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Was sollte im ersten Jahr nicht ins Hochbeet?
Im ersten Jahr sollte man auf bestimmte Pflanzen und Materialien verzichten, die das Hochbeet belasten könnten oder zu Nährstoffungleichgewichten führen. Hier sind einige Dinge, die im ersten Jahr vermieden werden sollten:
Voraus ein Satz, der die ganze Liste ordnet, weil er in vielen Ratgebern falsch dargestellt wird: Das erste Jahr ist im Hochbeet nicht das nährstoffärmste, sondern das nährstoffreichste. Unter der Pflanzerde zersetzen sich Astwerk, Grassoden und halbreifer Kompost, und dabei wird so viel Stickstoff frei wie nie wieder in der Standzeit des Beetes. Dieser Vorrat lässt sich nicht aufsparen – wer ihn im ersten Jahr nicht nutzt, verliert ihn an das Sickerwasser. Was im ersten Jahr wirklich stört, ist deshalb weniger der Nährstoffhunger einer Pflanze als der Überschuss, die noch unfertige Struktur der Füllung und ihre Sackung.
Unkompostierte organische Materialien:
Frische Kompostmaterialien können beim Abbau Stickstoff aus dem Boden ziehen und den Pflanzen die benötigten Nährstoffe entziehen. Der Grund ist, dass die Bakterien, die das Material zersetzen, selbst Stickstoff brauchen und ihn sich aus der Umgebung holen. Je holziger das Material und je weiter sein Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff, desto stärker fällt dieser Entzug aus.
Entscheidend ist dabei nicht das Material an sich, sondern die Schicht, in die es kommt. Unten im Beet ist grobes, unverrottetes Astwerk genau richtig – es ist das Fundament des Aufbaus und soll sich über Jahre hinweg zersetzen. Zum Problem wird rohes Material erst in den obersten zwanzig bis dreißig Zentimetern, in denen die Wurzeln stehen. Dorthin gehören ausschließlich reifer Kompost und gute Gemüseerde. Frischer Rasenschnitt in dicker Lage fault unter Luftabschluss, frischer Mist verbrennt die Wurzeln und ist zudem der klassische Grund für gegabelte Möhren, und Rindenmulch entzieht dem Boden über Monate hinweg Stickstoff. Wenn Sie unsicher sind, ob ein Kompost reif ist: Er riecht nach Waldboden, ist krümelig und lässt keine Ausgangsstoffe mehr erkennen.
Stark zehrende Pflanzen:
Hier ist eine Richtigstellung fällig, denn der oft gelesene Rat, im ersten Jahr auf Starkzehrer zu verzichten, kehrt die tatsächliche Empfehlung um. Kürbis, Zucchini, Gurke, Tomate, Kohl und Sellerie gehören genau in dieses erste Jahr – sie sind die einzigen Pflanzen, die den Nährstoffschub der beginnenden Verrottung überhaupt abnehmen können. Ein Beet, das im ersten Jahr nur Radieschen und Kräuter trägt, verschenkt seinen größten Vorteil.
Die übliche Reihenfolge über die Standzeit sieht so aus: Starkzehrer in den Jahren eins und zwei, Mittelzehrer wie Möhren, Zwiebeln, Rote Bete, Kohlrabi und Fenchel im dritten Jahr, Schwachzehrer wie Kräuter, Bohnen, Erbsen, Salat und Radieschen ab dem vierten. Nach fünf bis sieben Jahren ist der Vorrat aufgezehrt, das Beet wird ausgeräumt und neu geschichtet, und die Folge beginnt von vorn. Zusätzlich düngen muss man im ersten Jahr nicht – wer es doch tut, treibt Blattmasse auf Kosten der Frucht und zieht Blattläuse an.
Zurückhaltung verdient im ersten Jahr dagegen eine andere Gruppe, und zwar wegen des Überschusses: Blattgemüse wie Salat, Spinat, Mangold und Rucola lagern bei hohem Stickstoffangebot Nitrat in den Blättern ein. Diese Kulturen liefern ab dem zweiten oder dritten Jahr das bessere Ergebnis.
Wurzelgemüse:
Möhren, Pastinaken und Schwarzwurzeln sind im ersten Jahr tatsächlich fehl am Platz – allerdings nicht, weil ihnen die Tiefe fehlte. Ein Hochbeet bietet mehr durchgehend lockeren Raum als die meisten Gartenböden und ist auf lange Sicht das beste Möhrenbeet, das man haben kann. Zwei andere Gründe sprechen gegen das erste Jahr. Zum einen der Stickstoffüberschuss: Möhren sind Mittelzehrer und reagieren auf ein üppiges Angebot mit kräftigem Kraut und gegabelten, beinigen Wurzeln. Zum anderen die noch unfertige Struktur. Eine frische Füllung enthält oben oft noch grobe Bestandteile und Holzstückchen, und sie sackt im ersten Jahr am stärksten – beides lässt die Pfahlwurzel ausweichen. Ab dem zweiten, spätestens dritten Jahr ist die oberste Schicht feinkrümelig und abgesetzt, und dann gelingen Möhren im Hochbeet besser als im Bodenbeet.
Eine Berichtigung gehört an dieser Stelle dazu, weil Radieschen in diesem Zusammenhang oft mitgenannt werden: Sie zählen nicht zu den tief wurzelnden Kulturen. Ihre Knolle sitzt in den obersten drei bis fünf Zentimetern, und sie können vom ersten Tag an gesät werden – sie sind sogar eines der dankbarsten Gemüse für ein neues Beet.
Invasive Pflanzen:
Pflanzen, die sich stark ausbreiten, sollten besser nicht in das Hochbeet gepflanzt werden, da sie andere Pflanzen überwuchern könnten. Dieser Punkt trifft uneingeschränkt zu, und er wiegt im ersten Jahr am schwersten: Was jetzt gesetzt wird, hat bis zur nächsten Erneuerung der Füllung fünf bis sieben Jahre Zeit, sich auszubreiten.
Gemeint sind vor allem Minze und Zitronenmelisse, die über unterirdische Ausläufer wandern, dazu Meerrettich, Topinambur und Beinwell, die aus jedem im Boden verbliebenen Wurzelstück wieder austreiben. Die lockere, nährstoffreiche Füllung eines neuen Hochbeets bietet ihnen die denkbar besten Bedingungen, und ihre Ausläufer machen an der Beetwand nicht halt, sondern biegen ab und durchziehen die ganze Fläche. Eine Minze hat ein kleines Hochbeet binnen zweier Sommer für sich allein. Wenn Sie diese Kräuter haben möchten, setzen Sie sie in einen eingegrabenen Topf ohne Boden oder hinter eine Rhizomsperre – am einfachsten ist ein eigenes Gefäß neben dem Beet. Dasselbe gilt für stark selbstaussäende Arten wie Dill, Borretsch und Ringelblume: Sie sind willkommen, aber schneiden Sie die Blütenstände ab, bevor die Samen ausfallen.
Und noch etwas: Auffüllen und Gießen nicht vergessen
Zwei Arbeiten fallen im ersten Jahr stärker an als in allen folgenden. Die erste ist das Auffüllen. Weil sich das organische Material im Inneren zusammenzieht, sackt die Füllung im ersten Jahr um zehn bis zwanzig Zentimeter – deutlich mehr als später. Rechnen Sie damit, im Herbst und noch einmal im folgenden Frühjahr nachzufüllen, am besten mit reifem Kompost und Gemüseerde. Wer beim Befüllen schon eine Handbreit über den Rand aufschüttet, spart sich einen Teil davon.
Die zweite ist das Gießen. Eine frische, lockere Füllung speichert Wasser noch schlechter als eine gesetzte, und ein freistehendes Hochbeet trocknet ohnehin von allen Seiten aus. In heißen Wochen sind fünfzehn bis zwanzig Liter je Quadratmeter und Woche normal. Gießen Sie lieber zweimal wöchentlich durchdringend als täglich ein wenig, und legen Sie ab Juni eine Mulchschicht aus Stroh oder angetrocknetem Rasenschnitt auf – drei bis fünf Zentimeter genügen und sparen spürbar Wasser.


