
Inhalt
- Warum überhaupt kahle Stellen entstehen
- Krankheiten und Pilzbefall als Ursache
- Schatten als dauerhafte Belastung
- Den Boden vor der Nachsaat vorbereiten
- Die richtige Saatgutmischung wählen
- Die passende Saatgutmenge bemessen
- Keimbedingungen: Feuchtigkeit und Temperatur richtig treffen
- Die frische Saat vor Vögeln und Austrocknung schützen
- Erste Pflege nach dem Aufgang
- Wenn die Nachsaat nicht wie erwartet anwächst
- Kahle Stellen im Jahresverlauf vorbeugen
- Zusammengefasst: die wichtigsten Schritte zur dauerhaften Nachsaat
Nachsaat: kahle Stellen im Rasen dauerhaft schließen
Fast jeder Rasen entwickelt im Laufe der Zeit einzelne Stellen, an denen die Grasnarbe dünner wird oder ganz verschwindet. Manchmal ist es eine Fläche unter dem Trampolin, manchmal ein Streifen entlang des Gartenwegs, manchmal ein diffuser Fleck, dessen Ursache auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist. Diese kahlen Stellen schließen sich selten von allein, denn wo einmal Gras fehlt, setzen sich meist zuerst Unkräuter oder Moos durch, bevor überhaupt wieder Grassamen von selbst dorthin gelangen könnten.
Die Nachsaat ist die planmäßige Antwort darauf: an genau der betroffenen Stelle, mit passender Vorbereitung und passendem Saatgut, neues Gras aussäen, statt zu hoffen, dass sich die Lücke von selbst schließt. Wer dabei nur Samen in die vorhandene Fläche streut, ohne die Ursache der Kahlstelle zu klären und den Boden vorzubereiten, wird die Arbeit im nächsten Jahr wiederholen müssen. Dieser Beitrag geht deshalb in der Reihenfolge vor, in der auch die Arbeit sinnvoll abläuft: erst die Ursache verstehen, dann den Boden vorbereiten, dann säen, dann die junge Saat schützen und pflegen.
Warum überhaupt kahle Stellen entstehen
Bevor Sie zur Saatschale greifen, lohnt sich ein Moment der Bestandsaufnahme. Eine kahle Stelle hat immer eine Ursache, und diese Ursache bestimmt, was Sie zusätzlich zur reinen Nachsaat tun müssen, damit die Fläche nicht in ein oder zwei Jahren wieder kahl wird. Besäen Sie eine stark verdichtete Stelle nur, ohne den Boden zu lockern, säen Sie im Grunde in eine Betondecke. Bestreuen Sie eine dauerhaft schattige Stelle mit gewöhnlichem Rasensaatgut, werden Sie dort auch im zweiten Anlauf kein dichtes Grün bekommen.
Die vier häufigsten Ursachen sind Trockenheit, Trittschäden, Krankheiten und Schatten, oft auch in Kombination. Ein schattiger Platz unter einem Baum etwa trocknet an seinem Rand, wo die Wurzeln des Baumes zusätzlich Wasser ziehen, besonders schnell aus, während die Mitte darunter durch fehlendes Licht ohnehin kaum trägt. Beide Ursachen müssen bei der Nachsaat berücksichtigt werden, nicht nur eine davon.
Trockenheit und einseitige Belastung durch Sonne
Stellen mit voller Südlage, insbesondere an Hauswänden oder auf sandigem, wasserdurchlässigem Untergrund, trocknen in heißen Wochen deutlich schneller aus als der Rest der Fläche. Fehlt in dieser Zeit Wasser, stirbt zuerst der oberflächennah wurzelnde Rasenanteil ab, während tiefer wurzelnde Kräuter und Unkräuter die Trockenheit besser überstehen und die freigewordene Fläche zuerst besiedeln. Nach einigen trockenen Sommern in Folge sehen Sie solche Stellen häufig eher braun-kahl als grün, selbst wenn der übrige Rasen noch passabel aussieht.
Wichtig zu wissen ist dabei, dass eine einzelne Trockenperiode selten die eigentliche Ursache ist. Meist handelt es sich um eine Stelle, die aus strukturellen Gründen - Gefälle, sandiger Unterboden, Wärmestau an einer Mauer - schneller austrocknet als die Umgebung. Diese Eigenschaft bleibt nach der Nachsaat bestehen, wenn Sie sie nicht gezielt angehen, weshalb Sie an solchen Stellen auf eine trockenheitsverträglichere Saatgutmischung und auf eine konsequentere Wassergabe in den ersten Wochen achten sollten.
Trittschäden und Bodenverdichtung
Wege, die sich Kinder, Hunde oder auch die eigenen Füße quer über den Rasen treten, verdichten den Boden mit der Zeit so stark, dass Wasser und Luft kaum noch eindringen. Gräser reagieren auf diese Verdichtung empfindlich, weil ihre feinen Wurzeln in dichtem, sauerstoffarmem Boden kaum wachsen können, während breitwurzelnde Pflanzen wie der Breitwegerich mit solchen Böden gut zurechtkommen. Das erklärt, warum entlang eines Trampelpfads oft zuerst der Rasen verschwindet und ein robusterer Bewuchs übrig bleibt.
Bei Trittschäden reicht Nachsaat allein selten aus, solange die Ursache der Belastung fortbesteht. Entweder nimmt man den Bereich vorübergehend aus dem Trittverkehr, bis die neue Saat angewachsen ist, oder man akzeptiert von vornherein, dass an einer stark frequentierten Stelle regelmäßig nachgesät werden muss. Manchmal ist es an dieser Stelle auch ehrlicher, einen befestigten Trittstein oder einen schmalen Weg anzulegen, statt Jahr für Jahr gegen dieselbe Belastung anzusäen.
Krankheiten und Pilzbefall als Ursache
Rasengräser können, wie andere Pflanzen auch, von Pilzkrankheiten befallen werden, die sich oft erst durch unregelmäßige, kreisförmige oder streifenförmige Kahlstellen bemerkbar machen. Schneeschimmel zeigt sich häufig im zeitigen Frühjahr beim Abtauen der Schneedecke als grau-rötliche, verfilzte Flecken, die beim genauen Hinsehen von einem feinen Pilzgeflecht überzogen sind. Rotspitzigkeit äußert sich in kleinen rötlichen Flecken auf einzelnen Halmen, die sich bei feuchter Witterung zu größeren, unregelmäßigen Bereichen ausweiten können.
Von einer echten Krankheit unterscheidet sich eine Trocken- oder Trittschadstelle vor allem am Übergang: Bei Pilzbefall ist der Rand oft unscharf und leicht verfärbt, während eine reine Trockenstelle gleichmäßig braun ausdünnt und Trittschäden einer erkennbaren Wegführung folgen. Sind Sie sich unsicher, betrachten Sie eine befallene Stelle vor der Nachsaat besser genauer, im Zweifel bei feuchtem Wetter am frühen Morgen, wenn Pilzgeflechte am deutlichsten sichtbar sind.
Für die Nachsaat bedeutet ein Pilzbefall vor allem eines: Es reicht nicht, einfach neue Samen auf die alte, möglicherweise noch befallene Fläche zu streuen. Entfernen Sie abgestorbenes, von Pilz durchsetztes Material vorher, und halten Sie die Stelle, soweit möglich, etwas luftiger und trockener als zuvor, denn die meisten Rasenpilze bevorzugen feuchte, schlecht belüftete Bedingungen. Wiederkehrender Pilzbefall über mehrere Jahre deutet außerdem oft auf ein grundsätzliches Pflegeproblem hin - zu kurzes Mähen, zu viel Stickstoff im Herbst, stehende Nässe -, das über die Nachsaat hinaus angegangen werden muss.
Schatten als dauerhafte Belastung
Unter Bäumen, an schattigen Hausseiten oder im Windschatten hoher Hecken bekommt der Rasen oft nicht genug Licht, um dauerhaft dicht zu wachsen. Die meisten gängigen Rasengräser sind Lichtpflanzen und dünnen bei dauerhaftem Schatten mit der Zeit aus, selbst wenn Wasser und Nährstoffe ausreichend vorhanden sind. Anders als bei Trockenheit oder Trittschäden lässt sich diese Ursache selten beseitigen, denn ein Baum wird kaum wegen des Rasens gefällt, und eine Hausseite bleibt schattig, wie sie ist.
Für solche Stellen gibt es im Fachhandel spezielle Schattenrasenmischungen, die einen höheren Anteil an schattenverträglicheren Grasarten wie bestimmten Rotschwingel-Sorten enthalten. Diese Mischungen bilden keine so dichte, strapazierfähige Narbe wie eine Sonnenmischung, kommen aber mit weniger Licht aus und halten sich an schattigen Stellen länger als Standardsaatgut. Sät man eine dauerhaft schattige Stelle mit normalem Saatgut nach, wiederholt man die Arbeit voraussichtlich in ein bis zwei Jahren.
Bei sehr dichtem, ganzjährigem Schatten - etwa direkt unter einer immergrünen Konifere - stößt auch die beste Schattenmischung an ihre Grenzen. In solchen Fällen sollten Sie ehrlicherweise überlegen, ob an dieser Stelle überhaupt Rasen die richtige Wahl ist, oder ob eine schattenverträgliche Bodendecker-Bepflanzung dauerhaft weniger Pflege verlangt als eine Fläche, die man alle paar Jahre neu ansäen muss. Im Gegensatz zu einem erhöhten Beet, dessen Standort sich vor der ersten Bepflanzung noch wählen lässt, liegt ein Rasen dort, wo er schon liegt.
Den Boden vor der Nachsaat vorbereiten
So unterschiedlich die Ursachen einer Kahlstelle auch sind, die Vorbereitung des Bodens folgt immer demselben Grundmuster. Zuerst wird die betroffene Fläche von totem Material befreit: abgestorbenes Gras, Moos, verfilzte Rückstände und, bei Krankheitsbefall, möglichst auch die oberste, betroffene Bodenschicht. Ein Rechen mit festen Zinken oder ein Vertikutierer leisten hier gute Dienste, wobei bei kleineren Kahlstellen der Rechen meist ausreicht und sich der Aufwand eines Vertikutiergeräts erst ab einer größeren Fläche lohnt.
Anschließend lockern Sie den freiliegenden Boden auf, etwa zwei bis drei Zentimeter tief, damit die junge Wurzel des Grases später leicht eindringen kann. Bei stark verdichteten Stellen, wie sie an Trittschäden typisch sind, lohnt sich eine gründlichere Lockerung, notfalls mit einer Grabegabel, die Sie vorsichtig in den Boden stechen und leicht bewegen, ohne die Erde komplett umzugraben. Steine, Wurzelreste und Bauschutt, die dabei zum Vorschein kommen, entfernen Sie, denn sie behindern später Keimung und Mähen.
Ist der Boden an der Stelle sehr mager, verdichtet oder sandig, hilft eine dünne Schicht - etwa ein bis zwei Zentimeter - aus Kompost oder speziellem Rasenerde-Substrat, die Sie leicht einarbeiten. Zu viel organisches Material auf einmal ist eher hinderlich, weil eine zu lockere, nährstoffreiche Schicht das Wachstum ungleichmäßig macht und Unkraut begünstigt. Am Ende sollte die Fläche fein und eben sein, ohne Hügel oder Vertiefungen, denn Unebenheiten erschweren Ihnen später das Mähen und die gleichmäßige Wasserverteilung.
Die richtige Saatgutmischung wählen
Für die Nachsaat gilt eine einfache, aber häufig übergangene Regel: Das neue Saatgut sollte möglichst zur ursprünglichen Rasenmischung passen, denn sonst entstehen sichtbare Flecken mit anderer Wuchsform, anderer Farbe und anderer Wachstumsgeschwindigkeit als der umgebende Rasen. Wissen Sie nicht mehr, welche Mischung ursprünglich verwendet wurde, orientieren Sie sich am besten an der Nutzung der Fläche: Ein Spiel- und Familienrasen verlangt eine strapazierfähige Mischung mit hohem Anteil an Deutschem Weidelgras, das schnell keimt und sich nach Belastung gut regeneriert, während ein reiner Zierrasen mit feineren, aber weniger trittfesten Gräsern arbeitet.
Aus den bereits genannten Ursachen ergeben sich zusätzliche Anforderungen: für schattige Stellen eine Schattenmischung mit höherem Rotschwingel-Anteil, für trockene Stellen eine trockenheitsverträgliche Mischung, für Trittschadensstellen eine regenerationsfreudige Sportrasenmischung. Ein einheitliches Standardsaatgut für die gesamte Fläche mag Ihnen praktisch erscheinen, führt an ungünstigen Stellen aber häufiger zu erneuten Kahlstellen als eine an die jeweilige Situation angepasste Wahl.
Achten Sie beim Kauf auf das Herstellungsdatum und, sofern angegeben, auf die Keimfähigkeit der Mischung. Rasensaatgut verliert mit den Jahren an Keimkraft, selbst bei kühler Lagerung, und eine ältere, angebrochene Tüte aus dem Keller kann deutlich schlechter aufgehen als frisches Saatgut. Bei einer kleinen Nachsaatfläche greifen Sie im Zweifel besser zu einer neuen, kleineren Packung, statt Restbestände mit ungewisser Keimfähigkeit zu verwenden und sich am Ende zu fragen, warum die Stelle wieder nicht dicht geworden ist.
Die passende Saatgutmenge bemessen
Zu wenig Saatgut führt zu einer lückigen Nachsaat, zu viel dagegen zu überfüllten Keimlingen, die um Licht und Platz konkurrieren und insgesamt schwächer auflaufen als bei einer passend bemessenen Aussaat. Als grobe Orientierung gelten für die meisten Rasenmischungen etwa 25 bis 35 Gramm Saatgut je Quadratmeter bei einer Neuanlage, für die Nachsaat auf bestehender, nur ausgedünnter Fläche reicht meist eine geringere Menge von etwa 15 bis 20 Gramm je Quadratmeter, da hier in eine bereits vorhandene, wenn auch lückige Grasnarbe gesät wird.
Genaue Zahlen finden sich auf der jeweiligen Verpackung und sollten dort auch nachgeschlagen werden, denn die Mischungen unterschiedlicher Hersteller variieren in Korngröße und Keimfähigkeit und damit auch in der empfohlenen Menge. Bei kleineren Kahlstellen, für die sich das genaue Abwiegen kaum lohnt, hilft eine einfache Faustregel: Die Fläche sollte nach dem Aussäen gleichmäßig, aber nicht dicht an dicht mit Samenkörnern bedeckt sein, mit erkennbaren Zwischenräumen, in denen noch Erde durchscheint.
Für eine gleichmäßige Verteilung auf größeren Flächen lohnt sich ein einfacher Streuwagen, wie er auch für Dünger verwendet wird. Bei kleinen, einzelnen Kahlstellen reicht meist die Hand, wobei es sich bewährt hat, die vorgesehene Menge in zwei Portionen zu teilen und diese in zwei sich kreuzenden Richtungen auszubringen - einmal längs, einmal quer über die Fläche. So gleichen sich kleine Unregelmäßigkeiten beim Streuen aus, und es entstehen seltener Streifen mit deutlich mehr oder weniger Saatgut.
Keimbedingungen: Feuchtigkeit und Temperatur richtig treffen
Nach der Aussaat entscheidet vor allem eines darüber, ob die Nachsaat gelingt: eine gleichmäßig feuchte Oberfläche in den ersten zwei bis drei Wochen. Rasensamen keimen in dieser Zeit sehr oberflächennah, oft nur wenige Millimeter unter der Erde, und trocknen deshalb bei praller Sonne oder Wind erheblich schneller aus als eine bereits etablierte Rasenfläche. Ein einziger heißer Tag ohne Wassergabe kann in dieser Phase ausreichen, um viele bereits gekeimte, aber noch nicht verwurzelte Samen absterben zu lassen.
In der Praxis bedeutet das: lieber häufiger und in kleineren Mengen gießen als selten und durchdringend, entgegen der sonst für einen etablierten Rasen oder ein Beet üblichen Regel. In warmen, trockenen Phasen kann das durchaus ein- bis zweimal täglich bedeuten, jeweils mit einer feinen Brause, die den Boden nicht auswäscht und die frische Saat nicht verschwemmt. Sobald die jungen Gräser eine Höhe von etwa fünf Zentimetern erreicht haben und erstmals gemäht werden, hat sich meist auch schon ein feineres Wurzelwerk gebildet, sodass Sie ab diesem Zeitpunkt schrittweise zu selteneren, dafür durchdringenderen Wassergaben übergehen können.
Auch die Temperatur spielt eine Rolle, die sich anders als das Gießen kaum beeinflussen lässt. Die meisten gängigen Rasengräser keimen zuverlässig ab etwa zehn bis zwölf Grad Bodentemperatur, deutlich besser jedoch erst ab fünfzehn Grad aufwärts. Wer im zeitigen Frühjahr nachsät, wenn die Nächte noch kühl sind, muss mit einer längeren, ungleichmäßigeren Keimzeit rechnen als bei einer Aussaat im späten Frühjahr oder im frühen Herbst, wenn Boden und Luft gleichmäßig warm sind, die Sonne aber nicht mehr so stark brennt wie im Hochsommer. Diese beiden Zeitfenster gelten deshalb als die günstigsten Termine für eine Nachsaat, während eine Aussaat im heißen Hochsommer besonders viel Gießdisziplin verlangt.
Die frische Saat vor Vögeln und Austrocknung schützen
Frisch ausgebrachte Grassamen liegen offen auf der Erde und sind damit für Vögel, allen voran Tauben und Krähen, eine leicht zugängliche Nahrungsquelle. Gerade in den ersten Tagen nach dem Streuen, bevor die Samen keimen und in der Erde verankert sind, können Vögel einen erheblichen Teil der Aussaat aufpicken, sodass trotz sorgfältiger Vorbereitung nur wenige Samen übrig bleiben.
Ein einfacher und bewährter Schutz ist eine dünne Abdeckung mit Erde, feinem Kompost oder speziellem Rasensaat-Substrat, das die Samen leicht bedeckt, ohne sie zu tief zu vergraben - schon wenige Millimeter reichen aus, um sie den Blicken der Vögel weitgehend zu entziehen. Ein leichtes Andrücken der Fläche, etwa mit der Rückseite eines Rechens oder mit einer Walze, sorgt zusätzlich für Bodenschluss und erschwert es Vögeln, die Samen wieder freizuscharren.
Bei kleineren, besonders gefährdeten Stellen hilft zusätzlich ein Schutznetz oder ein feines Vlies, das lose über die Fläche gelegt und an den Rändern beschwert wird. Ein solches Vlies hat einen weiteren Vorteil: Es hält die Feuchtigkeit darunter länger und gleichmäßiger und wirkt so als Puffer gegen schnelles Austrocknen. Sobald die ersten grünen Halme sichtbar werden, meist nach sieben bis vierzehn Tagen je nach Witterung, kann das Vlies entfernt werden, denn die jungen Pflanzen brauchen ab diesem Zeitpunkt eher Licht als Schutz vor Vögeln.
Wo Vögel ein wiederkehrendes Problem sind, lohnt sich auch der Blick auf den Aussaatzeitpunkt: Eine Aussaat am späten Nachmittag, wenn die Fresszeit vieler Vogelarten schon abnimmt, verschafft den Samen bis zum nächsten Morgen wenigstens einen kleinen Vorsprung.
Erste Pflege nach dem Aufgang
Sobald die jungen Gräser sichtbar aus der Erde wachsen, beginnt eine Phase, in der Geduld wichtiger ist als Eingreifen. Der erste Schnitt sollte erst erfolgen, wenn die Halme etwa acht bis zehn Zentimeter Höhe erreicht haben, und dann nur behutsam auf etwa sechs Zentimeter zurückgenommen werden - ein zu früher oder zu radikaler erster Schnitt schwächt die noch flach wurzelnden jungen Pflanzen und kann die Fläche wieder ausdünnen lassen, statt sie zu festigen.
Betreten Sie die frisch nachgesäte Stelle in den ersten drei bis vier Wochen möglichst wenig, insbesondere wenn der Boden nach dem Gießen noch feucht ist, denn genau in dieser frühen Phase reagieren die jungen Wurzeln besonders empfindlich auf Druck. Bei kleineren Kahlstellen mitten in einem stark genutzten Rasen kann es sich lohnen, die Fläche mit ein paar Ästen oder einem provisorischen Absperrband sichtbar zu markieren, damit sie nicht versehentlich betreten wird.
Etwa vier bis sechs Wochen nach der Keimung, wenn sich bereits ein zweiter oder dritter Schnitt anschließt, kann eine leichte Startdüngung mit einem stickstoffbetonten Rasendünger das weitere Wachstum unterstützen. Wird zu früh und zu stark gedüngt, wachsen die jungen Halme zwar schnell in die Höhe, bilden aber ein schwächeres Wurzelwerk aus, was die Fläche anfälliger für die nächste Trockenperiode macht.
Unkraut, das in dieser frühen Phase zwischen den jungen Grashalmen auftaucht, sollte per Hand entfernt werden, nicht mit einem chemischen Unkrautvernichter, der auch das junge Gras noch schädigen könnte. Die meisten frühen Beikräuter verschwinden ohnehin von selbst, sobald das Gras dichter wird, sodass zu aggressives Eingreifen in den ersten Wochen häufig mehr schadet, als es nützt.
Wenn die Nachsaat nicht wie erwartet anwächst
Auch bei sorgfältiger Vorbereitung geht nicht jede Nachsaat vollständig auf, und es gehört zur ehrlichen Einschätzung dazu, das zu sagen, statt einen garantierten Erfolg zu versprechen. Bleiben nach drei bis vier Wochen größere Lücken sichtbar, obwohl regelmäßig gegossen wurde, lohnt sich zunächst die Frage nach der Ursache: War die Fläche zwischenzeitlich doch zu trocken, etwa wegen eines Urlaubs ohne zusätzliches Gießen? Wurde die Stelle trotz Markierung betreten? Oder war die Bodenvorbereitung nicht gründlich genug?
Eine zweite, punktuelle Nachsaat an den verbliebenen Lücken ist in solchen Fällen der übliche Weg, statt die gesamte Fläche noch einmal komplett neu zu bearbeiten. Dabei gilt derselbe Ablauf wie beim ersten Versuch: lockern, säen, leicht bedecken, feucht halten. Wiederholt sich das Problem an derselben Stelle über mehrere Anläufe, deutet das meist auf eine der eingangs genannten strukturellen Ursachen hin - Schatten, Verdichtung, ein Feuchtigkeitsproblem -, die reine Nachsaat allein nicht behebt, sondern eine andere Lösung braucht, sei es eine Schattenmischung, eine gründlichere Auflockerung oder, an hartnäckigen Stellen, ein Verzicht auf Rasen zugunsten einer anderen Bepflanzung.
Kahle Stellen im Jahresverlauf vorbeugen
Die beste Nachsaat ist am Ende die, die gar nicht erst nötig wird, und ein Blick auf den Jahresverlauf zeigt, an welchen Stellen sich vorbeugen lohnt. Im zeitigen Frühjahr, sobald der Rasen wieder wächst, hilft ein leichtes Vertikutieren der gesamten Fläche, um Moos und Rasenfilz zu entfernen, bevor sie sich zu größeren, kahlen Bereichen ausweiten. Im Frühsommer zeigt sich meist schon, welche Stellen unter Trockenheit besonders leiden werden, sodass eine gezielte, frühzeitige Wassergabe an diesen Stellen manche Kahlstelle im Hochsommer verhindern kann, bevor sie überhaupt entsteht.
Im Herbst, nach der Hauptwachstumszeit, lohnt sich ein zweiter, ruhigerer Blick über die gesamte Fläche: Stellen, die über den Sommer schütter geworden sind, lassen sich jetzt, bei milderen Temperaturen und regelmäßigerem Niederschlag, besonders gut nachsäen, ohne dass Sie täglich selbst gießen müssen, wie es im Hochsommer nötig wäre. Viele erfahrene Gärtner bevorzugen deshalb den Spätsommer und frühen Herbst als Hauptzeitpunkt für die Nachsaat, während der Frühling eher für kleinere, punktuelle Korrekturen genutzt wird.
Wiederkehrende Trittschäden an denselben Stellen - vor dem Gartentor, entlang der Wäscheleine - lassen sich langfristig oft eleganter lösen, indem man den entstandenen Trampelpfad als das nimmt, was er ist: einen genutzten Weg, für den sich ein paar Trittsteine lohnen können, statt Jahr für Jahr nachzusäen. Das ist keine Absage an den Rasen als Ganzes, sondern lediglich die Einsicht, dass manche Stelle eben eher ein Weg als eine Rasenfläche ist.
Zusammengefasst: die wichtigsten Schritte zur dauerhaften Nachsaat
Eine kahle Stelle im Rasen dauerhaft zu schließen, gelingt selten mit einer einzigen Maßnahme, sondern mit einem Zusammenspiel mehrerer aufeinander abgestimmter Schritte. Am Anfang steht die Klärung der Ursache, denn Trockenheit, Trittschäden, Krankheiten und Schatten verlangen jeweils eine etwas andere Herangehensweise. Es folgt die gründliche Vorbereitung des Bodens, die passende, auf Standort und Nutzung abgestimmte Saatgutmischung und eine sorgfältig bemessene Aussaatmenge, weder zu knapp noch zu üppig.
In den ersten Wochen nach der Aussaat entscheiden vor allem eine gleichmäßige Feuchtigkeit, ein wirksamer Schutz vor Vögeln und eine behutsame erste Pflege darüber, ob aus den ausgestreuten Samen tatsächlich eine dichte, dauerhafte Grasnarbe wird. Wer dabei die Geduld aufbringt, die junge Fläche einige Wochen zu schonen, statt sie sofort wieder wie den übrigen Rasen zu behandeln, hat am Ende die besseren Chancen, dass die kahle Stelle wirklich verschwindet und nicht im nächsten Jahr an derselben Stelle wieder auftaucht.



