekanntem Boden gilt die konservative Wahl: kein Kohl und überhaupt kein Kreuzblütler, keine Erbsen, keine Zwiebeln und kein Knoblauch. Das sind die drei Familien mit dem längsten Gedächtnis: Kreuzblütler, Schmetterlingsblütler und Zwiebelgewächse. Gut geeignet sind stattdessen Kürbisgewächse, Salate und Mangold, dazu Kartoffeln, wenn die Fracht es hergibt, sonst Buschbohnen und Kräuter. Und im Herbst dieses ersten Jahres säen Sie Phacelia, die keine Rechnung stört, gleich wie die Vorgeschichte aussah. Ab diesem Punkt beginnt Ihr eigener Fünfjahresplan, unabhängig davon, in welchem Jahr das Beet objektiv steht.
Wie Sie sich das merken: das Beetbuch
Fünf Jahre sind eine lange Zeit, und niemand erinnert sich in einem April daran, was vier Sommer zuvor in der linken Beethälfte stand. Der Plan funktioniert nur, wenn er aufgeschrieben wird, und das ist der unspektakulärste und zugleich entscheidende Teil der ganzen Sache. Ein einfaches liniertes Heft genügt, und es kostet Sie über das Jahr verteilt kaum mehr als eine halbe Stunde.
Hineingehören: Jahr, Beet, welche Kultur mit welcher Sorte, wann gepflanzt und wann geräumt, was als Vor- und was als Nachkultur lief, welche Gründüngung, welche Düngung, und was auffällig war, also Befall, Ausfälle, ein besonders guter oder ein besonders schlechter Ertrag. Der eine Kniff, der alles einfacher macht: Schreiben Sie die Pflanzenfamilie in Klammern dahinter. Also "Radieschen (Kreuzblütler)" statt nur "Radieschen". Dann sehen Sie den Konflikt schon beim Blättern, ohne jedes Mal nachschlagen zu müssen.
Dazu zwei Bilder im Jahr. Eine Skizze im Frühjahr, direkt nach dem Pflanzen, mit Maßangaben und Himmelsrichtung: Sie hält den Plan fest, wie er gedacht war. Und ein Foto von oben im Juni, wenn alles steht: Es hält fest, was tatsächlich daraus geworden ist. Fotografieren Sie möglichst senkrecht von oben und legen Sie einen Zettel mit Beet und Datum ins Bild, sonst wissen Sie in drei Jahren nicht mehr, welches Beet Sie da vor sich haben. Beide Bilder wandern in dasselbe Heft oder in einen eigenen Ordner, aber nicht wahllos in die Fotomediathek.
Wem ein Heft zu umständlich ist, der schreibt die Belegung auf ein wetterfestes Etikett und hängt es an das Beet oder legt einen laminierten Zettel in eine Dose unter der Beetkante. Das ist weniger vollständig, hat aber einen Vorteil: Die Angabe steht dort, wo die Entscheidung fällt. Welchen Weg Sie wählen, ist gleichgültig, nur irgendeinen sollten Sie wählen. Eine Fruchtfolge, an die sich niemand erinnert, ist keine.
Am Ende ist die Fruchtfolge nichts Kompliziertes. Sie besteht aus zwei Fragen, die Sie sich einmal im Jahr stellen: Wie viel Kraft hat die Füllung noch, und welche Familie stand hier zuletzt. Die erste Frage beantwortet der Fünfjahresplan, die zweite Ihr Beetbuch. Alles Weitere, die Vor- und Nachkulturen, die Gründüngung, die Mischkultur, ordnet sich diesen beiden Fragen unter. Und wenn Ihnen einmal ein Jahr durcheinandergerät, ist das kein Schaden: Eine Fruchtfolge ist eine Richtung, keine Vorschrift, und ein einzelner Fehltritt lässt sich im Folgejahr wieder einfangen.


