
Inhalt
- Warum sich die Bestimmung lohnt
- Löwenzahn: die auffälligste Rosette
- Weißklee: der häufigste Klee im Rasen
- Gundermann: der Kriechende an schattigen Stellen
- Kriechender Günsel: die häufigste Verwechslung mit Gundermann
- Breitwegerich: die Trittpflanze
- Vogelmiere und Gänseblümchen: zwei weitere häufige Arten
- Auf welche Merkmale es beim Bestimmen ankommt
- Was die Artenvielfalt über die Rasenfläche verrät
- Wenn eine Art überhandnimmt
- Ähnliche Situation, andere Pflanzenwelt: Moos statt Kräuter
- Werkzeuge zur eigenen Nachbestimmung
Unkraut im Rasen bestimmen: Löwenzahn, Klee, Gundermann
Bevor Sie sich entscheiden, ob und wie gegen eine Pflanze im Rasen vorgegangen wird, hilft es, sie zunächst richtig zu benennen. Vieles, was Sie als „Unkraut" bezeichnen, sind ganz unterschiedliche Pflanzenarten mit eigenem Wuchsverhalten, eigener Blütezeit und eigenen Ansprüchen an den Standort. Wer Löwenzahn mit Hornklee verwechselt oder Gundermann für Kriechenden Günsel hält, zieht daraus leicht falsche Schlüsse für die weitere Pflege der Fläche.
Dieser Artikel stellt die Merkmale vor, an denen Sie die häufigsten Beikräuter im Rasen unterscheiden können: Blattform, Wuchsform und Blütezeit stehen dabei im Vordergrund, dazu einige Hinweise, wo eine Art im Rasen typischerweise auftritt. Von Bekämpfung ist nur so viel die Rede, wie zum Einordnen der jeweiligen Art nötig ist – wer eine Pflanze erst einmal bestimmt hat, kann in einem zweiten Schritt selbst entscheiden, ob sie überhaupt ein Problem darstellt.
Warum sich die Bestimmung lohnt
Ein Rasen, der nicht ausschließlich aus Gräsern besteht, ist der Normalfall und kein Zeichen von Vernachlässigung. Zwischen den Grashalmen finden sich fast immer einige Kräuter, die sich von selbst angesiedelt haben – über Samen, die der Wind einträgt, über Vogelkot oder schlicht, weil der Standort ihnen zusagt. Manche davon verschwinden von selbst wieder, andere breiten sich aus und bilden mit der Zeit größere Flächen innerhalb des Rasens.
Wer eine Pflanze richtig benennt, weiß auch, was sie über die Fläche verrät. Klee etwa bindet Stickstoff aus der Luft und deutet oft auf einen eher nährstoffarmen Boden hin, während sich Gundermann bevorzugt an schattigen, feuchten Stellen ausbreitet. Diese Zusammenhänge erklären, warum dieselbe Art an einer Stelle im Garten kaum auftaucht und an einer anderen dominiert – die Pflanze reagiert auf Bedingungen, die Sie sonst vielleicht gar nicht bemerkt hätten.
Eine Bestimmung ist damit auch eine kleine Standortanalyse, ohne dass man dafür ein Buch über Bodenkunde lesen müsste. Sie brauchen dafür weder Mikroskop noch Fachwörterbuch, sondern in aller Regel nur einen genauen Blick auf Blatt, Blüte und Wuchsform der jeweiligen Pflanze, am besten an einem ruhigen Vormittag ohne Zeitdruck.
Löwenzahn: die auffälligste Rosette
Löwenzahn (Taraxacum officinale) gehört zu den Pflanzen, die kaum jemand übersieht, sobald sie blühen. Die kräftig gelben, körbchenförmigen Blüten sitzen einzeln auf einem hohlen, milchsafthaltigen Stängel und erscheinen von April bis in den Juni hinein, bei milder Witterung mit einer zweiten, schwächeren Blüte im Herbst. Nach der Blüte bilden sich die bekannten weißen Pusteköpfe, deren Samen sich über weite Strecken verbreiten – ein Grund, warum Löwenzahn selbst in Rasenflächen auftaucht, die weit von der nächsten Pflanze entfernt liegen.
Die Blätter wachsen als grundständige Rosette direkt über dem Boden, tief gezähnt und im Umriss an eine gezackte Klinge erinnernd, worauf sich der Name der Pflanze in mehreren Sprachen bezieht. Diese Rosette drückt sich flach an den Boden und entgeht dadurch häufig dem Mähwerk, solange der Schnitt nicht sehr tief eingestellt ist. Genau das erklärt, warum Löwenzahn im Rasen so ausdauernd ist: Die Blätter überstehen das Mähen weitgehend unbeschadet, während die Blütenstängel abgeschnitten werden, bevor sie aussamen können – vorausgesetzt, der Rhythmus stimmt.
Die Pfahlwurzel reicht tief in den Boden und kann bei älteren Pflanzen dreißig Zentimeter und mehr erreichen. Bricht sie beim Herausziehen ab, treibt sie aus dem verbleibenden Rest häufig erneut aus, was den Eindruck erweckt, die Pflanze sei kaum zu entfernen. Für die Bestimmung reicht das aber nicht als Kriterium, wie man vielleicht vermuten könnte – verwechseln lässt sich Löwenzahn am ehesten mit dem Wiesen-Pippau oder dem Ferkelkraut, beide mit ähnlich gelben Blüten, aber deutlich schmaleren, weniger tief gezähnten Blättern und meist verzweigten, nicht hohlen Stängeln.
Weißklee: der häufigste Klee im Rasen
Weißklee (Trifolium repens) ist in fast jedem gewachsenen Rasen zu finden und lässt sich an den charakteristischen drei ovalen Blättchen erkennen, die von einem hellen, oft V-förmigen Muster durchzogen sind. Die Pflanze wächst kriechend: Aus wurzelnden Ausläufern, die sich flach über den Boden ziehen, entstehen laufend neue Blattbüschel, wodurch sich Weißklee auch nach dem Herausreißen einzelner Triebe rasch wieder ausbreitet. Die weißen, gelegentlich zart rosa getönten Blütenköpfchen erscheinen von Mai bis in den Herbst und sind bei Bienen und Hummeln beliebt.
Weißklee gehört zu den Leguminosen und bindet über Knöllchenbakterien an der Wurzel Stickstoff aus der Luft. Das erklärt, warum er sich gerade auf Flächen ausbreitet, die selten oder gar nicht gedüngt werden – dort hat er gegenüber den Gräsern, die stärker auf Stickstoff aus dem Boden angewiesen sind, einen Vorteil. Eine dichte Kleedecke ist deshalb weniger ein eigenständiges Problem als ein Hinweis auf die Nährstoffsituation der Fläche, den Sie ernst nehmen können, aber nicht müssen.
Verwechslung mit Hornklee
Hornklee (Lotus corniculatus) wird gelegentlich mit Weißklee verwechselt, unterscheidet sich aber deutlich bei genauerem Hinsehen. Seine Blüten sind gelb statt weiß und stehen in kleinen, meist drei- bis sechsblütigen Dolden, die an gebogene Hörnchen erinnern – daher der Name. Die Blätter bestehen zwar ebenfalls aus mehreren Teilblättchen, wachsen aber gefiedert statt dreiteilig und wirken insgesamt schmaler und länger als die von Weißklee.
Hornklee tritt im gepflegten Hausrasen seltener auf als Weißklee, findet sich aber häufig an Wegrändern und auf magereren Wiesenflächen in unmittelbarer Nähe zum Garten. Wenn Sie beide Arten einmal nebeneinander gesehen haben, fällt Ihnen der Unterschied in Blattform und Blütenfarbe künftig deutlich leichter auf, auch bei flüchtigem Vorbeigehen.
Gundermann: der Kriechende an schattigen Stellen
Gundermann (Glechoma hederacea) fällt zunächst durch seine nierenförmigen, am Rand gekerbten Blätter auf, die in gegenständigen Paaren an vierkantigen, kriechenden Stängeln sitzen – ein typisches Merkmal der Familie der Lippenblütler, zu der auch Minze und Salbei gehören. Reiben Sie ein Blatt zwischen den Fingern, verströmt es einen leicht würzigen, an Minze erinnernden Duft, was zur Unterscheidung von ähnlich wachsenden Pflanzen sehr hilfreich ist.
Von April bis Juni erscheinen kleine, blau-violette Blüten in den Blattachseln, die einzeln eher unauffällig wirken, in der Masse aber deutlich zu sehen sind. Gundermann breitet sich über oberirdische Ausläufer aus, die an jedem Blattknoten neue Wurzeln bilden können – ähnlich wie Erdbeeren, nur deutlich dichter und schneller. Diese Wuchsform erklärt, warum sich einmal etablierter Gundermann binnen kurzer Zeit über größere Flächen ausbreiten kann, sobald die Bedingungen passen.
Bevorzugt tritt die Pflanze an halbschattigen bis schattigen, eher feuchten Stellen auf – unter Bäumen, an Gebäudekanten mit wenig direkter Sonne oder in Rasenbereichen, die durch Staunässe ohnehin schon geschwächt sind. Wo der Rasen an solchen Stellen ausdünnt, findet Gundermann Platz, sich auszubreiten, ohne dass er die eigentliche Ursache für den lückigen Bestand wäre; er nutzt lediglich die Lücke, die durch Lichtmangel oder Feuchtigkeit bereits entstanden ist.
Kriechender Günsel: die häufigste Verwechslung mit Gundermann
Kriechender Günsel (Ajuga reptans) wird oft mit Gundermann verwechselt, weil beide Arten kriechend wachsen und ähnliche Standorte bevorzugen. Ein Blick auf die Blattform klärt den Unterschied schnell: Günsel bildet länglich-ovale, oft leicht rötlich oder bronzefarben überlaufene Blätter, die in einer Rosette am Boden liegen, während die Blüten in aufrechten, quirlig angeordneten Ähren stehen – meist in kräftigem Blau-Violett, seltener in Weiß oder Rosa.
Die Blätter von Gundermann dagegen sind rundlich-nierenförmig und deutlich gestielt, die Blüten sitzen einzeln in den Blattachseln statt in aufrechten Ähren. Beide Arten gehören zur selben Pflanzenfamilie und teilen den vierkantigen Stängel, was die Verwechslung begünstigt. Achten Sie im Zweifel auf die Blütenform: Günsel bildet erkennbare, aufrechte Blütenstände, die deutlich über die Blattrosette hinausragen, während die Blüten von Gundermann flach im Blattwerk verborgen bleiben und erst bei genauem Hinsehen auffallen.
Breitwegerich: die Trittpflanze
Breitwegerich (Plantago major) unterscheidet sich von den bisher genannten Arten schon durch seine Wuchsform: Die breiten, oval bis eiförmigen Blätter mit den deutlich sichtbaren Längsrippen bilden eine flache Rosette, aus deren Mitte im Sommer schmale, unauffällige Blütenähren aufsteigen. Anders als Löwenzahn, Klee oder Gundermann breitet sich Breitwegerich nicht über Ausläufer aus, sondern ausschließlich über Samen, von denen eine einzelne Pflanze mehrere Tausend produzieren kann.
Typisch für Breitwegerich ist sein Vorkommen an Stellen mit verdichtetem Boden und regelmäßiger Trittbelastung – entlang von Trampelpfaden über den Rasen, an Torzufahrten oder auf Wegen, die häufig begangen werden. Die Pflanze verträgt Verdichtung besser als die meisten Gräser und besetzt deshalb genau die Bereiche, in denen der Rasen unter der Belastung bereits geschwächt ist. Ähnlich wie beim Gundermann ist die Pflanze hier eher ein Anzeiger für eine bestehende Bodensituation als deren Ursache.
Bemerken Sie auf der eigenen Fläche eine solche Trampelspur mit auffällig vielen Breitwegerich-Rosetten, sagt das mehr über die Nutzung der Fläche aus als über eine Schwäche des Rasens selbst. Ein regelmäßig begangener Pfad wird sich kaum dauerhaft in eine dichte Grasnarbe zurückverwandeln, solange die Trittbelastung an derselben Stelle bleibt.
Vogelmiere und Gänseblümchen: zwei weitere häufige Arten
Neben den bisher beschriebenen Pflanzen begegnen Sie im Rasen häufig noch zwei weiteren, sehr unterschiedlichen Arten, die beide auf ihre eigene Weise auffallen und die es lohnt, ebenfalls sicher unterscheiden zu können. Die eine keimt schon bei niedrigen Temperaturen und wächst rasch heran, die andere bildet eine dauerhafte, flache Rosette und blüht über einen großen Teil des Jahres - beide unterscheiden sich damit deutlich sowohl voneinander als auch von den bereits vorgestellten Arten.
Vogelmiere: die schnellwüchsige Winterkeimerin
Vogelmiere (Stellaria media) fällt durch ihre kleinen, eiförmigen, gegenständigen Blätter an weichen, oft niederliegenden Stängeln auf. Sie zählt zu den Pflanzen, die schon bei kühlen Temperaturen keimen und wachsen – teilweise schon im Spätwinter, sobald der Boden kurz auftaut – und blüht dann mit winzigen, weißen, tief eingeschnittenen Blütensternchen fast das ganze Jahr über, mit Ausnahme strenger Frostperioden.
Im Rasen tritt Vogelmiere vor allem an lichten, eher nährstoffreichen Stellen auf, etwa dort, wo die Grasnarbe im Vorjahr ausgedünnt war oder wo frisch angesätes Gras noch nicht dicht genug steht, um ihr Konkurrenz zu machen. Weil sich die Pflanze über ihre kurze Lebensdauer hinweg mehrfach im Jahr versamen kann, kann sie sich auf offenen Flächen erstaunlich schnell etablieren, verschwindet aber ebenso schnell wieder, sobald die Fläche dichter zuwächst.
Gänseblümchen: die kleine Rosette mit der ausdauernden Blüte
Gänseblümchen (Bellis perennis) gehören zu den bekanntesten Pflanzen im Rasen und lassen sich kaum verwechseln: Die löffelförmigen, am Rand leicht gezähnten Blätter bilden eine flache Rosette dicht über dem Boden, aus der einzelne Blütenstängel mit den charakteristischen weißen Blütenkörbchen und dem gelben Zentrum aufsteigen. Geblüht wird von März bis in den späten Herbst, bei milden Wintern mitunter durchgehend.
Wie der Löwenzahn drückt sich die Blattrosette flach an den Boden und entgeht dadurch weitgehend dem Mähwerk. Gänseblümchen breiten sich sowohl über Samen als auch über kurze, unterirdische Ausläufer aus und bilden mit der Zeit dichte Bestände, die manche als dekorativ empfinden und andere als störend – eine Einschätzung, die sich von Garten zu Garten unterscheidet und keine botanische Frage ist. Wer sich unsicher ist, ob eine dichte Fläche voller Gänseblümchen stört oder nicht, kann sie über einen ganzen Sommer beobachten, bevor eine Entscheidung fällt.
Auf welche Merkmale es beim Bestimmen ankommt
Wer eine unbekannte Pflanze im Rasen einordnen will, kommt mit wenigen Merkmalen meist schon weit. Die Blattform und -anordnung – einzeln in Rosetten, gegenständig an Stängeln oder gefiedert – engt die Auswahl rasch ein, denn sie unterscheidet sich zwischen den Pflanzenfamilien deutlich stärker als etwa die Blütenfarbe. Danach hilft die Wuchsform: wächst die Pflanze aufrecht, kriechend über Ausläufer oder ausschließlich über Samen, ohne selbst zu wandern.
Die Blütezeit liefert einen dritten Anhaltspunkt, besonders wenn zwei Arten sich in Blatt- und Wuchsform ähneln. Löwenzahn und Gänseblümchen etwa haben beide gelbe beziehungsweise weiße Körbchenblüten, unterscheiden sich aber deutlich in Blattform und Wuchshöhe, sodass eine Verwechslung selten vorkommt, wenn Sie beide Merkmale zusammen betrachten statt nur eines davon. Bleiben Zweifel, lohnt sich ein zweiter Blick am besten an einem sonnigen Vormittag, wenn die meisten Blüten geöffnet sind und sich Farbe und Form am klarsten zeigen.
Ein Geruchstest, wie man ihn bei Gundermann anwenden kann, lässt sich auf mehrere Lippenblütler übertragen und ist ein einfaches, verlässliches Kriterium, das keine Ausrüstung braucht. Auch der Standort selbst gibt Ihnen Hinweise: Eine feuchte, schattige Ecke lässt eher an Gundermann denken, eine verdichtete Fläche an Breitwegerich, eine karge, ungedüngte Wiese eher an Klee. Diese Zusammenhänge ersetzen keine sichere Bestimmung anhand der Pflanze selbst, engen die Möglichkeiten aber sinnvoll ein, bevor Sie überhaupt genauer hinschauen.
Was die Artenvielfalt über die Rasenfläche verrät
Die Zusammensetzung der Beikräuter in einer Rasenfläche ist selten Zufall. Sie spiegelt Boden, Feuchtigkeit, Lichtverhältnisse und Nutzung wider, oft genauer als eine einzelne Bodenprobe es könnte, weil sich die Pflanzen über Monate oder Jahre an genau diese Bedingungen angepasst haben. Ein Rasen mit viel Weißklee deutet auf eher magere, wenig gedüngte Verhältnisse hin. Häufiger Gundermann oder Günsel weist auf Schatten und Feuchte hin, während Breitwegerich verdichtete, stark begangene Bereiche markiert.
Wer diese Zusammenhänge kennt, kann gezielter überlegen, ob und wo sich an den Bedingungen etwas ändern lässt, statt nur die Symptome – die jeweilige Pflanze – zu betrachten. Manchmal ist das gar nicht nötig: Ein Rasen mit einem gewissen Anteil an Gänseblümchen oder Klee bleibt für viele Nutzungen völlig ausreichend, und ein Teil der genannten Arten, etwa Weißklee, dient Bienen und anderen Insekten als Nahrungsquelle, was bei einer rein auf Einheitlichkeit ausgerichteten Fläche verloren ginge.
Wenn Sie mehrere Jahre im selben Garten beobachten, fällt Ihnen mit der Zeit auf, dass sich die Zusammensetzung selbst wieder verändert – etwa nach einem trockenen Sommer, nach einer Düngung oder nachdem ein Baum gefällt wurde und plötzlich mehr Licht auf eine bislang schattige Ecke fällt. Diese Verschiebungen sind ein brauchbarer, kostenloser Indikator dafür, wie sich die Bedingungen auf der Fläche insgesamt entwickeln.
Wenn eine Art überhandnimmt
Von Bestimmung zu Bekämpfung ist es ein eigener Schritt, der hier nur angerissen werden soll. Grundsätzlich gilt: Die meisten der genannten Arten breiten sich dort aus, wo der Rasen selbst geschwächt ist – durch Schatten, Verdichtung, Nährstoffmangel oder zu kurzen Schnitt. Eine dichte, gut versorgte Grasnarbe lässt den meisten Beikräutern wenig Raum, sich zu etablieren, weil die Konkurrenz um Licht und Nährstoffe entsprechend hoch ist.
Wo Sie einzelne Pflanzen gezielt entfernen wollen, empfiehlt sich bei tief wurzelnden Arten wie Löwenzahn ein Wurzelstecher, der die Pfahlwurzel möglichst vollständig aus dem Boden hebt, statt die Blattrosette nur oberflächlich abzureißen.
Bei kriechenden Arten wie Gundermann oder Weißklee hilft regelmäßiges, nicht zu tiefes Ausreißen der Ausläufer, verbunden mit Maßnahmen, die den eigentlichen Standortfaktor angehen – etwa mehr Licht durch Rückschnitt eines beschattenden Strauches, wo das möglich ist. Eine schnelle, dauerhafte Lösung gibt es dabei selten; die genannten Pflanzen kehren zurück, solange die Bedingungen, die sie begünstigen, unverändert bleiben.
Am Rand bemerkt: Wer im Rasen mit ausdauernden Wurzelunkräutern wie Löwenzahn zu tun hat, stellt gelegentlich fest, dass sich dasselbe Problem in einem erhöhten Beet mit eigener Füllung anders darstellt, weil dort weniger Wurzelmaterial aus dem umgebenden Erdreich eindringen kann. Das ändert nichts an der Bestimmung der hier beschriebenen Arten im Rasen selbst, ist aber eine Beobachtung, die manchen beim Vergleich beider Anbauformen auffällt.
Ähnliche Situation, andere Pflanzenwelt: Moos statt Kräuter
Wo eine Rasenfläche dauerhaft feucht, schattig oder verdichtet ist, siedelt sich neben den hier vorgestellten Kräutern häufig auch Moos an – allerdings handelt es sich dabei um eine grundsätzlich andere Pflanzengruppe ohne Blüten, die eigene Ursachen und eine eigene Betrachtung verdient, statt hier mit den blühenden Beikräutern in einen Topf geworfen zu werden.
Wenn Sie zusätzlich zu Löwenzahn, Klee und Gundermann auch grünliche, samtige Flächen ohne erkennbare Einzelblätter im Rasen finden, haben Sie es mit einer anderen Pflanzenwelt zu tun als der in diesem Artikel beschriebenen. Interessant ist dabei, dass sich manche Standortprobleme, die Moos begünstigen, mit ähnlichen Mitteln lindern lassen wie die hier genannten Faktoren für Kräuter – mehr Licht, weniger Verdichtung, ein ausgeglichener Nährstoffhaushalt.
Werkzeuge zur eigenen Nachbestimmung
Wer regelmäßig unsichere Fälle im eigenen Rasen hat, profitiert von einer einfachen Bestimmungshilfe – ob als Buch oder als App, in der Sie Blattform und Blütenfarbe eingeben oder ein Foto hochladen. Solche Hilfsmittel ersetzen keine botanische Ausbildung, reichen aber für die im Hausgarten verbreiteten Arten in aller Regel aus, gerade wenn Sie die hier beschriebenen Merkmale schon im Kopf haben und nur noch eine Bestätigung suchen.
Hilfreich ist außerdem, sich beim Beobachten Zeit über die Saison zu nehmen. Eine Pflanze, die im Frühjahr nur als unauffällige Blattrosette zu sehen ist, zeigt ihre Blüte oft erst Wochen später – wer im April schon eine sichere Bestimmung sucht, wird bei manchen Arten enttäuscht, während sich dieselbe Pflanze im Juni mit ihrer Blüte klar zu erkennen gibt. Wer über ein Jahr hinweg genau hinschaut, welche Arten wann erscheinen und wo im Garten, bekommt so nebenbei ein gutes Bild von den eigenen Standortbedingungen, ohne dafür etwas anderes tun zu müssen als aufmerksam zu beobachten.
Am Ende steht die Bestimmung für sich, unabhängig davon, was Sie anschließend mit der Erkenntnis anfangen. Manche Gartenbesitzer lassen Löwenzahn und Klee bewusst stehen, andere entscheiden sich für ein einheitlicheres Bild. Beide Herangehensweisen setzen voraus, dass man weiß, worum es sich tatsächlich handelt – und genau dafür sind die hier beschriebenen Merkmale gedacht. Man muss dafür kein botanisches Vorwissen mitbringen, sondern nur die Bereitschaft, einmal genauer hinzusehen, statt jede unbekannte Pflanze pauschal als Unkraut abzutun.

