
Chicorée im Hochbeet anbauen
Chicorée ist eine vielseitige und gesunde Pflanze, die sich hervorragend für den Anbau im Hochbeet eignet. Mit ein wenig Planung und Pflege können Sie frischen Chicorée direkt aus Ihrem Garten genießen. Folgen Sie dieser einfachen Anleitung, um Chicorée erfolgreich in Ihrem Hochbeet anzubauen.
Eines sollte allerdings von Anfang an klar sein, weil es die ganze Kultur bestimmt und weil es bei kaum einem anderen Gemüse so ist: Chicorée wächst in zwei Durchgängen. Im ersten, von Mai bis Oktober, zieht man im Beet eine kräftige Wurzel heran – das Laub ist dabei Mittel zum Zweck und wird nicht gegessen. Im zweiten, von November an, werden diese Wurzeln ausgegraben und im Dunkeln angetrieben; erst dabei wachsen die hellen, festen Sprossen, die man im Handel als Chicorée kauft. Ohne diesen zweiten Durchgang gibt es keinen Chicorée. Wer das weiß, hat das Wesentliche verstanden – alles Weitere sind Handgriffe.
Das Hochbeet ist dafür übrigens der bessere Platz als der Gartenboden, und zwar aus einem handfesten Grund: Chicorée bildet eine lange Pfahlwurzel, und die wird nur dann gerade und glatt, wenn sie auf durchgehend lockere, steinfreie Erde trifft. Genau das bietet eine Hochbeetfüllung.
Chicorée im Hochbeet anbauen – Los geht's!
Schritt 1: Hochbeet vorbereiten
Standort: Wählen Sie einen sonnigen Standort für das Hochbeet.
Boden: Füllen Sie das Hochbeet mit einer Mischung aus hochwertiger Gartenerde und Kompost.
Bei der Erde gilt allerdings ein „weniger ist mehr", das dem ersten Eindruck widerspricht. Chicorée ist ein Mittelzehrer, und ein zu üppiges Stickstoffangebot treibt Blattmasse auf Kosten der Wurzel – am Ende steht eine kräftige Rosette über einer dünnen, verzweigten Wurzel, aus der sich nichts treiben lässt. Chicorée gehört deshalb ins dritte oder vierte Jahr nach dem Befüllen, nicht ins erste. Frischer Mist ist der sicherste Weg zu gegabelten Wurzeln und hat hier nichts zu suchen. Wichtiger als die Nährstoffe ist die Struktur: Die oberen dreißig Zentimeter müssen feinkrümelig und frei von Steinen und Holzstückchen sein. Sieben Sie sie notfalls durch.
Schritt 2: Chicorée-Samen auswählen
Achten Sie beim Saatgut darauf, dass es sich wirklich um Treibchicorée handelt – also um eine Sorte, die zum Antreiben im Dunkeln gezüchtet ist. Hier hilft eine Unterscheidung, die im Handel oft verwischt wird: Zuckerhut und Radicchio sind zwar nahe Verwandte aus derselben Art, werden aber als Kopf im Beet geerntet und gar nicht getrieben. Endivie gehört sogar einer anderen Art an. Alle drei sind gute Salate, aber keiner von ihnen liefert die hellen Sprossen, um die es hier geht.
Bei den Treibsorten gibt es einen praktischen Unterschied, der über die spätere Arbeit entscheidet. Ältere Sorten werden beim Treiben mit einer Schicht Erde oder Sand abgedeckt, damit die Sprossen fest und geschlossen bleiben; das ist umständlich und macht Schmutz. Neuere Züchtungen sind darauf gezogen, ohne Deckerde feste Zapfen zu bilden – für den Hausgarten ist das die deutlich bequemere Wahl. Achten Sie außerdem auf die Angabe „schoßfest": Sie sagt Ihnen, dass die Sorte bei einem kühlen Frühsommer nicht vorzeitig in Blüte geht.
Schritt 3: Aussaat
Gesät wird direkt ins Beet, und der Zeitpunkt ist der häufigste Grund für einen Fehlschlag: nicht vor Mitte Mai. Chicorée reagiert auf Kälte in der Jugend damit, dass er schosst – er bildet einen Blütenstiel statt einer Wurzel, und damit ist die Kultur für dieses Jahr erledigt. Das Zeitfenster reicht von Mitte Mai bis Mitte Juni; wer früher sät, riskiert das Schossen, wer später sät, bekommt bis zum Herbst keine ausreichend dicke Wurzel mehr.
Legen Sie die Samen ein bis zwei Zentimeter tief in Reihen mit dreißig Zentimetern Abstand. In der Reihe wird später auf zehn Zentimeter vereinzelt. Halten Sie die Fläche bis zum Auflaufen gleichmäßig feucht – das dauert acht bis zwölf Tage. Ein Hinweis zur Fruchtfolge gleich hier, weil er die Standortwahl betrifft: Chicorée ist ein Korbblütler wie Salat, Endivie und Schwarzwurzel und sollte frühestens nach drei bis vier Jahren wieder an dieselbe Stelle.
Schritt 4: Keimung und Pflege
Wasser: Halten Sie den Boden feucht bis zum Erscheinen der Keimlinge.
Vereinzeln: Vereinzeln Sie die Keimlinge, um genügend Wachstumsraum zu schaffen.
Das Vereinzeln ist wichtiger, als es klingt, und es sollte früh geschehen – sobald die Pflänzchen zwei bis drei richtige Blätter haben. Zu eng stehende Pflanzen bilden dünne Wurzeln, und aus einer dünnen Wurzel wird später kein fester Zapfen. Der Zielabstand ist eine Handbreit, also rund zehn Zentimeter.
Danach ist die Kultur bis in den Herbst ausgesprochen anspruchslos. Halten Sie das Beet unkrautfrei und hacken Sie dabei nur flach, damit die Pfahlwurzel nicht verletzt wird. Gegossen wird gleichmäßig, aber zurückhaltend – Chicorée verträgt Trockenheit besser als die meisten Gemüse, und zu viel Wasser fördert wiederum das Laub. Zusätzlich gedüngt wird nicht. Was Sie im Sommer sehen, ist eine unscheinbare grüne Rosette; die eigentliche Arbeit findet unter der Erde statt.
Schritt 5: Erntezeitpunkt
Geerntet werden im Oktober oder November die Wurzeln, nicht das Laub. Der richtige Moment ist gekommen, wenn die äußeren Blätter zu vergilben beginnen; ein leichter Frost vorher schadet nicht, sondern ist sogar günstig, weil er die Ruhephase einleitet, die die Wurzel für das Treiben braucht. Vor starkem Dauerfrost sollten sie allerdings herein.
Eine brauchbare Wurzel ist am Kopf drei bis fünf Zentimeter dick und fünfzehn bis zwanzig Zentimeter lang. Deutlich dünnere Wurzeln treiben nur lockere, blättrige Sprossen; sehr viel dickere ebenfalls. Graben Sie mit der Grabegabel großzügig darunter und heben Sie die Wurzeln heraus, statt sie zu ziehen – abgerissene Wurzelspitzen faulen später im Treibgefäß. Kürzen Sie das Laub anschließend auf zwei bis drei Zentimeter über dem Wurzelkopf ein, und zwar mit einem Schnitt, der die Herzknospe in der Mitte unversehrt lässt: Aus ihr wächst der Zapfen. Die Wurzelspitze wird auf etwa zwanzig Zentimeter gekürzt.
Dann folgt eine Ruhezeit von zwei bis drei Wochen. Lagern Sie die Wurzeln kühl bei null bis zwei Grad, in feuchtem Sand oder in einer Kiste im ungeheizten Keller. Diese Pause ist nicht optional – ohne sie treiben die Wurzeln ungleichmäßig und träge aus.
Schritt 6: Treiben im Dunkeln – hier entsteht der Chicorée
Jetzt kommt der Schritt, der aus einer Wurzel ein Gemüse macht. Setzen Sie die Wurzeln dicht an dicht und aufrecht in einen Eimer, eine Maurerbütte oder einen hohen Topf mit feuchter Erde oder Sand, sodass nur die Köpfe herausschauen. Zwanzig bis dreißig Wurzeln passen in einen Zehn-Liter-Eimer. Gießen Sie einmal durchdringend an und stellen Sie das Gefäß an einen Ort mit fünfzehn bis achtzehn Grad – Keller, Waschküche, Abstellraum.
Entscheidend ist die vollständige Dunkelheit. Daher der Name Blanchieren, und daran hängt alles: Unter Lichteinfluss ergrünen die Sprossen, werden ausgesprochen bitter und bleiben lose. Stülpen Sie deshalb einen zweiten Eimer darüber oder decken Sie mit einem lichtdichten Tuch ab, und sehen Sie nur kurz nach. Nach drei bis vier Wochen sind die Zapfen zwölf bis fünfzehn Zentimeter lang und fest – dann werden sie mit einem kurzen Stück des Wurzelkopfes abgeschnitten.
Zwei Hinweise noch, die den Ertrag verdoppeln können. Erstens treiben viele Wurzeln nach der ersten Ernte ein zweites Mal aus; die zweiten Zapfen bleiben kleiner, sind aber ebenso gut. Zweitens müssen Sie nicht alle Wurzeln auf einmal ansetzen: Wer alle zwei bis drei Wochen eine Portion einräumt, erntet von Dezember bis in den März hinein frischen Chicorée – genau in der Zeit, in der der Garten sonst nichts hergibt. Die restlichen Wurzeln warten so lange kühl und feucht im Keller.
Schritt 7: Die geernteten Sprossen richtig aufbewahren
Chicorée verliert im Licht schnell an Güte – er wird grün und bitter, und das lässt sich nicht rückgängig machen. Bewahren Sie die geernteten Zapfen deshalb dunkel und kühl auf, am besten in ein Tuch oder Papier geschlagen im Gemüsefach; so halten sie ein bis zwei Wochen. Aus demselben Grund liegt gekaufter Chicorée im Handel unter blauem Papier.
Ein Wort zum Geschmack, weil er der häufigste Einwand gegen dieses Gemüse ist: Die Bitterstoffe sitzen vor allem im keilförmigen Strunk am unteren Ende. Wer ihn großzügig herausschneidet, nimmt dem Chicorée den größten Teil der Bitterkeit. Neuere Sorten sind ohnehin deutlich milder als die von früher. Und die Bitterstoffe sind kein Makel, sondern der Grund, aus dem Chicorée als bekömmlich gilt – sie regen die Verdauung an.
Schritt 8: Nachfolgepflanzungen planen
Bereiten Sie das Beet nach der Ernte des Chicorée für andere Gemüsesorten vor. Weil die Wurzeln erst im Oktober oder November herauskommen, ist die Fläche für dieses Jahr abgeräumt – eine Nachkultur lohnt nicht mehr. Sinnvoll ist stattdessen eine Gründüngung aus Winterroggen oder Feldsalat, die den Boden über den Winter durchwurzelt hält, oder eine Mulchschicht aus Laub.
Für das kommende Jahr gilt die Fruchtfolge: An dieselbe Stelle gehört jetzt kein Korbblütler, also weder Salat noch Endivie, Zuckerhut oder Schwarzwurzel. Gut geeignet sind dagegen Kohlarten, Zwiebeln und Lauch. Und weil der Chicorée den Platz von Mai bis November belegt, lohnt es sich, ihn beim Beetplan von vornherein an eine Seite zu legen, wo er niemandem im Weg steht.


