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Ein Gartenbesitzer kniet an einer noch etwas blassen Rasenfläche im Frühjahr und begutachtet mit der Hand den Zustand der Grasnarbe zwischen vereinzelten Grashalmen
28.10.2026Garten allgemein15 Min. Lesezeit

Inhalt

  1. Warum die Reihenfolge im Frühjahr eine Rolle spielt
  2. Der erste Blick: den Zustand nach dem Winter einschätzen
  3. Winterreste entfernen: Laub, Äste und liegen gebliebenes Material
  4. Kahle Stellen und Schäden erkennen, bevor es weitergeht
  5. Der erste Schnitt: Zeitpunkt und Schnitthöhe
  6. Kanten und kleine Unebenheiten nach dem ersten Schnitt
  7. Erst jetzt: Vertikutieren in den Fahrplan einordnen
  8. Erst jetzt: die erste Düngung ansetzen
  9. Nachsaat als letzter Schritt der ersten Runde
  10. Bewässerung in den ersten Wochen des Frühjahrs
  11. Was in dieser ersten Runde bewusst noch nicht anstehen sollte
  12. Zusammengefasst: der zeitliche Fahrplan der ersten Pflegerunde

Rasen im Frühjahr fit machen: die erste Pflegerunde

Sobald die Tage länger werden und der Rasen nach dem Winter die ersten grünen Spitzen zeigt, stellt sich die Frage, womit die Frühjahrspflege eigentlich beginnen soll. Viele greifen instinktiv zuerst zum Vertikutierer oder zum Düngerstreuer, weil das die Maßnahmen sind, über die am meisten gesprochen wird. Dabei lohnt es sich, die erste Pflegerunde des Jahres in einer Reihenfolge anzugehen, die dem tatsächlichen Zustand der Fläche folgt, statt mit dem lautesten Gerät im Schuppen zu starten.

Dieser Beitrag ordnet die ersten Wochen im Rasenjahr als zeitlichen Fahrplan: erst der ehrliche Blick auf die Fläche, dann das Entfernen von Winterresten, dann die Prüfung auf Schäden, dann der erste Schnitt - und erst danach die gezielteren Maßnahmen wie Vertikutieren, Düngen oder Nachsaat, die an anderer Stelle im Blog jeweils ausführlich behandelt werden. Wer diese Reihenfolge einhält, verschwendet weniger Aufwand auf Maßnahmen, die zum jeweiligen Zeitpunkt noch keinen Sinn ergeben.

Ein Gartenbesitzer kniet an einer noch etwas blassen Rasenfläche im Frühjahr und begutachtet mit der Hand den Zustand der Grasnarbe zwischen vereinzelten Grashalmen

Warum die Reihenfolge im Frühjahr eine Rolle spielt

Es mag zunächst wie eine Formsache wirken, in welcher Reihenfolge die einzelnen Pflegeschritte angegangen werden, doch tatsächlich hängt der Erfolg jeder einzelnen Maßnahme davon ab, ob die vorherigen Schritte bereits erledigt sind. Vertikutieren auf einer Fläche, die noch mit liegen gebliebenem Herbstlaub bedeckt ist, erfasst die eigentliche Filzschicht darunter nur unvollständig. Düngen auf Gras, das noch die volle Winterlänge hat, verteilt Nährstoffe an Halme, die davon wenig profitieren, weil ihnen zunächst ein ordentlicher Rückschnitt fehlt.

Ein zweiter Grund liegt in der Belastung, die jede Maßnahme für die Grasnarbe bedeutet. Ein Rasen, der gerade erst aus dem Winter kommt, hat noch wenig Reserven, um mehrere Eingriffe gleichzeitig oder in kurzer Folge zu verkraften. Werden mehrere belastende Schritte sinnvoll hintereinander gereiht, statt sie alle am selben Wochenende durchzuführen, bekommt die Fläche zwischen den einzelnen Maßnahmen Zeit, sich zu erholen, was am Ende zu einem dichteren Ergebnis führt als ein einmaliger, konzentrierter Rundumschlag.

Man kann sich die erste Pflegerunde deshalb am besten als eine Abfolge vorstellen, in der jeder Schritt die Voraussetzung für den nächsten schafft: erst aufräumen, dann den Zustand prüfen, dann durch Mähen wieder eine geordnete Fläche herstellen, und erst danach die gezielten, eingreifenden Maßnahmen ansetzen, die tatsächlich etwas bewirken sollen.

Der erste Blick: den Zustand nach dem Winter einschätzen

Bevor Sie überhaupt ein Werkzeug in die Hand nehmen, verschaffen Sie sich am besten einen ruhigen Überblick über die gesamte Fläche. Gehen Sie den Rasen bei trockenem Wetter systematisch ab und achten Sie auf das, was der Winter hinterlassen hat: matschige Bereiche, in denen sich Wasser gesammelt hat, graubraune oder rötliche Flecken, die auf Schneeschimmel oder Rotspitzigkeit hindeuten könnten, sowie Stellen, an denen sich sichtbar mehr Moos zeigt als im Vorjahr.

Dieser erste Blick entscheidet mit darüber, wie die folgenden Wochen ablaufen. Man sieht meist schon bei diesem ersten Rundgang, ob der Winter der Fläche einiges abverlangt hat oder ob sie unauffällig durchgekommen ist. Zeigen sich große, zusammenhängende Schadflächen, ist es sinnvoller, diese Bereiche gesondert im Blick zu behalten, statt sie in derselben pauschalen Weise zu behandeln wie den Rest des Rasens, der den Winter unauffällig überstanden hat. Ein Rasen, der insgesamt intakt aus dem Winter kommt, braucht in der ersten Runde deutlich weniger als einer, der von Staunässe, starkem Schneedruck oder einer langen geschlossenen Schneedecke gezeichnet ist.

Nehmen Sie sich für diese Bestandsaufnahme bewusst Zeit, statt sie im Vorbeigehen zu erledigen. Ein Rundgang von zehn bis fünfzehn Minuten reicht in der Regel aus, um sich ein verlässliches Bild zu machen, welche Bereiche in den kommenden Wochen besondere Aufmerksamkeit brauchen und welche einfach ihrem gewohnten Rhythmus folgen können.

Winterreste entfernen: Laub, Äste und liegen gebliebenes Material

Der erste tatsächliche Arbeitsschritt der Saison ist meist das Abrechen von allem, was sich über Herbst und Winter auf der Fläche angesammelt hat. Liegen gebliebenes Laub, abgebrochene kleine Äste, vom Wind angewehtes Material und stellenweise auch die Reste einer schützenden Mulchschicht, falls eine solche im Herbst aufgebracht wurde, gehören jetzt von der Fläche.

Dieser Schritt ist wichtiger, als er zunächst wirkt. Eine Schicht aus feuchtem Laub, die über Wochen auf dem Rasen liegt, entzieht dem Gras darunter Licht und begünstigt genau die feuchten, schlecht belüfteten Bedingungen, unter denen sich Pilzkrankheiten und Moos besonders wohlfühlen. Je länger diese Schicht liegen bleibt, desto stärker leidet die Grasnarbe darunter, selbst wenn das Laub selbst irgendwann von allein verrottet.

Ein einfacher Laubrechen mit elastischen Zinken reicht für die meisten Flächen aus. Arbeiten Sie dabei nicht zu aggressiv, denn der Rasen ist nach dem Winter noch nicht besonders belastbar, und ein zu kräftiges Rechen reißt an manchen Stellen mehr aus, als eigentlich nötig wäre. Ein zweiter, ruhigerer Durchgang mit weniger Kraftaufwand ist meist ergiebiger als ein einziger, hart durchgezogener. Man unterschätzt leicht, wie stark eine feuchte, wochenlang liegende Laubschicht dem darunterliegenden Gras zusetzt.

Sind noch Reste von Herbstlaub in Randbereichen oder unter Sträuchern eingeklemmt, lohnt es sich, diese ebenfalls zu entfernen, auch wenn sie nicht direkt auf der Rasenfläche liegen. Von dort aus verbreiten sich Pilzsporen und Moossamen bei feuchter Witterung leicht auf die angrenzenden Rasenbereiche, sodass ein gründliches Aufräumen am Rand der Fläche mehr bringt, als es auf den ersten Blick scheint.

Eine Person recht mit einem Laubrechen feuchtes, dunkles Laub und kleine Zweige von einer noch blassgrünen Rasenfläche im zeitigen Frühjahr

Kahle Stellen und Schäden erkennen, bevor es weitergeht

Nachdem die Fläche wieder frei von grobem Material ist, lässt sich der eigentliche Zustand des Rasens deutlich besser beurteilen. Gehen Sie jetzt gezielt auf die Stellen zu, die beim ersten Rundgang bereits aufgefallen waren, und schauen genauer hin: Handelt es sich um eine einzelne, klar begrenzte kahle Stelle, etwa unter einem Baum oder entlang eines Trampelpfads, oder um ein diffuses, über die ganze Fläche verteiltes Ausdünnen?

Diese Unterscheidung ist wichtig für das weitere Vorgehen. Eine einzelne, klar abgrenzbare Kahlstelle lässt sich gezielt später im Jahr nachsäen, wie es der Beitrag Nachsaat: kahle Stellen im Rasen dauerhaft schließen ausführlich beschreibt. Ein flächendeckendes Ausdünnen dagegen deutet eher auf ein grundsätzliches Problem hin, etwa eine über Jahre unzureichende Nährstoffversorgung oder eine strukturell verdichtete Bodenfläche, die sich nicht mit einer einzelnen punktuellen Maßnahme beheben lässt.

Prüfen Sie außerdem, ob deutliche Spuren von Wühlmäusen, Maulwürfen oder ähnlichen Tieren zu erkennen sind, die über den Winter unter der Grasnarbe aktiv waren. Kleine Erdhügel oder aufgewölbte Gänge lassen sich meist einfach mit dem Fuß leicht flachdrücken und mit ein wenig Erde ausgleichen, bevor die Fläche zum ersten Mal gemäht wird. Größere, tiefer liegende Gänge, die beim Betreten spürbar einsinken, sollten Sie dagegen vor dem ersten Schnitt mit zusätzlicher Erde auffüllen, damit der Mäher nicht in eine unsichtbare Vertiefung gerät.

Eine einzelne kahle, bräunliche Stelle in einem sonst schon leicht ergrünenden Rasen im Frühjahr, umgeben von deutlich dichterem Gras

Der erste Schnitt: Zeitpunkt und Schnitthöhe

Erst wenn die Fläche aufgeräumt und auf Schäden geprüft ist, kommt der erste Schnitt der Saison an die Reihe. Der richtige Zeitpunkt dafür orientiert sich weniger an einem festen Datum als am tatsächlichen Wachstum: Sobald das Gras eine Höhe von etwa acht bis zehn Zentimetern erreicht hat und sich bei mehreren aufeinanderfolgenden Tagen mit milden Temperaturen sichtbar erholt, ist die Fläche bereit für den ersten Schnitt. Man sollte den Termin also eher am tatsächlichen Wachstum als am Kalenderblatt festmachen.

Ein zu früher erster Schnitt, während der Boden noch kalt ist und das Wachstum kaum eingesetzt hat, bringt wenig, weil kaum etwas zu schneiden ist und die Fläche durch das Befahren mit dem Mäher unnötig belastet wird, ohne dass ein spürbarer Effekt entsteht. Wird dagegen zu lange gewartet, wächst das Gras stellenweise so hoch, dass ein Schnitt auf die übliche Höhe die Halme regelrecht kappt, statt sie zu kürzen, was den Rasen für einige Tage sichtbar geschwächt aussehen lässt.

Wählen Sie für diesen ersten Termin nach Möglichkeit einen trockenen Tag, an dem der Boden nicht mehr aufgeweicht ist. Ein zu früher Schnitt auf noch nassem, weichem Untergrund verdichtet die Erde unter dem Gewicht des Mähers stärker, als es später im Jahr der Fall wäre, weil die oberste Bodenschicht nach der winterlichen Durchfeuchtung noch besonders empfindlich reagiert.

Bei der Schnitthöhe gilt für diesen ersten Termin im Jahr eine etwas andere Regel als bei den folgenden Schnitten. Da das Gras über den Winter ungleichmäßig gewachsen ist und die Halme an manchen Stellen noch vom Frost geschwächt sind, ist es sinnvoll, den ersten Schnitt etwas höher anzusetzen als die übliche Sommerhöhe, meist auf etwa fünf bis sechs Zentimeter, statt gleich auf die tiefere Standardhöhe zu gehen.

Ein zu tiefer erster Schnitt nimmt dem noch geschwächten Gras zu viel Blattfläche, die es eigentlich für die Photosynthese und den Wiederaufbau seiner Reserven bräuchte. Die Fläche wirkt danach heller und dünner, als es dem tatsächlichen Zustand entspricht, und braucht länger, um sich zu erholen, als bei einem von Anfang an zurückhaltenderen ersten Schnitt. Erst beim zweiten oder dritten Schnitt, wenn sich das Wachstum stabilisiert hat, kann schrittweise auf die gewohnte Höhe der jeweiligen Rasenart übergegangen werden.

Achten Sie beim ersten Schnitt außerdem auf scharfe Messer. Über den Winter im Schuppen stumpfen viele Mähermesser merklich ab, und ein stumpfes Messer reißt die Halme eher ab, als sie glatt zu schneiden, was die Schnittstellen anfälliger für Pilzbefall macht. Ein kurzer Check oder ein Nachschärfen vor dem ersten Einsatz zahlt sich über die ganze Saison aus, nicht nur beim ersten Termin.

Ein Rasenmäher fährt in geraden Bahnen über eine Rasenfläche im Frühjahr, hinter ihm liegen deutlich abgesetzte hellgrüne Streifen frisch geschnittenen Grases

Kanten und kleine Unebenheiten nach dem ersten Schnitt

Sobald die Fläche zum ersten Mal gemäht ist, lässt sich der Zustand der Rasenkanten deutlich besser einschätzen als vorher, wenn das lange Gras noch vieles verdeckt hatte. Prüfen Sie jetzt die Übergänge zu Beeten, Wegen und Terrassenflächen: Hat sich der Rasen über den Winter an manchen Stellen sichtbar über die Kante geschoben, oder ist umgekehrt an anderen Stellen ein Spalt zwischen Rasenkante und Einfassung entstanden, in den sich sonst Erde oder Unkraut setzt?

Ein Kantenstecher oder eine scharfe Spatenkante genügt in der Regel, um die Rasenkante wieder sauber nachzuziehen. Dieser Schritt gehört eher zur Optik als zur eigentlichen Pflege, lohnt sich aber gerade jetzt, weil sich eine unregelmäßige Kante über den Sommer sonst zunehmend verwildert und später deutlich mehr Aufwand macht, um sie wieder in Form zu bringen.

Achten Sie beim Abgehen der Fläche auch auf kleinere Unebenheiten, die sich beim Mähen bereits spüren ließen: leichte Senken, in denen sich Wasser sammelt, oder kleine Erhebungen, an denen der Mäher ungewöhnlich tief schneidet. Solche Unebenheiten lassen sich jetzt, solange die Fläche noch nicht dicht bewachsen ist, mit etwas zusätzlicher Erde und leichtem Andrücken vergleichsweise einfach ausgleichen, während eine spätere Korrektur mitten in der Wachstumsperiode meist mit einer sichtbaren Nachsaat-Stelle einhergeht.

Eine Hand führt einen Kantenstecher entlang der Grenze zwischen einer Rasenfläche und einem angrenzenden Wegbelag, um die Rasenkante wieder gerade zu ziehen

Erst jetzt: Vertikutieren in den Fahrplan einordnen

Erst nachdem Laub und Winterreste entfernt sind, Schäden erkannt wurden und der erste Schnitt erfolgt ist, stellt sich sinnvoll die Frage, ob Vertikutieren in diesem Frühjahr überhaupt nötig ist. Diese Reihenfolge ist kein Zufall: Ohne den ersten Schnitt liegt zu viel langes Gras im Weg, das die Messer eines Vertikutierers eher verfangen als in die eigentliche Filzschicht eindringen lässt, und ohne das vorherige Aufräumen bleibt ein Teil des Mooses und Filzes ohnehin unter liegen gebliebenem Laub verborgen.

Ob Ihr Rasen Vertikutieren überhaupt braucht, entscheidet nicht das Kalenderdatum, sondern der tatsächliche Zustand der Grasnarbe, wie der Beitrag Rasen vertikutieren: wann es sinnvoll ist und wann nicht im Detail beschreibt. Zeigt Ihre Fläche nach dem ersten Schnitt deutlichen Moosbewuchs oder eine spürbare Filzschicht, gehört Vertikutieren als nächster Schritt in Ihren Fahrplan, sobald der Boden dauerhaft warm genug ist. Ist die Fläche dagegen weitgehend unauffällig, kann dieser Schritt in diesem Jahr übersprungen werden, und die Aufmerksamkeit richtet sich auf die übrigen Maßnahmen.

Man sollte sich hier bewusst Zeit lassen und den Eingriff nicht vorschnell ansetzen, nur weil er gerade im Terminplan steht. Ein Rasen, der tatsächlich kein Problem mit Filz oder Moos hat, gewinnt durch Vertikutieren nichts, verliert durch den unnötigen Eingriff aber etwas an Substanz, die er in der ersten Wachstumsphase eigentlich für sich selbst bräuchte.

Ein Vertikutierer steht bereit am Rand einer bereits gemähten Rasenfläche im Frühjahr, während im Hintergrund einzelne Moosflecken zwischen den Grashalmen zu erkennen sind

Erst jetzt: die erste Düngung ansetzen

Ähnlich verhält es sich mit der ersten Düngung des Jahres. Auch hier gilt: Erst wenn Laub entfernt, Schäden erkannt und der erste Schnitt erfolgt sind, erreicht der Dünger tatsächlich eine Fläche, die ihn sinnvoll aufnehmen kann. Wird Dünger auf eine noch von Laub bedeckte oder ungemähte Fläche gestreut, bleibt ein erheblicher Teil davon auf dem toten Material liegen, statt in den Boden zu gelangen, wo ihn die Graswurzeln erreichen.

Welche Nährstoffe die erste Gabe des Jahres enthalten sollte und ab welcher Temperatur der Zeitpunkt tatsächlich passt, ordnet der Beitrag Rasen düngen im Jahresverlauf ausführlich ein. Für den Fahrplan dieser ersten Pflegerunde reicht die Feststellung, dass die Düngung als einer der letzten Schritte in der Abfolge steht, nicht als einer der ersten - sie setzt auf einer bereits aufgeräumten, gemähten Fläche auf und wirkt dort deutlich zuverlässiger als auf einer noch unvorbereiteten.

Planen Sie diesen Schritt deshalb bewusst für die Woche nach dem ersten Schnitt und, falls nötig, nach dem Vertikutieren ein, statt ihn direkt an den ersten warmen Frühlingstag zu hängen. Diese kurze Verzögerung von ein bis zwei Wochen kostet Sie nichts, verbessert aber, wie viel von der ausgebrachten Menge dem Rasen tatsächlich zugutekommt.

Ein Streuwagen verteilt in gleichmäßigen Bahnen Dünger über eine bereits gemähte, noch leicht ungleichmäßig grüne Rasenfläche im Frühjahr

Nachsaat als letzter Schritt der ersten Runde

Haben Sie beim ersten Rundgang einzelne kahle Stellen festgestellt, gehört die Nachsaat an das Ende dieser ersten Pflegerunde, nicht an ihren Anfang. Eine Nachsaat auf einer Fläche, die noch nicht gemäht, gedüngt oder von Moos befreit ist, konkurriert von Beginn an mit ungünstigen Bedingungen, während dieselbe Aussaat auf einer bereits vorbereiteten Fläche deutlich bessere Startchancen hat.

Wie der Boden für die Nachsaat vorbereitet wird, welche Saatgutmischung zur jeweiligen Stelle passt und wie die junge Saat in den ersten Wochen gepflegt wird, beschreibt der Beitrag Nachsaat: kahle Stellen im Rasen dauerhaft schließen ausführlich. An dieser Stelle im Fahrplan reicht der Hinweis, mit der Nachsaat besser zu warten, bis die übrigen Frühjahrsschritte abgeschlossen sind, und größere, tiefer liegende Schäden nicht überstürzt im ersten warmen Aprilwochenende anzugehen.

Ist der Boden zum Zeitpunkt Ihrer ersten Pflegerunde noch recht kühl, kann es sogar sinnvoll sein, eine punktuelle Nachsaat noch um einige Wochen zu verschieben, bis die Temperaturen zuverlässiger im Bereich liegen, den frisch keimende Gräser brauchen. Ein zu früher Aussaatversuch bei noch kaltem Boden führt häufig nur zu einer verzögerten, unregelmäßigen Keimung, die sich mit etwas Geduld leicht hätte vermeiden lassen.

Bewässerung in den ersten Wochen des Frühjahrs

Anders als im Hochsommer ist Bewässerung im zeitigen Frühjahr in den meisten Regionen noch kein tägliches Thema, weil die Niederschläge in dieser Jahreszeit häufig ausreichen, um den Wasserbedarf der Fläche zu decken. Trotzdem lohnt sich ein Blick darauf, besonders in Jahren mit einem trockenen, sonnigen Frühjahr, in denen sich schon in den ersten Wochen eine spürbare Trockenheit einstellen kann.

Beobachten Sie die Fläche vor allem nach dem ersten Schnitt und einer eventuellen Düngung oder Vertikutieraktion, denn frisch geschnittenes und bearbeitetes Gras reagiert empfindlicher auf ausbleibenden Regen als eine unberührte, dichte Grasnarbe. Zeigt sich über mehrere trockene, windige Tage eine erste leichte Vergilbung, ist eine gezielte, durchdringende Wassergabe sinnvoller als mehrere kurze, oberflächliche.

Gießen Sie in dieser frühen Phase idealerweise am frühen Morgen, wenn die Verdunstung noch gering ist und die Halme über den Tag Zeit haben, wieder abzutrocknen. Ein Gießen am Abend hinterlässt die Fläche über Nacht feucht, was gerade jetzt, wo Pilzkrankheiten nach dem Winter noch nachwirken können, ungünstige Bedingungen für eine weitere Ausbreitung schafft.

Ein Rasensprenger bewässert am frühen Morgen eine bereits gemähte, hellgrüne Rasenfläche im Frühjahr, während sich feine Wassertropfen in der Luft zeigen

Was in dieser ersten Runde bewusst noch nicht anstehen sollte

Genauso wichtig wie die Frage, was Sie im Frühjahr tun sollten, ist die Frage, was Sie noch nicht tun müssen. Eine junge, im Vorjahr erst angelegte Rasenfläche etwa braucht im ersten Frühjahr noch keine intensiven, eingreifenden Maßnahmen wie Vertikutieren, weil die Grasnarbe dafür schlicht noch nicht fest genug ist. Hier reicht in der Regel der erste Schnitt und eine vorsichtige, moderate Düngung, während die kräftigeren Eingriffe erst ab dem zweiten Jahr sinnvoll werden.

Auch bei einem etablierten Rasen sollten Sie sich nicht dazu drängen lassen, alle möglichen Maßnahmen im selben Wochenende umzusetzen, nur weil das Wetter gerade passt. Eine Fläche, die nacheinander gemäht, vertikutiert, gedüngt und nachgesät wird, ohne dass zwischen den einzelnen Schritten Erholungszeit bleibt, wirkt am Ende oft geschwächter als eine, bei der sich diese Maßnahmen über zwei bis drei Wochen verteilen.

Sind Sie unsicher, ob eine Maßnahme in Ihrem konkreten Fall schon dran ist, hilft die Rückbesinnung auf den eigentlichen Zweck des jeweiligen Schritts: Vertikutieren behebt ein bestehendes Filz- oder Moosproblem, Düngen versorgt eine bereits aufgeräumte Fläche mit Nährstoffen, Nachsaat schließt eine erkannte Lücke. Fehlt der konkrete Anlass für eine dieser Maßnahmen, dürfen Sie sie in diesem Frühjahr getrost auslassen, ohne dass der Rasen dadurch Schaden nimmt.

Zusammengefasst: der zeitliche Fahrplan der ersten Pflegerunde

Fasst man die einzelnen Schritte zusammen, ergibt sich ein Fahrplan, der weniger von einem festen Kalenderdatum als vom tatsächlichen Zustand Ihrer Fläche abhängt, sich aber trotzdem in einer sinnvollen Reihenfolge abarbeiten lässt. Am Anfang steht der ruhige, ehrliche Blick auf die Fläche, gefolgt vom Entfernen aller Winterreste, die sich über Herbst und Winter angesammelt haben. Erst danach lässt sich beurteilen, welche Schäden tatsächlich vorliegen und welche Bereiche besondere Aufmerksamkeit brauchen.

Der erste Schnitt, etwas höher als sonst üblich und erst bei ausreichender Wuchshöhe angesetzt, schafft danach eine geordnete Fläche, auf der sich Kanten korrigieren und kleine Unebenheiten ausgleichen lassen. Erst wenn diese Grundlage steht, gehören die gezielteren Maßnahmen an die Reihe: Vertikutieren, wenn ein echtes Filz- oder Moosproblem vorliegt, Düngen, sobald die Fläche aufgeräumt und gemäht ist, und Nachsaat für die Stellen, an denen sich beim ersten Rundgang tatsächlich eine Lücke gezeigt hat.

Wer diese Reihenfolge einhält, muss nicht an einem einzigen Wochenende alles gleichzeitig erledigen, sondern kann die erste Pflegerunde über zwei bis drei Wochen verteilen, in denen sich der Rasen zwischen den einzelnen Schritten jeweils erholen kann. Am Ende steht damit nicht nur ein aufgeräumter, sondern auch ein tatsächlich gestärkter Rasen am Beginn der eigentlichen Wachstumssaison.

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