
Inhalt
- Was eine Streuobstwiese von einer Obstbaumreihe unterscheidet
- Halbstamm oder Hochstamm: die Wuchsform für die Streuobstwiese
- Pflanzabstand: warum 8 bis 12 Meter die Regel sind
- Sortenmischung statt Monokultur: gestaffelte Reife und sichere Bestäubung
- Welche Obstarten auf eine Streuobstwiese passen
- Standort und Boden für eine Streuobstwiese
- Die Baumscheibe: warum der Bereich um den Stamm frei bleibt
- Die Wiese unter den Bäumen: Mahd, Beweidung und ökologischer Wert
- Zeitplanung und Pflege in den ersten Standjahren
- Streuobstwiese und Genehmigung: was vorher zu klären ist
- Zusammengefasst: die wichtigsten Eckpunkte der Planung
Streuobstwiese anlegen: Sortenwahl, Pflanzabstand, Baumscheibe
Eine Streuobstwiese ist etwas anderes als eine Reihe von Obstbäumen im Garten. Sie verbindet einen lockeren, unregelmäßigen Baumbestand mit einer darunterliegenden Wiesennutzung, meist als Mähwiese oder mit Beweidung, und braucht deshalb von Anfang an mehr Platz und eine andere Planung als eine kompakte Obstbaumreihe am Gartenrand. Entscheiden Sie sich für diese Form, planen Sie in Jahrzehnten statt in Jahren.
Die Bäume auf einer Streuobstwiese stehen auf robusten Unterlagen, wachsen zu großen Kronen heran und tragen oft erst spät zum ersten Mal, danach aber über sehr lange Zeit. Dieser Artikel beschreibt, wie Sie eine Streuobstwiese planen: welche Sorten dafür geeignet sind, wie weit die Bäume voneinander und vom Rand entfernt stehen sollten, wie eine Mischung aus mehreren Sorten die Bestäubung und die Erntezeit über den Sommer verteilt, und warum die Fläche direkt am Stamm anders behandelt wird als die übrige Wiese. Um die eigentliche Pflanzung geht es hier nicht im Detail - das Vorgehen vom Pflanzloch bis zum ersten Erziehungsschnitt ist Thema eines eigenen Artikels.
Was eine Streuobstwiese von einer Obstbaumreihe unterscheidet
Der Name beschreibt das Prinzip: Die Bäume stehen "streu", also unregelmäßig über die Fläche verteilt, nicht in geraden Reihen wie in einer Plantage. Zwischen den Bäumen bleibt die Wiese die eigentliche Nutzfläche - sie wird gemäht oder beweidet, während die Bäume selbst mit großem Abstand darüber verteilt sind.
Das unterscheidet die Streuobstwiese von einer Obstbaumreihe am Gartenrand, bei der die Bäume dichter stehen und der Boden darunter oft nur eine schmale, gepflegte Baumscheibe ist. Diese Form bringt zwei Anforderungen mit sich, die bei einer einzelnen Obstbaumreihe kaum eine Rolle spielen: Die Bäume müssen groß und stark genug wachsen können, um dauerhaft frei auf der Fläche zu stehen, ohne dass ein Nachbarbaum sie in wenigen Jahren beschattet.
Zusätzlich muss die Wiese unter und zwischen den Bäumen weiterhin bewirtschaftbar bleiben, was bei zu geringem Stammabstand zur Mähtechnik oder zu geringer Stammhöhe kaum möglich ist. Beides zusammen führt zu den größeren Dimensionen, die Sie bei der Planung einer Streuobstwiese von vornherein einkalkulieren sollten.
Halbstamm oder Hochstamm: die Wuchsform für die Streuobstwiese
Für eine Streuobstwiese eignen sich in aller Regel Halbstämme oder Hochstämme, nicht die kleinwüchsigen Spindelformen, die Sie aus modernen Erwerbsobstanlagen oder aus kleinen Hausgärten kennen. Der Unterschied liegt in der Veredlungsunterlage und in der Höhe, in der die Krone beginnt.
Ein Hochstamm hat einen freien Stamm von etwa 1,80 bis 2 Metern, bevor die ersten Kronenäste ansetzen, ein Halbstamm liegt mit rund 1,20 bis 1,60 Metern etwas darunter. Beide Formen wachsen auf starkwüchsigen Unterlagen, die den Baum über Jahrzehnte zu einer großen, freistehenden Krone heranwachsen lassen. Diese Wuchsform ist bewusst gewählt und nicht bloß eine ältere, aus der Mode gekommene Variante.
Der hohe Stammansatz erlaubt es, unter der Krone mit dem Mäher oder mit weidenden Tieren zu arbeiten, ohne dass tiefhängende Äste im Weg stehen. Die starke Unterlage sorgt für ein tiefes, weit reichendes Wurzelsystem, das den Baum auch in trockenen Sommern ohne regelmäßige Bewässerung durch die Vegetationsperiode bringt - anders als schwachwüchsige Unterlagen, die auf gleichmäßige Wasserversorgung angewiesen sind. Der Ertrag setzt bei Hochstämmen später ein als bei kleinwüchsigen Formen, oft erst nach sechs bis zehn Jahren, dafür trägt der Baum danach über viele Jahrzehnte. Diese Geduld sollten Sie bei der Sortenwahl von Anfang an mit einplanen, statt auf schnellen Ertrag zu hoffen.
Warum die Unterlage über den Pflanzabstand mitentscheidet
Die Unterlage bestimmt nicht nur die Wuchsstärke, sondern indirekt auch, wie groß die Krone im Alter wird und wie viel Platz ein Baum am Ende tatsächlich braucht. Eine Sorte auf einer stark wachsenden Sämlingsunterlage entwickelt eine größere Krone als dieselbe Sorte auf einer mittelstark wachsenden Unterlage. Kennen Sie die genaue Unterlage Ihrer Bäume, lässt sich der Pflanzabstand innerhalb der im nächsten Abschnitt genannten Spannen entsprechend anpassen, statt sich allein an der Obstart zu orientieren.
Pflanzabstand: warum 8 bis 12 Meter die Regel sind
Der Pflanzabstand auf einer Streuobstwiese liegt deutlich über dem, was Sie aus einem Hausgarten gewohnt sind. Je nach Obstart und Unterlage werden zwischen den Bäumen 8 bis 12 Meter empfohlen, bei besonders starkwüchsigen Walnussbäumen kann der sinnvolle Abstand noch darüber liegen.
Dieser große Abstand wirkt zunächst großzügig bemessen, wenn die frisch gepflanzten jungen Bäume noch klein und schmal sind - er ist aber auf die Krone ausgelegt, die sich erst nach zwei bis drei Jahrzehnten voll entfaltet. Wer zu eng pflanzt, sieht die Folgen erst spät, dann aber deutlich.
Benachbarte Kronen wachsen ineinander, konkurrieren um Licht, und die Fruchtbildung verschiebt sich in die äußeren, besonders lichtnah stehenden Bereiche der Krone. Innenliegende Äste vergreisen, weil ihnen dauerhaft Licht fehlt, und die Belüftung innerhalb der Krone verschlechtert sich, was Pilzkrankheiten begünstigt. Ein nachträgliches Auslichten kann die Situation lindern, aber den ursprünglich zu geringen Abstand nicht vollständig ausgleichen. Wer unsicher ist, wählt lieber das obere Ende der Spanne: Ein zu großer Abstand kostet nur ungenutzte Wiesenfläche, ein zu geringer kostet über Jahrzehnte Ertrag und Baumgesundheit.
Abstand zum Rand der Fläche
Neben dem Abstand zwischen den Bäumen zählt auch der Abstand zum Rand der Streuobstwiese, zu Wegen, Zäunen und zur Grundstücksgrenze. Auch hier gilt: Die künftige Kronenbreite ist der Maßstab, nicht der schmale, junge Baum bei der Pflanzung.
Ein Hochstamm, dessen Krone im Alter 8 bis 10 Meter Durchmesser erreicht, braucht entsprechend Abstand zur Grenze, sonst wächst er später in den Nachbargarten oder über einen Weg hinein. Für den genauen Grenzabstand gelten die Regelungen des jeweiligen Bundeslandes zum Nachbarrecht, die sich von Region zu Region unterscheiden und die deshalb vor der Pflanzung zu prüfen sind.
Wie viele Bäume auf welche Flächengröße passen
Aus dem empfohlenen Pflanzabstand von 8 bis 12 Metern lässt sich grob ableiten, wie viele Bäume auf eine gegebene Fläche passen. Bei einem mittleren Abstand von etwa 10 Metern und einer versetzten, unregelmäßigen Anordnung stehen auf einem Hektar überschlägig 60 bis 100 Hochstämme, je nachdem, wie eng oder locker Sie die Fläche bepflanzen.
Für kleinere Flächen von wenigen Hundert Quadratmetern bedeutet das, dass oft nur eine Handvoll Bäume tatsächlich Platz findet - eine Erwartung, die Sie vor der Planung realistisch einordnen sollten, statt am Ende zu viele Bäume auf zu wenig Fläche zu pflanzen. Wer wenig Fläche hat, aber trotzdem mehrere Sorten für eine sichere Bestäubung möchte, weicht auf schwächer wachsende Unterlagen aus - das ist dann streng genommen keine Streuobstwiese mehr im klassischen Sinn, kann aber je nach Platzangebot die praktikablere Lösung sein. Ein erhöhtes Beet kann für einzelne kleinwüchsige Obstformen ebenfalls eine Option sein, doch das führt hier nicht weiter, weil es im vorliegenden Artikel um die klassische, großflächige Streuobstwiese geht.
Sortenmischung statt Monokultur: gestaffelte Reife und sichere Bestäubung
Eine Streuobstwiese lebt von der Mischung mehrerer Sorten, nicht von einer einzigen. Das hat zwei voneinander unabhängige Gründe. Der erste betrifft die Bestäubung: Die meisten Apfel-, Birnen- und Süßkirschsorten sind selbstunfruchtbar oder zumindest schlecht selbstfruchtbar, sie brauchen also den Pollen einer anderen, blühkompatiblen Sorte in der Nähe, um zuverlässig Früchte anzusetzen.
Wer nur eine einzelne Sorte pflanzt oder Sorten, deren Blütezeiten sich nicht überschneiden, erlebt einen entsprechend geringen Ertrag, selbst wenn Bienen und andere Insekten reichlich vorhanden sind. Der zweite Grund ist die Ernte über die Saison verteilt.
Wer ausschließlich Sorten wählt, die alle im selben Zeitraum reif werden, steht wenige Wochen im Jahr vor einer großen Erntemenge und den Rest der Saison vor leeren Bäumen. Eine Mischung aus früh reifenden Sommersorten, mittelfrühen Herbstsorten und spät reifenden Lagersorten verteilt die Ernte stattdessen über mehrere Monate, von den ersten Frühsommeräpfeln bis zu Lagersorten, die erst im Winter ihren vollen Geschmack entwickeln.
Beide Überlegungen zusammen sprechen dafür, eine Streuobstwiese mit mehreren, bewusst unterschiedlichen Sorten anzulegen, statt eine Fläche voller gleicher Bäume zu pflanzen.
Regionale und alte Sorten als naheliegende Wahl
Für Streuobstwiesen werden häufig regionale und alte Obstsorten empfohlen, die über lange Zeit an den örtlichen Boden und das örtliche Klima angepasst sind. Solche Sorten sind gegenüber neueren Züchtungen nicht grundsätzlich robuster, aber sie sind an genau die Bedingungen gewöhnt, unter denen sie seit Generationen wachsen, und bringen häufig eine größere genetische Vielfalt in die Fläche als eine kleine Auswahl moderner Handelssorten.
Örtliche Obstbau- oder Naturschutzvereine kennen meist die Sorten, die in der jeweiligen Region traditionell auf Streuobstwiesen stehen, und sind eine gute erste Anlaufstelle, wenn Sie bei der Sortenwahl unsicher sind.
Welche Obstarten auf eine Streuobstwiese passen
Der klassische Bestand einer Streuobstwiese besteht überwiegend aus Kernobst, also Apfel- und Birnbäumen, ergänzt um Steinobst wie Süßkirschen, Zwetschgen und Pflaumen. Alle diese Arten vertragen sich mit der hochstämmigen Wuchsform und mit den großen Pflanzabständen gut und liefern über viele Jahrzehnte Ertrag, wenn die Sorten- und Standortwahl passt.
Walnussbäume werden ebenfalls oft in Streuobstwiesen integriert, brauchen wegen ihrer besonders kräftigen und breiten Krone im Alter aber noch größere Abstände als das übrige Kernobst. Welche der genannten Arten Sie am Ende in welchem Verhältnis pflanzen, hängt vom Standort und von Ihren eigenen Vorlieben ab.
Wichtiger als die genaue Aufteilung ist, dass innerhalb jeder Art mehrere zueinander passende Sorten stehen, damit die Bestäubung gesichert ist und nicht am Ende doch wieder eine einzelne, isoliert stehende Sorte kaum Früchte trägt.
Standort und Boden für eine Streuobstwiese
Bevor die Sortenwahl endgültig fällt, lohnt sich ein genauer Blick auf den vorgesehenen Standort. Streuobstwiesen stehen meist auf offenen, sonnigen Flächen ohne größere Beschattung durch Gebäude oder Wald, denn die Kronen brauchen über den ganzen Tag Licht, um Früchte in guter Qualität auszubilden.
Wind spielt ebenfalls eine Rolle: Ein völlig windgeschützter Standort begünstigt eine feuchtere, stehende Luft in der Krone, was wiederum Pilzkrankheiten fördern kann, während ein zu windexponierter Standort junge Bäume in den ersten Jahren stärker beansprucht und einen kräftigeren Pfahl beim Pflanzen nötig macht.
Beim Boden sind die meisten Obstarten anspruchsloser, als man annehmen könnte - entscheidend ist weniger die Nährstoffversorgung als die Durchlässigkeit. Staunasse, dauerhaft verdichtete Böden vertragen die tief reichenden Wurzeln von Hochstämmen schlecht, weil die Wurzeln in solchen Böden nicht in die Tiefe wachsen können und der Baum insgesamt flacher und windanfälliger verwurzelt bleibt. Neigt Ihr Boden zu Staunässe, hilft es, den Standort zu wechseln oder die Fläche vor der Pflanzung durch geeignete Maßnahmen zu entwässern, statt die Bäume auf einem ungeeigneten Fleck zu pflanzen und spätere Probleme in Kauf zu nehmen.
Die Baumscheibe: warum der Bereich um den Stamm frei bleibt
Als Baumscheibe wird der Bereich direkt um den Stamm bezeichnet, den man von der übrigen Wiesenvegetation freihält - meist ein Kreis mit etwa einem bis anderthalb Metern Durchmesser, der sich mit dem Wachstum des Baumes im Laufe der Jahre vergrößern kann.
Diese Fläche bleibt bewusst frei von hoch aufwachsendem Gras und von Bewuchs, der eng an den Stamm heranreicht, denn dichte Vegetation direkt am Stammfuß hält Feuchtigkeit an der Rindenoberfläche und begünstigt Rindenschäden und Wühlmausbefall an den jungen Wurzeln.
Bei jungen Bäumen ist die Baumscheibe zusätzlich wichtig, weil junge Wurzeln in unmittelbarer Stammnähe kaum mit dem Wurzelwerk der umgebenden Wiesengräser konkurrieren können. Grasbewuchs direkt am Stamm entzieht dem jungen Baum Wasser und Nährstoffe genau in dem Bereich, in dem er sie am nötigsten braucht. Eine freie Baumscheibe verschafft dem jungen Baum in den ersten Standjahren einen klaren Vorteil, ohne dass die übrige Wiesenfläche dafür intensiver bearbeitet werden müsste.
Wie die Baumscheibe gepflegt wird
Die Baumscheibe pflegt man üblicherweise durch regelmäßiges Freihalten von Aufwuchs, etwa durch Hacken, durch eine lockere Mulchschicht ohne direkten Kontakt zur Rinde, oder schlicht durch häufigeres, niedrigeres Kürzen der Vegetation in diesem engen Kreis als auf der übrigen Wiese.
Wichtig ist dabei, den Stamm selbst nicht zu verletzen, etwa durch den Kontakt mit Motorsense oder Hacke direkt an der Rinde - solche mechanischen Verletzungen sind Eintrittsstellen für Krankheiten und sollten Sie grundsätzlich vermeiden, unabhängig vom Werkzeug, mit dem die Baumscheibe freigehalten wird.
Mit zunehmendem Alter des Baumes verliert die Baumscheibe an Bedeutung, weil die Wurzeln des ausgewachsenen Baumes der Konkurrenz durch Wiesengräser besser gewachsen sind als in den ersten Standjahren. Viele Streuobstwiesen halten die Baumscheibe deshalb vor allem in den ersten fünf bis acht Jahren nach der Pflanzung konsequent frei und lassen sie bei älteren Bäumen allmählich wieder zuwachsen, ohne dass dies dem Baum noch schadet.
Die Wiese unter den Bäumen: Mahd, Beweidung und ökologischer Wert
Die Fläche zwischen den Bäumen ist bei einer Streuobstwiese keine bloße Restfläche, sondern Teil des Konzepts. Meist wird sie extensiv genutzt, also seltener gemäht als ein gepflegter Hausrasen, häufig nur zwei- bis dreimal im Jahr, oder durch Schafe und andere Weidetiere kurz gehalten.
Diese extensive Nutzung erlaubt es der Wiesenvegetation, über weite Teile des Jahres zu blühen, was Streuobstwiesen zu wertvollen Lebensräumen für Insekten macht - ein Aspekt, den Sie bei der Planung mitdenken sollten, auch wenn er nicht der einzige Grund für die Anlage ist.
Wie oft und mit welchem Verfahren Sie mähen, hängt von der Fläche, von der verfügbaren Technik und davon ab, ob eine Beweidung überhaupt vorgesehen ist. Wichtig für die Bäume ist vor allem, dass Mähgeräte einen ausreichenden Abstand zu den Baumscheiben einhalten und dass beim Mähen kein Schnittgut über längere Zeit direkt am Stamm liegen bleibt.
Wird die Fläche beweidet, sichern Sie junge Bäume zusätzlich durch einen Verbissschutz, denn Weidetiere knabbern gern an der Rinde junger Stämme, was erhebliche Schäden verursachen kann.
Zeitplanung und Pflege in den ersten Standjahren
Die eigentliche Pflanzung erfolgt bei wurzelnackten Hochstämmen typischerweise in der Vegetationsruhe im Herbst oder im zeitigen Frühjahr, wenn der Boden frostfrei und nicht durchnässt ist. Mit der Planung der Fläche - Standortwahl, Abstände, Sortenauswahl, Bezug der Bäume bei einer Baumschule - beginnen Sie sinnvollerweise deutlich früher, oft schon im Sommer oder Frühherbst des Vorjahres, denn geeignete Hochstämme in der gewünschten Sortenauswahl sind nicht immer kurzfristig verfügbar, und die genaue Flächenplanung braucht Zeit.
Wie die Bäume dann konkret in den Boden kommen - Pflanzloch, Verankerung mit einem Pfahl, der erste Erziehungsschnitt nach der Pflanzung - ist, wie eingangs erwähnt, Thema eines eigenen Artikels zum Thema Obstbaum richtig pflanzen. An dieser Stelle bleibt festzuhalten, dass die Flächenplanung einer Streuobstwiese der eigentlichen Pflanzung immer vorausgeht und dass ein guter Teil der späteren Erträge und der Baumgesundheit bereits in dieser frühen Phase entschieden wird, lange bevor der erste Spaten in die Erde kommt.
Pflege im ersten Jahrzehnt: was regelmäßig zu tun bleibt
Nach der Pflanzung braucht eine Streuobstwiese über mehrere Jahre eine gewisse Grundpflege, damit die jungen Bäume gut anwachsen. Dazu zählen das Freihalten der Baumscheibe, ein Kontrollblick auf die Verankerung am Pfahl, gegebenenfalls ein Nachziehen der Bindung, wenn der Stamm dicker wird, und in besonders trockenen Sommern eine gelegentliche zusätzliche Wassergabe an der Baumscheibe.
Das gilt auch, wenn Hochstämme insgesamt deutlich unempfindlicher gegenüber Trockenheit sind als kleinwüchsige Obstformen. Ein Verbissschutz gegen Wildverbiss oder gegen Weidetiere gehört ebenfalls zur Grundausstattung der ersten Jahre.
Der eigentliche Erziehungsschnitt in den ersten Jahren nach der Pflanzung legt die spätere Kronenform fest und entscheidet mit darüber, wie stabil und wie gut belichtet der Baum im Alter dasteht. Auch dieser Schnitt gehört inhaltlich zur Pflanzung und ihrer unmittelbaren Nachsorge und wird deshalb hier nicht im Einzelnen beschrieben.
Man kann sich merken, dass eine Streuobstwiese in den ersten Jahren durchaus Aufmerksamkeit braucht, auch wenn sie später, sobald die Bäume angewachsen sind, deutlich weniger Pflege verlangt als ein intensiv genutzter Nutzgarten.
Streuobstwiese und Genehmigung: was vorher zu klären ist
Je nach Bundesland und je nach Größe der geplanten Fläche kann die Anlage einer Streuobstwiese mit rechtlichen oder förderrechtlichen Fragen verbunden sein, etwa wenn landwirtschaftliche Flächen umgenutzt werden sollen oder wenn eine Förderung für die Neuanlage in Anspruch genommen werden soll.
Streuobstwiesen gelten in mehreren Bundesländern als besonders schützenswerte Biotope, sobald sie eine gewisse Größe und ein gewisses Alter erreicht haben, was sich auf spätere Nutzungs- oder Rodungsentscheidungen auswirken kann. Wer eine größere Fläche plant, informiert sich vor der Pflanzung am besten bei der zuständigen unteren Naturschutzbehörde oder bei einem Obstbau- oder Landschaftspflegeverband, welche Regelungen am eigenen Standort gelten und ob eine Förderung möglich ist.
Für eine kleinere Fläche im eigenen Garten oder Grundstück, die nicht landwirtschaftlich genutzt wird, stellen sich diese Fragen in der Regel nicht in gleicher Schärfe. Trotzdem lohnt sich ein kurzer Blick auf die örtlichen Regelungen zum Grenzabstand von Bäumen, bevor Sie die Pflanzstellen endgültig festlegen, denn diese Abstände unterscheiden sich, wie bereits erwähnt, von Bundesland zu Bundesland.
Zusammengefasst: die wichtigsten Eckpunkte der Planung
Eine Streuobstwiese unterscheidet sich von einer gewöhnlichen Obstbaumpflanzung vor allem durch drei Punkte: die Wuchsform der Bäume, den großen Pflanzabstand und die Rolle der Wiese als gleichrangige Nutzfläche neben den Bäumen.
Halbstämme und Hochstämme auf starkwüchsigen Unterlagen, ein Abstand von 8 bis 12 Metern je nach Obstart und Unterlage, eine bewusste Mischung mehrerer Sorten für Bestäubung und gestaffelte Reife, und eine freigehaltene Baumscheibe in den ersten Standjahren - an diesen Eckpunkten lässt sich die eigene Planung ausrichten.
Berücksichtigen Sie diese Punkte von Anfang an, sparen Sie sich spätere Korrekturen, die bei ausgewachsenen Bäumen kaum noch möglich sind. Die eigentliche Pflanzung mit Pflanzloch, Pfahl und erstem Erziehungsschnitt schließt sich an diese Planung an und ist, wie erwähnt, Gegenstand eines eigenen Beitrags.


